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Warteschleife: Abgebrannt im Legoland

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Freizeitpark Legoland: Jedes Extra kostet extra Fotos
DPA

Ein Familienausflug in den Freizeitpark - das wird nicht ganz billig. Als Tom König das Legoland besucht, ist er dennoch überrascht, wie umfassend ihn die Klötzchenfirma ausnehmen will.

Playmobil oder Lego - was ist cooler? Lange präferierte mein siebenjähriger Sohn Toni Playmo, neuerdings tendiert er jedoch zu der Klötzchenfirma. Sein größter Wunsch ist es, ins Günzburger Legoland zu fahren.

Zuvor hatten wir bereits den Playmobil Funpark besucht. Er liegt im fränkischen Zirndorf und ist großartig. Der Eintritt beträgt lediglich acht Euro. Fahrgeschäfte oder Spielautomaten gibt es keine, stattdessen wurden Westernstadt oder Piratenschiff in Originalgröße nachgebaut. Die Kinder können nach Herzenslust herumturnen und Dinge entdecken - in der Löwenritterburg beispielsweise ein halbes Dutzend Geheimgänge.

Als ich meiner Freundin Claudia erzähle, dass Toni und ich als nächstes Legoland in Angriff nehmen, gehen ihre Mundwinkel leicht nach unten.

"Waren wir schon."

"Und, wie war's?", frage ich.

"Ganz okay. Ein Tipp, Tom."

"Ja?"

"Nimm Geld mit. Viel Geld."

40 Euro Eintritt - plus, plus, plus

Legoland-Tickets sind im Branchenvergleich ziemlich teuer. 40,50 Euro muss ein Erwachsener berappen, Kinder zahlen 36 Euro. Parken muss man auch noch - für weitere sechs Euro. Dafür ist das Areal riesig, deutlich größer als das der Zirndorfer Konkurrenz.

Bereits aus der Ferne vernehme ich das Gekreische von Menschen, die in Achterbahnen durchgeschüttelt werden. Denn Legoland setzt vor allem auf Fahrgeschäfte. Da es ein schöner Sommertag ist, haben sich vor selbigen lange Schlangen gebildet. Schilder sagen einem, ob man eine halbe, eine ganze oder gar anderthalb Stunden warten muss.

Besonders gut gefällt Toni die "Tempel X-pedition", eine Geisterbahn, in der man mit Laserpistolen auf Monster schießt. Als wir durch sind, fragt er: "Warum können wir nicht nochmal fahren?"

"Können wir schon, aber dann müssen wir wieder anstehen."

Toni zeigt auf zwei Jungs, die an der Schlange vorbei gehen und sich in einen der Wagen setzen. "Aber die dürfen doch auch gleich."

"Das sind Blödnasen", entgegne ich. "Vordrängeln ist total gemein."

Das Anstehen nervt. Was mir aber noch mehr auf den Zeiger geht, sind jene Rummelbuden, die überall zwischen den Fahrgeschäften stehen. Dort kann man Frösche angeln oder Dosen werfen - gegen Bezahlung, natürlich. Als Gewinn gibt es kein Lego, sondern chinesische Plüschdinger. Alle paar Minuten fragt Toni, ob man nicht noch hier oder da ein paar Lose oder Bälle kaufen könnte.

Natürlich ist auch Lego-Spielzeug im Angebot. Überall sind Shops platziert. Kaum können wir von einer Attraktion zur anderen laufen, ohne dass mich Toni in einen Chima- oder Star-Wars-Store zerren will.

Geldschneiderei allerorten

Einige der Fahrgeschäfte sind recht innovativ - noch größer scheint der Erfindungsreichtum der Legoleute aber zu sein, wenn es darum geht, dem bereits am Eingang ordentlich geschröpften Kunden weiteres Geld aus der Tasche zu zu ziehen.

Das beste Beispiel dafür ist eine Attraktion namens "Piratenschlacht". Dort fährt man mit Booten auf einem See herum und beschießt einander mit Wasserkanonen. Am Eingang hängt ein Schild - mit dem Hinweis, hier werde man richtig nass. Darunter steht praktischerweise ein Automat, aus dem man Einwegplastikponchos ziehen kann, das Stück zu vier Euro. Trotzdem nass geworden? Am Ausgang befindet sich eine Batterie von Heißlufttrocknern - die pusten natürlich erst, wenn die Münze klingelt.

Senator-Karte zum Schlangenumschiffen

Als ich während des Schlangestehens einen Legoland-Flyer studiere, finde ich heraus: Die Warterei müsste nicht sein. Der Park bietet mir nämlich für zwölf Euro ein Gerät namens Express Pass an. Damit könnte ich einen Platz in der Warteschlange reservieren, ohne anstehen zu müssen. Stattdessen geht man einfach zur angezeigten Zeit durch das Express-Gate. Falls mir das auch zu lange dauert, könnte ich für 50 Euro den Express Pass Gold erwerben. Dieser reduziert die Wartezeit um 90 Prozent - ich dürfte also quasi an der Schlange vorbeigehen, so wie die beiden Jungs, die Toni in der Geisterbahn beobachtet hat.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Lego baut einen Vergnügungspark, füllt ihn mit sehr vielen zahlenden Kunden - und möchte dann extra Geld sehen, weil die Schlangen so lang sind. Das ist ein bisschen, als drehte man jemand für einen Euro einen wurmstichigen Apfel an und forderte dann einen weiteren Euro dafür, dass man die gammelige Stelle rausschneidet.

Im Playmobil Funpark führt der einzige Ausgang übrigens durch den größten Playmo-Shop der Welt. Auch das ist ein bisschen perfide - aber dafür ist der Rest des Parks fast kommerzfrei. Ich habe mich dort lange nicht so abgekocht und ausgepresst gefühlt wie auf der ausschließlich auf Profitmaximierung ausgerichteten Kirmes namens Legoland.

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insgesamt 140 Beiträge
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1. Interessant
mupatz 24.09.2014
wären ein Paar Daten. Also wieviel Geld Sie letztlich bezahlt haben, quasi als abschreckendes Beispiel. Denn Abschreckung oder schockieren halte ich in diesem Fall mehr als angebracht! Ansonsten Danke für den Artikel und seinen informativen Teil.
2. Einen herzlichen Dank lieber Redakteur
howagri100 24.09.2014
Wir waren bereits in Zirndorf und es hat uns wirklich allen gut gefallen. Die Reise zu den LEGOs werden wir uns nun klemmen und lieber nochmal ins Fränkische fahren.
3. Danke !
bluemetal 24.09.2014
Ich war einmal dort, nie nie nie wieder ! Nach 1 1/2 stündigem Anstehen am Eingang (kein Witz) zahlte ich für eine vierköpfige Familie etwa 150,-€ Eintritt !!! Fahren konnte man wegen der Schlangen eh nichts. Selbst das Parken kostet noch extra. Dann wollen die Kiddies natürlich noch Essen, Lego kaufen etc. Nur Disney-World Paris ist noch unverschämter. Der Playmobile-Park war da richtig human dagegen. Glücklicherweise haben auch meine Kinder inzwischen die Schnauze von derartigen "Vergnügen" gestrichen voll. Die Eltern hatten das schon an der Kasse...
4. Größe
dasbeau 24.09.2014
"stattdessen wurden Westernstadt oder Piratenschiff in Originalgröße nachgebaut." - Naja, ein bisschen größer sind sie schon ;-) Ansonsten hat der Autor absolut Recht. Der Playmobilpark ist grandios und die Kinder kommen - günstig - auf ihre Kosten (die Eltern auch). Das Legoland hingegen ist zum Abgewöhnen.
5. Komplette Enttäuschung ...
Armes Lego! 24.09.2014
... Danke für den Artikel! Hatte meinen Ärger über das Legoland DK schon fast verdrängt. Muss leider alles bestätigen. Dringender Tipp: erspart euch das und fahrt in den Barfusspark nach Egestorf - geht ab ...
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