Lehrreiche Formel-1-Legende Niki denkt positiv, Lauda nutzt die Chancen

Worin liegt die Erfolgsformel von Business-Stars? Buchautor Frank Arnold hat die Lebensleistung von Prominenten untersucht. Auch von Niki Lauda kann jeder etwas lernen. Trotz vieler Rückschläge hat die Formel-1-Legende stets konstruktiv gedacht - und Chancen ergriffen.

Niki Lauda: Das Stehaufmännchen sieht in Problemen immer auch die Chancen
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Niki Lauda: Das Stehaufmännchen sieht in Problemen immer auch die Chancen


Hamburg - Der Österreicher Niki Lauda hat durch spektakuläre Wendepunkte in seinem Leben immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Nicht nur in der Formel 1, auch als Unternehmer hat er stets bewiesen, dass scheinbar Unmögliches funktionieren kann.

Seine Mischung aus Individualismus, Kompromisslosigkeit, Pragmatismus und Willenskraft hat Lauda viele Erfolge beschert. Genauso bemerkenswert ist aber seine unübersehbare Fähigkeit zu konstruktivem Denken. Dabei geht es um zwei Dinge:

  • Sich auf Chancen statt auf Probleme zu konzentrieren.
  • Eine konstruktive und positive Grundhaltung zu pflegen, selbst wenn die Rückschläge noch so groß und die Probleme noch so unüberwindlich erscheinen.

1975 wurde Lauda Weltmeister in der Formel 1. In der folgenden Saison verunglückte er auf dem Nürburgring schwer. Mit rund 220 Kilometern pro Stunde kam er von der Strecke ab, der Ferrari fing Feuer. Seine Kollegen retteten ihn aus dem brennenden Wrack, fünf Tage lang rang er mit dem Tod. Nur sechs Wochen nach dem Inferno fuhr Lauda sein nächstes Rennen und wurde Vierter. Spätestens damit war er weltberühmt. Zu einer Legende wurde Lauda dann, als er 1977 erneut Weltmeister wurde.

Mit Beharrlichkeit zur Lizenz

Die Begründung, mit der er 1979 überraschend zurücktrat, hat fast schon Kultstatus: "Ich habe genug vom Im-Kreis-Fahren." Im gleichen Jahr gründete er seine erste Fluglinie Lauda Air. Mit der Absicht, das staatliche Monopol von Austrian Airlines zu brechen, begann er ein vermeintlich aussichtsloses Unterfangen.

Trotz Unterstützung des damaligen österreichischen Kanzlers Bruno Kreisky gelang es ihm jedoch nicht, die erforderlichen Konzessionen zu bekommen. Ohne seinen Traum von der eigenen Airline zu begraben, wandte Lauda sich wieder der Formel 1 zu und wurde 1984 zum dritten Mal Weltmeister. Noch immer hatte er die ersehnte Linienkonzession für Langstreckenflüge von der österreichischen Bundesregierung nicht erhalten, aber mit Beharrlichkeit erlangte er sie schließlich doch.

Richard Branson, Milliardär und Gründer der Virgin-Gruppe, soll sinngemäß einmal auf die Frage "Wie wird man Millionär?" geantwortet haben, dies sei ganz einfach. Man solle als Milliardär beginnen und eine Airline gründen. Im Gegensatz dazu bewies Lauda mit der Gründung seiner Fluglinie Niki erneut, dass er es versteht, Chancen zu nutzen.

Seit der Gründung im Jahr 2003 floriert die Firma. Aber damit nicht genug: Mit Lauda-Motion gründete er ein weiteres Unternehmen. Die Autovermietung vermietet kleine Autos zu spektakulären Preisen: "1 Smart, 1 Tag, 1 Euro". Die Idee: Nicht am Mietwagenkunden wird das Geld verdient, sondern am Werbekunden, der die Autos mit seinen Botschaften beklebt.

Auch Sportler nutzen mentales Training

Wie kaum ein Zweiter hat Lauda mehrmals bewiesen, dass man sich auch von größten Rückschlägen erholen kann: der schwere Unfall, das jahrelange Ringen um die Flugkonzessionen, die Überwindung des Imageschadens der Lauda Air durch den Absturz einer Linienmaschine 1991. Mit der Gründung seiner Low-Cost-Airline und der Autovermietung hat er außerdem bewiesen, dass man selbst unter härtesten Wettbewerbsbedingungen erfolgreich sein kann.

Aber wie gelingt es einem, konstruktiv zu denken und Chancen systematisch zu nutzen? Die meisten erfolgreichen Menschen haben sich konstruktives Denken schlichtweg angewöhnt. Es mag Naturtalente geben, die sich auch über Jahre durch nichts von ihrer positiven Grundhaltung abbringen lassen, aber die Mehrheit wird sich nach einigen Rückschlägen bewusst für konstruktives und positives Denken entscheiden und versuchen, sich diese Einstellung zu bewahren.

Für einen wirklich langfristigen Erfolg wäre es auch etwas gewagt, sich nur auf sein Naturell zu verlassen, da niemand wissen kann, unter welchen Druck er eines Tages geraten und welchen Grenzsituationen er ausgesetzt sein kann.

Selbst die optimistischsten Sportler würden nicht auf das Training ihrer mentalen Einstellung verzichten. Einige nutzen autogenes Training oder sonstige Formen von Entspannung, andere mentales Training, wieder andere nutzen Notizzettel, die sie an die richtige Einstellung erinnern. Wie man sich diese konstruktive und positive Grundhaltung angewöhnt, ist unwichtig. Was zählt, ist, dass man sich diese Einstellung angewöhnt und sich so diszipliniert, dass man ihr stets treu bleibt.

Konstruktiv denken und Chancen nutzen

Ähnlich verhält es sich mit dem systematischen Nutzen von Chancen. Führungskräfte müssen sich zwingen, ihren Blick und den der Kollegen auf die Chancen zu lenken, da nur hier Ergebnisse zu holen sind. Selbstverständlich können wichtige Probleme nicht ignoriert werden, aber Organisationen, die vorrangig auf Probleme fokussiert sind, statt Chancen zu suchen, sind immer in der Defensive.

Wenn man das Handeln von Niki Lauda analysiert, liegt nahe, dass er sich selbst bei schwierigsten Problemen sinngemäß gefragt haben muss, welche Chance selbst darin liegen kann. Wenn Sie sich oder Ihre Organisation auf Chancen ausrichten wollen, muss das Nutzen eben dieser Chancen einen hohen Stellenwert haben. Und Sie müssen die entsprechende Grundeinstellung von Ihren Mitarbeitern verlangen.

Die Fragen müssen in etwa lauten: "Wo liegen derzeit besondere Chancen? Und welche Chancen in meinem Verantwortungsbereich hätten die größte Wirkung auf unsere Leistung und unsere Ergebnisse, wenn wir sie nutzen würden?" Im Laufe der Zeit wird es für Sie und Ihre Mitarbeiter zur reflexartigen Handlung, nach Chancen zu suchen.

Verinnerlichen Sie dazu die folgende Grundregel: Denken Sie konstruktiv und seien Sie chancen- statt problemorientiert.



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Seite 1
Realo, 16.10.2010
1. Eine sehr gelungene Analyse !
Mein Dank dafür an den Autor ! Ich kann die Schlussfolgerungen absolut nachvollziehen, obwohl ich nie wirklich darüber nachgedacht habe, waren meine Handlungen doch ähnlich. 1991 bin ich mit einer Schrottimmobilie auf die Nase gefallen. 2000 habe ich eine Million DM meines über 20 Jahre erzockten Geldes an der Börse verloren - da war ich zu gierig. 2004 hat mich ein Herzinfarkt auf die Bretter geschickt. 2007 hat mich das Unternehmen entlassen für das ich 36 Jahre gearbeitet habe und ich war danach 12 Monate arbeitslos. Na und ? Heute habe ich ein kleines aber feines IT-Beratungsunternehmen, für die ganz bösen Fälle. Die Aufträge sind überschaubar, aber lukrativ. Ich habe meine Chancen auch immer genutzt, ohne lange darüber nachzudenken. Liegt wohl an meiner positiven Grundeinstellung und einem Buch von Dale Carnegie das ich mit 13 gelesen habe : Sorge Dich nicht - lebe ! Allen ein schönes Wochenende ! Liebe Grüsse Realo
mmiller 16.10.2010
2. Ressourcen orientierte Sichtweise
Konzentriert man sich nur auf die Probleme, dann vergisst man, wie man sie lösen könnte. Bei der Konfrontation mit Problemen wird man von Ängsten und Zweifeln befallen und verliert den Glauben an sich selbst. Denkt man Ressourcen orientiert, dann besinnt man sich seines Könnens und geht Probleme und ihre Lösung kreativ an. Ich weiss, was ich kann und nehme deshalb Probleme als Chance wahr, weil ich mich durch Ausschöpfung meines Potenzials eine emotionale Befriedigung ermögliche. Ich steigere meinen Selbstwert. So werden Probleme nicht mehr der Ausgangspunkt von Depression, sondern die Motivation, mir immer wieder eine emotionale Belohnung abzuholen.
androlski 16.10.2010
3. So ist es!
Zitat von RealoMein Dank dafür an den Autor ! Ich kann die Schlussfolgerungen absolut nachvollziehen, obwohl ich nie wirklich darüber nachgedacht habe, waren meine Handlungen doch ähnlich. 1991 bin ich mit einer Schrottimmobilie auf die Nase gefallen. 2000 habe ich eine Million DM meines über 20 Jahre erzockten Geldes an der Börse verloren - da war ich zu gierig. 2004 hat mich ein Herzinfarkt auf die Bretter geschickt. 2007 hat mich das Unternehmen entlassen für das ich 36 Jahre gearbeitet habe und ich war danach 12 Monate arbeitslos. Na und ? Heute habe ich ein kleines aber feines IT-Beratungsunternehmen, für die ganz bösen Fälle. Die Aufträge sind überschaubar, aber lukrativ. Ich habe meine Chancen auch immer genutzt, ohne lange darüber nachzudenken. Liegt wohl an meiner positiven Grundeinstellung und einem Buch von Dale Carnegie das ich mit 13 gelesen habe : Sorge Dich nicht - lebe ! Allen ein schönes Wochenende ! Liebe Grüsse Realo
In Verbindung mit dem Spiegel-Artikel ein sehr wertvoller, ermutigender und anspornender Beitrag besonders auch für jene, die es nicht gewohnt sind, "nach dem Hinfallen sofort wieder aufzustehen", eine neue Herausforderung zu suchen. Ich könnte Ähnliches berichten; vielen Dank für das déjà-vu-Erlebnis, das Sie mir bereitet haben.
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