Lernen von Steve Jobs: Zeit ist mehr als Geld

Keine Kompromisse - Steve Jobs wollte jeden Tag so leben, als sei es sein letzter. Dieser Einstellung verdankt der Apple-Gründer seinen Ruhm. Doch kurz vor seinem Tod erkannte Jobs: Als Familienvater war er bei weitem nicht so erfolgreich wie als Unternehmer.

Steve Jobs: Der Apple-Gründer bei einem seiner letzten Auftritte im Juni 2011 Zur Großansicht
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Steve Jobs: Der Apple-Gründer bei einem seiner letzten Auftritte im Juni 2011

"The Magician" titelte die Zeitschrift The Economist am 8. Oktober 2011. Eine tiefe Verbeugung vor einem der einflussreichsten Menschen unserer Zeit: Steve Jobs (1955-2011) veränderte unsere Welt, unsere Gewohnheiten, unsere Ansprüche an Produkte. Das Paradoxe: er selbst sah sich als Revolutionär gegen die großen Unternehmen, wurde aber seinerseits von vielen Konzernlenkern als einer der größten Unternehmer unserer Zeit gepriesen. Er war ein verschlossener Mensch, gab praktisch nie Interviews über Persönliches. Wenn es allerdings darum ging, eines der neuen Apple-Produkte zu präsentieren, lieferte er immer eine fulminante Show. Seine Produkteinführungen, bei denen er alleine im schwarzen Rollkragenpulli auf einer abgedunkelten Bühne das nächste "unglaubliche" Apple-Produkt inszenierte, waren Meisterleistungen eines echten Showman.

Doch nicht nur Steve Jobs' Produkteinführungen haben Kultstatus erlangt. Im Sommer 2005 hielt Jobs an der Stanford University eine legendäre Ansprache. Er erzählte den Studenten, dass er als junger Mann einmal ein Zitat gelesen habe: "Wenn du jeden Tag lebst, als sei er dein letzter, wirst du irgendwann recht haben." Jobs fuhr fort, dass er sich seit jenem Tag frage, ob er das tue, was er wirklich tun wolle, wenn heute sein letzter Tag wäre. Falls die Antwort "nein" laute, ändere er seinen Plan. "Eure Zeit ist begrenzt. Vergeudet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogmen einengen - dem Resultat des Denkens anderer," gab er den Studenten mit auf den Weg. Und er schloss mit einem Leitspruch, der sein gesamtes Leben geprägt hat: "Stay hungry, stay foolish." Übersetzt etwa: bleib hungrig, bleib ein Narr!

Steve Jobs hat die Welt durch Innovationen geprägt und dafür sein Privatleben oft vernachlässigt. Doch auch in Steve Jobs regte sich augenscheinlich der Wunsch, mehr zu hinterlassen als eine Kultmarke - vor allen Dingen für seine Familie, die oft außen vor geblieben war. Der an sich verschlossene Steve Jobs bat im Frühsommer 2004 Walter Isaacson, einen der namhaftesten Biografen der Vereinigten Staaten, um ein persönliches Gespräch. Der Unternehmer wollte wissen, ob Isaacson Jobs Biografie schreiben wolle. Damals war der Apple-Gründer gerade einmal Ende 40. Isaacson fühlte sich zwar geehrt, erwiderte Jobs aber, dass man das Projekt in ein oder zwei Jahrzehnten angehen könne. Zu diesem Zeitpunkt wusste Isaacson nicht, dass Jobs schwer krank war.

Als einige Jahre später Jobs Kampf gegen die Krebserkrankung offensichtlich wurde, entschloss sich Isaacson zum Verfassen der Biografie. Die beiden arbeiteten über zwei Jahre miteinander, in über 50 Gesprächen trug Isaacson Steve Jobs Leben und Lebenswerk zusammen. Das letzte Interview fand wenige Wochen vor seinem Tod statt. Erst in diesem letzten Gespräch traute sich Isaacson, Jobs die eine Frage zu stellen, die ihm die ganze Zeit über auf den Lippen gelegen hatte: Die Frage nach dem Grund, warum sich der sonst so verschlossene Mann für dieses Buch geöffnet habe. "Ich wollte, dass meine Kinder mich kennen", lautete die Antwort. "Ich war nicht immer für sie da, und ich wollte, dass sie die Gründe erfahren und verstehen, was ich getan habe."

Stay hungry, stay foolish? Ja, streben Sie ruhig nach Ihren hochgesteckten Zielen, vielleicht verändern Sie sogar die Welt. Aber sorgen Sie auch für eine ausgewogene Balance zwischen Ihrem Berufs- und Privatleben. Sonst bereuen Sie es vielleicht in der Stunde Ihres Todes.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Kinder sind nicht nur ein biologisches Produkt
tailspin 04.03.2012
Zitat von sysopKeine Kompromisse - Steve Jobs wollte jeden Tag so leben, als sei es sein letzter. Dieser Einstellung verdankt der Apple-Gründer seinen Ruhm. Doch kurz vor seinem Tod erkannte Jobs: Als Familienvater war er bei weitem nicht so erfolgreich wie als Unternehmer. Lernen von Steve Jobs: Zeit ist mehr als Geld - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,818171,00.html)
Steve J. wollte, dass seine Kinder ihn kennen, indem sie seine Biographie lesen. Da stelle ich mir aber jetzt die Frage, warum er die Zeit gefunden hat, seine Lebensmotive an einen Biographen zu kommunizieren, aber nicht direkt an seine Kinder?
2.
h.hass 04.03.2012
Zitat von tailspinSteve J. wollte, dass seine Kinder ihn kennen, indem sie seine Biographie lesen. Da stelle ich mir aber jetzt die Frage, warum er die Zeit gefunden hat, seine Lebensmotive an einen Biographen zu kommunizieren, aber nicht direkt an seine Kinder?
Die Frage hatte ich mir auch schon gestellt. In Wahrheit war es doch wohl eher so, dass His Steveness der Welt vor seinem Ableben noch von seinen Großtaten berichten wollte.
3. Distanz....
sagmalwasdazu 04.03.2012
Zitat von tailspinSteve J. wollte, dass seine Kinder ihn kennen, indem sie seine Biographie lesen. Da stelle ich mir aber jetzt die Frage, warum er die Zeit gefunden hat, seine Lebensmotive an einen Biographen zu kommunizieren, aber nicht direkt an seine Kinder?
...ich gehe mal davon aus, das seine Kinder bereits Erwachsen sind. Da hat sich sicherlich im Laufe der Jahre eine Distanz aufgebaut, und man traf sich, wie so viele, im Familenkreis nur noch zum thanks- givin und X-mas. Um die Fassade zu erhalten. Das an solchen Tagen keine tiefsinnigen Gespräche stattfinden, liegt Nahe. Und eine solche Distanz zu erwachsenen und somit kritikfähigen Kindern abzubauen ist schwierig. Ich denke er fürchtete uA. Die Frage : Wo warst Du, als wir Dich brauchten ? Familie gegen Karriere getauscht...
4. Titel
JohnMcGully 04.03.2012
Was für ein Bullshit hier geschrieben wird. Ich habe mir die sehr interessante Biographie zu Gemüte geführt. Und das sollten die Beitragsschreiber auch erst einmal tun bevor sie hier etwas von Großtaten schreiben. Denn das ist keinesfalls das Thema der Biografie. Und was die vielen Gespräche des Autors angeht. Die hat er nicht nur mit Steve Jobs geführt sondern auch mit anderen. Auch Kritikern, Konkurrenten und anderen die nicht unbedingt gut auf ihn zu sprechen sind. So wird ein aus meiner Sicht sehr differenziertes Bild gezeichnet. Laut Isaacson hat Jobs ihm ganz bewusst freie Hand gelassen, auch in dem Bewusstsein, dass ihm nicht alles gefallen wird. Er wollte es nicht einmal Korrektur lesen. Bemerkenswert für jemanden der sonst gerne die Kontrolle über alles behält. Sehr interessant zu lesen, auch für Apple-/Steve-Hater.
5. Gelesen ? - Sehr löblich !
sagmalwasdazu 04.03.2012
Zitat von JohnMcGullyWas für ein Bullshit hier geschrieben wird. I Laut Isaacson hat Jobs ihm ganz bewusst freie Hand gelassen, auch in dem Bewusstsein, dass ihm nicht alles gefallen wird. Er wollte es nicht einmal Korrektur lesen. Bemerkenswert für jemanden der sonst gerne die Kontrolle über alles behält. Sehr interessant zu lesen, auch für Apple-/Steve-Hater.
Und warum hat er dann diese Distanz zu seiner Familie aufgebaut, bzw. behalten ? Wozu genau das Buch schreiben lassen ?
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Zum Autor
  • Frank Arnold ist Berater und Autor des Buches "Management - Von den Besten lernen". Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler leitet die Züricher Unternehmensberatung Arnold Management GmbH, spezialisiert auf die Gestaltung von Veränderungsprozessen in Unternehmen.

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