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Hypothekenzinsen: US-Rentnerin verklagt internationale Großbanken

Dieser Schritt ist einmalig: Eine US-Rentnerin hat zusammen mit anderen Hausbesitzern eine Sammelklage gegen zwölf globale Banken eingereicht. Die Kläger werfen Barclays, Bank of America, UBS & Co. vor, ihnen überteuerte Hypothekenzinsen angedreht zu haben.

Bankviertel in London: Tausende von Dollar verloren Zur Großansicht
dapd

Bankviertel in London: Tausende von Dollar verloren

London - Die US-Rentnerin Annie Bell Adams könnte Geschichte schreiben. Die enteignete Hausbesitzerin hat sich wegen zu teurer Immobilienzinsen mit der internationalen Großfinanz angelegt - und bekommt dabei Unterstützung von vier weiteren Geschädigten. Die Sammelkläger gehen nun gemeinsam gegen zwölf der weltgrößten Banken vor, schreibt die "Financial Times". Ihr Vorwurf: Die Institute hätten durch die Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor ihre Immobilienkredite drastisch verteuert.

Händler bei Barclays Chart zeigen, Bank of America Chart zeigen und UBS Chart zeigen in Europa und Nordamerika hätten den Libor insbesondere an Tagen künstlich in die Höhe getrieben, an denen die Hypothekenzinsen neu festgelegt worden seien, heißt es in der in New York eingereichten Sammelklage. Die Kläger hätten so in den Jahren 2000 bis 2009 Tausende von Dollar verloren. Bis zu 100.000 Immobilienbesitzer könnten gegen die Banken klagen, sagte Rechtsanwalt John Sharbrough der "Financial Times". Zur Höhe des von seinen Mandanten geltend gemachten Schadens äußerte er sich nicht.

Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Großbanken unter Verdacht, den Libor in den vergangenen Jahren manipuliert zu haben, darunter auch die Deutsche Bank. Der Zins wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Bislang hat lediglich die britische Barclays ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt.Das Top-Management musste daraufhin gehen, zudem musste die Bank eine Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar zahlen. Mit den falschen Angaben haben Händler Gewinne eingestrichen und die wahren Refinanzierungskosten verschleiert.

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Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Im Zuge der Libor-Affäre sind bereits einige Sammelklagen in New York eingereicht worden - allerdings noch keine von Hausbesitzern. Laut "Financial Times" prüfen die Banken derzeit die Klagen, lehnten aber einen Kommentar ab. Ein New Yorker Richter muss nun entscheiden, ob eine oder alle Klagen zusammen zugelassen werden.

yes/Reuters

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1. Das verstehe ich nicht
Hugo55 15.10.2012
Zitat von sysopdapdDieser Schritt ist einmalig: Eine US-Rentnerin hat zusammen mit anderen Hausbesitzern eine Sammelklage gegen zwölf globale Banken eingereicht. Die Kläger werfen Barclays, Bank of America, UBS & Co vor, ihnen überteuerte Hypothekenzinsen angedreht zu haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/libor-us-rentnerin-verklagt-internationale-grossbanken-a-861259.html
Der Vorwurf in den Bildern lautet, dass der Libidor von den Banken ZU NIEDRIG angegeben wurde. Wenn dieser - zu niedrige - Zinssatz dann die Basis für Hypotehkenzinesen bildet, dann sind waren doch die Hypothekenzinsen zu niedrig und nicht zu hoch. Also müsste die Dame noch was nachzahlen. Ich bitte um qualifizierte Erklärung
2. Der montägliche Druckteufel …
Dr.pol.Emik 15.10.2012
---Zitat--- Die Kläger werfen Barclays, Bank of America, UBS & Co vor, ihnen überteuerte Hypothekenzinsen angedreht zu haben. ---Zitatende--- Die man der alten Dame nicht wirklich angedreht, sondern eine überteuerte Hypothek auf die sie hernach die Zinsen zahlen musste. Aber wie im richtigen Leben, wenn man das System nicht wirklich verstanden hat, dann bieten sich immer wieder Möglichkeiten den „gemeinen“ Menschen hinterlistig abzuzocken. Und wie man den ganzen Planeten auf ähnliche Art und Weise ruiniert, das können sie hier nachlesen, als kleiner Appetithappen zu unserm tollen Geld- und Zinseszinssystem: *Jesus Euro-Cent vs. Mammon Renditeziel* (http://qpress.de/2010/07/23/jesus-euro-cent-vs-mammon-renditeziel/) … denn es ist alles noch viel schlimmer … (°!°)
3. Na endlich.........
habnichviel 15.10.2012
es bewegt sich was. Es muß doch wohl möglich sein, diese Weiße Kragen Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen. Ich hoffe, daß die Richter sich mittlerweile mit dem Bankenwesen kundig gemacht haben und urteilen können. Denn die Bankards haben sich bis jetzt immer darauf verlassen, daß die Richter das Geschäft der Banken nicht verstehen.
4. Ich versteh's auch nicht ganz...
NanoMango 15.10.2012
@Hugo55 : Ich glaube, dass ganze gab es schon einmal so ähnlich in Cleveland, Ohio... Dort hatte die Stadt Cleveland, die Wallstreet bzw. die großen Kreditinstitute verklagt. Die Stadt musste knapp 15 Millionen Dollar jährlich ausgeben, um zwangsgeräumte Häuser abzureissen oder sie instand zu halten... Der Vorwurf war, dass damals den Menschen, die in keinster Weise kreditwürdig waren, ein Kredit gegeben wurde. Die Banken haben als Sicherheit für sich, einfach die Zinsen verdoppelt... Gibt's auch einen speziellen Ausdruck für, fällt mir gerade nicht ein! Hab da mal eine Doku auf 3Sat zu gesehen! In dem Fall hat die Stadt verloren! Ich denke, hier ist es ähnlich! SubPrime Kredite oder sowas... google mal! Gruß
5.
y0urselfishment. 15.10.2012
Zitat von Dr.pol.EmikDie man der alten Dame nicht wirklich angedreht, sondern eine überteuerte Hypothek auf die sie hernach die Zinsen zahlen musste. Aber wie im richtigen Leben, wenn man das System nicht wirklich verstanden hat, dann bieten sich immer wieder Möglichkeiten den „gemeinen“ Menschen hinterlistig abzuzocken. Und wie man den ganzen Planeten auf ähnliche Art und Weise ruiniert, das können sie hier nachlesen, als kleiner Appetithappen zu unserm tollen Geld- und Zinseszinssystem: *Jesus Euro-Cent vs. Mammon Renditeziel* (http://qpress.de/2010/07/23/jesus-euro-cent-vs-mammon-renditeziel/) … denn es ist alles noch viel schlimmer … (°!°)
Ich denke, dass jedem klar ist, dass es alles "viel schlimmer" ist! Wem das nicht klar ist, der lebt realitätsfern. Allen sollte klar sein, dass soviel Unfug von Politik und Wirtschaft hinter unserem Rücken betrieben wird. Naja. Danke für die Lektüre. Werd ich mich mal mit befassen!
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Interbankenmarkt und Libor-Zinssatz
Interbankenmarkt
Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Banken, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Geber- und Nehmerbanken wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieses Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 gestört. Weil deshalb der Interbankenmarkt nicht mehr richtig funktioniert, müssen immer wieder die Notenbanken einspringen und die Geschäftsbanken mit billiger Liquidität versorgen.
Libor-Zinssatz
Der Libor - die London Interbank Offered Rate - wird seit den achtziger Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Aus den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz, an dem sich zahlreiche andere Kredite mit variablem Zinssatz orientieren.
Wie kann der Libor manipuliert werden?
Das Problem ist, dass es auf dem Interbankenmarkt im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft an Transparenz mangelt. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen.
Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?
Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie auch für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung: Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können dabei jenen Händlern zu Gewinnen verhelfen, die mit Hilfe entsprechender Derivate auf niedrige Zinsen gewettet haben.
Weiß man, wie viel Geld die Zinsmanipulationen eingebracht haben?
Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.
Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?
Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro Interbank Offered Rate - für den Euro. Er wurde im Jahr 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen beim Euribor.


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