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Lieferboykott: Lidl und Edeka planen Milchbonus für Bauern

Bewegung im Streit um die schlechte Bezahlung von Milchbauern: Edeka und Lidl sind einem Bericht zufolge bereit, Landwirten mehr Geld zu zahlen. Dazu wollen sie "faire Milch" in ihren Märkten anbieten.

Hamburg - Angesichts der heftigen Proteste der Milchbauern gegen zu niedrige Preise wollen Edeka und Lidl nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" in Kürze Milch zu fairen Preisen anbieten. Die beiden Einzelhandelsketten wollten ihren Kunden garantieren, dass fünf Cent vom Preis für einen Liter Milch an die heimische Landwirtschaft gehen, berichtete das Branchenblatt am heutigen Donnerstag unter Berufung auf Molkereien.

Milchlieferung per Lkw: Fünf Cent mehr von Lidl und Edeka
DPA

Milchlieferung per Lkw: Fünf Cent mehr von Lidl und Edeka

Edeka erwäge zudem, weitere deutsche Agrarprodukte ins Fair-Programm aufzunehmen, berichtet die Zeitung.

Edeka und Lidl wollten die Informationen gegenüber der Zeitung nicht bestätigen. "Unsere derzeitigen Verträge mit den Molkereien laufen noch eine ganze Weile", sagte ein Edeka-Sprecher.

Den Anstoß zum Projekt "Faire Milch" soll laut "Lebensmittelzeitung" der Deutsche Bauernverband (DBV) gegeben haben. Dieser habe aber noch keinen Startschuss gegeben. Die Branche reagierte skeptisch. "Mir hat bisher noch keiner erklären können, wie das funktionieren soll", zitierte die "Lebensmittelzeitung" einen Molkereichef.

Den am vergangenen Dienstag begonnenen Lieferboykott der Milchbauern bewertete der DBV kritisch: "Für uns ist immer noch fraglich, ob der Streik das richtige Mittel ist", sagte DBV-Milchexperte Rudolf Schmidt.

Tausende Milchbauern kippen derzeit ihre Milch weg oder spenden sie, anstatt sie an Milch verarbeitende Betriebe zu liefern. Damit protestieren sie gegen den geringen Preis, den sie für Milch erhalten - je Liter zwischen 27 und 35 Cent. Damit sei eine rentable Produktion nicht möglich, zumal die Betriebskosten der Bauernhöfe enorm gestiegen seien. Die Bauern verlangen mindestens 43 Cent.

Schmidt erklärte, der DBV sehe "keine Notwendigkeit", sich dem Boykott-Aufruf des konkurrierenden Milchviehhalter-Verbandes BDM anzuschließen. Eine Mehrheit der Milchbauern liefere weiter. Derzeit kämen etwa bis zu 30 Prozent weniger Milch in den Molkereien an. In der Zielsetzung seien sich alle Milchbauern einig: Die missbräuchliche Marktmacht weniger Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel müsse ein Ende haben.

BDM-Chef Romuald Schaber sagte, er rechne spätestens ab kommendem Freitag mit leeren Regalen in den Supermärkten. Dem widersprach der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr: Milch und Butter würden trotz des Lieferboykotts auch in den kommenden Wochen in den Kühlregalen der Märkte stehen.

kaz/AFP/AP

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