Mehr Service, höherer Preis Limo gefällig?

In den USA gehören sie längst zum Luxus-Lebensstil in den Großstädten: Miet-Limousinen mit Fahrer, die man wie ein Taxi zu sich nach Hause bestellen kann. Jetzt will ein Start-up diese Dienstleistung auch in Deutschland etablieren - und leidet unter den Privilegien des Taxi-Gewerbes.

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Blacklane-Homepage: Angriff auf die Taxi-Märkte in den Metropolen

Blacklane-Homepage: Angriff auf die Taxi-Märkte in den Metropolen


Hamburg - Wenn man in die schwarze Mercedes S-Klasse von Marco Köppen steigt, ahnt man: So müssen sich Topmanager und Spitzenpolitiker fühlen. Lederpolsterung, edles Holz, im Fond viel Platz, ein ausklappbares Tischchen, Wasser, Zeitschriften - ein 100.000-Euro-Auto mit einem Fahrer, der dunklen Anzug, weißes Hemd und Krawatte trägt.

Köppen ist einer von rund 250 Chauffeuren, die für den Limousinen-Service Blacklane arbeiten. Den gibt es seit einem halben Jahr in Berlin und seit Anfang September in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Die beiden Gründer, Jens Wohltorf und Frank Steuer, blasen zum Angriff auf die Taxi-Märkte in den Metropolen. Mit ihrem Limo-Service will sich das Unternehmer-Duo ein kleines, aber lukratives Stück vom Milliarden-Kuchen der Droschken-Betreiber schnappen.

In Deutschland gibt es etwa 22.000 Taxi-Unternehmer mit rund 50.000 Fahrzeugen. Der Wettbewerb wächst: Traditionelle Vermittlungszentralen sehen sich jungen Herausforderern wie Mytaxi oder Taxi.de gegenüber, bei denen Kunden per Smartphone-App bestellen können. Außerdem gibt es zwischen Nordsee und Alpen etwa 15.000 Leih-Limousinen. Die gehören Einzelunternehmern oder kleinen Service-Agenturen.

In den USA gehört es längst zum Alltag, dass man für den Weg zum Flughafen entweder ein Taxi auf der Straße heranwinkt - oder telefonisch eine "Limo" mit Fahrer ordert. Doch in Deutschland hat sich diese Dienstleistung bislang nicht so recht durchsetzen können. "Die Limousinen-Service-Branche ist in Deutschland so stark fragmentiert, dass sie als Konkurrenz zum Taxengewerbe kaum wahrgenommen wird", sagt Jens Wohltorf. "Das wollen wir ändern." Dafür haben er und Frank Steuer mit Blacklane die erste Limousinen-Service-Vermittlungszentrale gegründet. Sie soll den vielen Kleinunternehmern in der Branche eine einheitliche Marke geben. Wohltorf: "Wir bringen den Limousinen-Besitzern zusätzliches Geschäft und helfen ihnen so, ihre Standzeiten zu minimieren."

"Das Ergebnis ist wie bei Taxenvermittlungen", bestätigt Blacklane-Chauffeur Marco Köppen, "Wir kommen an neue Kunden". Allerdings macht er bislang erst fünf Prozent seines Monatsumsatzes über die Blacklane-Vermittlungszentrale.

Eine Fahrt mit einer Limousine der oberen Mittelklasse, etwa einem Audi A6, kostet den Gast etwa zehn Prozent mehr als mit einem Taxi. Wohltorf: "Vom Berliner Flughafen Tegel in die City sind das 26 Euro. Für ein Taxi zahlt man inklusive Kreditkarten- und Flughafengebühren sowie zehn Prozent Trinkgeld etwa 24 Euro." 25 Prozent teurer ist die Fahrt mit einem Van, der dafür aber auch mehr Passagiere mitnehmen kann. 50 Prozent mehr als im Taxi muss ein Fahrgast für die Reise in der S-Klasse von Marco Köppen oder einer anderen Luxuslimousine berappen.

Zwei Drittel der Blacklane-Kunden sind Geschäftsreisende

Ein wichtiger Pluspunkt des Leih-Chauffeurs: Er wartet bis zu 15 Minuten, ohne dass der Fahrgast dafür zahlen muss. Und haben das Flugzeug oder der Zug Verspätung, ist die Wartezeit sogar gänzlich kostenlos. Limousine und Chauffeur lassen sich auch pro Stunde mieten. Preis: zwischen 40 Euro (Berlin) und 50 Euro (Düsseldorf). Enthalten sind immer 19 Prozent Mehrwertsteuer. "Das ist für Unternehmen, die vorsteuerabzugsberechtigt sind, ein großer Vorteil, denn so fallen unsere Nettopreise oft unter die lokalen Taxitarife", betont Wohltorf. Von einer Taxi-Rechnung lassen sich nur sieben Prozent von der Steuer absetzen.

Kein Wunder, dass etwa zwei Drittel der Blacklane-Kunden Geschäftsreisende sind. "Einige nutzen uns als rollendes Büro in einer fremden Stadt", berichtet Frank Steuer. "Die haben über den Tag vier oder fünf Termine, fahren von einem zum anderen bequem mit einer Limousine und lassen während der ganzen Zeit ihren Mantel, den Regenschirm und die Koffer im Auto."

Bargeld muss ein Blacklane-Kunde nicht bei sich haben, nicht mal seine Kreditkarte, wenn er bei der Vermittlungsplattform registriert ist. Die Rechnung kommt per Mail. Blacklane kassiert laut Wohltorf vom Fahrpreis etwa fünf Prozent Provision.

Der promovierte Wirtschaftsingenieur Wohltorf ist aus der Unternehmensberatung Boston Consulting Group in die Selbständigkeit gesprungen. Bei Blacklane kümmert er sich vor allem um Vertrieb und Finanzen. Frank Steuer, ein IT-Fachmann, ist für die Bereiche Technologie und Marketing verantwortlich. 30 Mitarbeiter beschäftigen die Beiden momentan in Berlin und wollen weiter wachsen.

"Limousinenservices sind für uns keine Konkurrenz"

In der Hauptstadt können sie derzeit 80 Limousinen vermitteln. Weitere 120 von ihnen vermittelte Fahrzeuge rollen seit Kurzem in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Bis Ende des Jahres will das Gründer-Duo fünf neue deutsche Städte erobern - Bremen, Dresden, Hannover, Leipzig und Nürnberg - und insgesamt 400 Fahrzeuge in ihrer Partnerkartei führen. Wohltorf: "Wir werden frischen Wind in die verstaubte Personentransportbranche bringen."

Haben die Taxi-Fahrer in Berlin und anderen großen Städten schon kalte Füße angesichts des eleganten neuen Wettbewerbers? Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Frankfurt, gibt sich gelassen: "Limousinenservices sind für uns keine Konkurrenz." Diese würden ein Kundensegment bedienen, das für Taxen verschwindend klein sei: "Da oben tut es uns nicht weh."

Von Schmerzen spricht dagegen Wohltorf: Er ärgert sich, dass für Limousinen- und Taxiindustrie Gesetze aus den siebziger Jahren gelten. So muss ein Limo-Chauffeur nach dem Ausstieg des Fahrgastes unverzüglich in seine Garage zurückfahren, er darf keine Passagiere spontan auf der Straße aufnehmen und nicht die Taxi-Spuren in den Städten nutzen. Der Blacklane-Gründer: "Ohne Gast fahren zu müssen ist doch ökologischer Unsinn."

Seine Forderung an die Politik: "Alle Vorschriften, die Limousinenservices gegenüber Taxen benachteiligen, müssen weg."



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Seite 1
Otoshi 29.10.2012
1. optional
Warum sollten diese Regeln abeschafft werden? Ihm war vorher. K lar in welchen Markt er sich begib. Anonsten setze ich mein eignes Taxiunternehmn auf uund nutze dann die Taxispur, um zur Arbit zu fahren...
Peter.Lublewski 29.10.2012
2. Alle Affen
Zitat von sysopIn den USA gehören sie längst zum Luxus-Lebensstil in den Großstädten: Miet-Limousinen mit Fahrer, die man wie ein Taxi zu sich nach Hause bestellen kann. Jetzt will ein Startup diese Dienstleistung auch in Deutschland etablieren - und leidet unter den Privilegien des Taxi-Gewerbes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/limousinen-service-blacklane-macht-taxi-unternehmen-konkurrenz-a-861823.html
Bei uns im Ruhrgebiet gibt's heute noch den Spruch: "Alle Affen machen alles nach".
papayu 29.10.2012
3. Und fuer Herrn Stroebele
wird dann ein Tandem unterwegs sein. Frau Merkel wird das einfuehren, denn nur so kann man SPAREN! Wozu brauchen dann die Minister noch Auto und Fahrer? Vielleicht koennte das gesparte Geld den armen Griechen ueberwiesen werden!
Freizeit 29.10.2012
4.
Zitat von sysopIn den USA gehören sie längst zum Luxus-Lebensstil in den Großstädten: Miet-Limousinen mit Fahrer, die man wie ein Taxi zu sich nach Hause bestellen kann. Jetzt will ein Startup diese Dienstleistung auch in Deutschland etablieren - und leidet unter den Privilegien des Taxi-Gewerbes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/limousinen-service-blacklane-macht-taxi-unternehmen-konkurrenz-a-861823.html
Der Preisvergleich zwischen Limousinen-Service und normalem Taxi wird in dem Artikel schöngerechnet, wenn in den Gesamtpreis für das Taxi 10 Prozent Trinkgeld eingerechnet werden. Entweder mache ich einen objektiven Preisvergleich, oder ich mache gar keinen.
tomteg 29.10.2012
5. Der Service machts...
...und das ist das Problem in diesem Land. Die Servicelandschaft in den USA unterscheidet sich grundlegend von der in Deutschland. Man kann einige Geschäftsmodelle nicht 1:1 übertragen. Wie will man zu den angegebenen Preisen denn einen richtigen Chauffeur einstellen? Es hilft niemanden, wenn er mit einer S-Klasse vom Flughafen abgeholt wird, aber der gleiche Taxifahrer darin sitzt, wie in einer E-Klasse die gelb foliert ist. Und zu diesen Preisen wird einzig auf Masse gemacht. Hier hat anscheinend der Umsatz in Berlin nicht mehr gereicht um die Fixkosten zu decken, also wandert man schnell in andere Städte aus um das Uhrwerk am laufen zu halten. Masse statt Klasse. Überigens: Mit einer S-Klasse lockt man heute keinen Geschäftskunden mehr hinter dem iPad hervor... Wenn ich einen Benz will, kann ich auch den normalen Taxiruf buchen. Ich erinnere hier auch gerne an André Westerkamp - das ist für mich ein Chauffeur! Und dieser wird bestimmt keine 70km für gut 80€ anbieten...
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