Lipobay-Skandal Bittere Pille für Bayer

Das Fiasko mit dem Cholesterinsenker Lipobay hat Bayer die Bilanz verhagelt. Das operative Ergebnis des Chemie und Pharma-Konzerns brach in den ersten neun Monaten um über 40 Prozent ein, 15.000 Stellen sollen gestrichen werden.


Fatales Medikament: Gegen Bayer sind wegen Lipobay bisher 5700 Klagen eingegangen
DPA

Fatales Medikament: Gegen Bayer sind wegen Lipobay bisher 5700 Klagen eingegangen

Leverkusen - Wie Bayer am Dienstag mitteilte, sank das operative Ergebnis im fortzuführenden Geschäft um 42,1 Prozent auf 862 Millionen Euro. Grund seien die Ergebnisausfälle aus dem Vermarktungsstopp des Cholesterinsenkers Lipobay und die konjunkturelle Entwicklung. Der Umsatz lag mit 21,5 Milliarden Euro 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Im dritten Quartal dieses Jahres steigerte Bayer das operative Ergebnis auf 848 Millionen Euro (3/2001: minus 316 Millionen Euro). Das operative Ergebnis vor Sonderposten kletterte im fortzuführenden Geschäft aber nur auf 54 (39) Millionen Euro. Beide Werte lagen unter dem Durchschnitt der Schätzungen der Analysten.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, will Bayer bis 2005 eine weitere Milliarde Euro einsparen. Vorstandschef Werner Wenning will bis zu diesem Datum die Zahl der Stellen weltweit um 15.000 zu senken, 5400 davon sollen in Deutschland wegfallen.

Neben dem Vermarktungsstopp und den damit verbundenen Umsatzausfällen sorgt der Cholesterinsenker Lipobay für weiteres Ungemach. Nach Angaben von Wenning sind bis Ende vergangener Woche rund 5.700 Klagen eingegangen. Diese Zahl dürfte künftig noch steigen, sagte der Bayer-Chef. In etwa 190 dieser Fälle habe Bayer Vergleiche geschlossen, ohne dabei eine Rechtspflicht anzuerkennen.

Wenning wies darauf hin, dass die bisherigen Klagen fast ausschließlich in den USA erhoben worden seien. Dort sei es zunächst nicht erforderlich, dass Kläger genaue Angaben über Gesundheitsschäden machen. So habe zum Beispiel eine Kanzlei 2.500 praktisch identische Klageschriften eingereicht, die sich nur in Name und Anschrift des Kläger unterschieden. Nach bisheriger Erkenntnis hätten die meisten Kläger nach der Einnahme von Lipobay nicht im Krankenhaus wegen Muskelschwunds behandelt werden müssen - dies sei aber der Grund für die Marktrücknahme des Präparats gewesen.

Im Zusammenhang mit der Einnahme von Lipobay war es zu insgesamt mehr als hundert Todesfällen gekommen. Bayer hatte nach dem Vermarktungsstopp des Medikaments stets betont, sich korrekt verhalten zu haben und Schadenersatzansprüche zunächst kategorisch ausgeschlossen. In diesem Jahr wurden dann aber doch die ersten Vergleiche bekannt gegeben. Rückstellungen für derartige Zahlungen hält das Unternehmen aber weiter für unnötig, da es für solche Fälle ausreichend versichert sei.



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