Liquiditätsbeschaffung VW-Bank nutzt ABS-Emission zur Teilnahme an EZB-Tender

VW beschafft sich Liquidität bei der Europäischen Zentralbank. Als Sicherheit für die Kapitalaufnahme von rund zwei Milliarden Euro hinterlegt der Autobauer Asset Backed Securities - verbriefte Schuldpapiere aus Ratenzahlungen auf Finanzierungsverträge.


Hamburg - Insgesamt geht es um rund zwei Milliarden Euro Liquidität, die Volkswagen sich bei der EZB beschaffen will. Als Sicherheit für diesen Kredit hinterlegt VW sogenannte Asset Backed Securities (ABS, mehr auf SPIEGEL WISSEN...). Dabei handelt es sich um verbriefte Finanzierungsverträge, also Autokredite für Neuwagen des Konzerns, die in Raten abbezahlt werden.

VW-Produktion in Zwickau: Refinanzierung über die EZB
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VW-Produktion in Zwickau: Refinanzierung über die EZB

Die Autobauer finanzieren einen immer größeren Teil ihrer Neuwagenverkäufe durch eigene Banken. Diese regeln die Ratenzahlungen beim Autoverkauf und das Leasinggeschäft, bei dem Kunden einen Neuwagen nur für einen begrenzten Zeitraum nutzen. Ihren Finanzbedarf decken die Banken der Autobauer zum Teil auf den internationalen Kapitalmärkten - unter anderem, indem sie Asset Backed Securities an andere Banken weiterreichen - als Sicherheit für Kredite.

Diese Refinanzierung ist gegenwärtig aber nur zu ungewöhnlich hohen Kosten möglich. Asset Backet Securities sind durch die US-Hypothekenkrise in Verruf geraten und deshalb nur schwer verkäuflich - und wenn, dann nur zu sehr ungünstigen Konditionen. Allerdings gelten die ABS der Autobauer als sichere Wertpapiere. VW hat bei seinen Finanzierungskrediten nach eigenen Angaben eine Ausfallrate von gerade 0,5 Prozent.

Dass sich VW seine ABS an die EZB weiterreicht nennt die "Financial Times" eine ungewöhnliche Aktion. Dies zeige, unter welch starkem Refinanzierungsstress die Autobauer derzeit stehen, schreibt die Zeitung. VW indes wies gegenüber SPIEGEL ONLINE darauf hin, dass die Maßnahme generell nicht ungewöhnlich sei. Autokonzerne würden seit Jahren an Tenderverfahren der EZB teilnehmen können.

Laut "Financial Times" wirft die Tatsache, dass VW bei der Europäischen Zentralbank ABS-Papiere als Sicherheit hinterlegt, die Frage auf, wie weit die EZB bei ihren Liquiditätsmaßnahmen gehen darf. Ursprünglich hatte die EZB im September angekündigt, die Konditionen zur Absicherung von Asset Backed Securities verschärfen zu wollen, um einem Missbrauch vorzubeugen. Doch nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September und den folgenden Börsenbeben hatte sie vorerst von einer restriktiveren Finanzpolitik abgesehen.

Die Autobauer planen indes noch weitere Maßnahmen, um ihr schwieriges Refinanzierungsgeschäft abzusichern. BMW, Daimler und Volkswagen haben sich nach Informationen des SPIEGEL darüber verständigt, Garantien aus dem Rettungspaket der Bundesregierung zu prüfen. BMW und VW wollen wollen offenbar Sicherungen in Höhe mehrerer Milliarden Euro beantragen. Offen ist noch, ob auch die Institute von Ford und Opel unter den Staatsschirm flüchten. Mit einer staatlichen Absicherung würde die Bonität der Autobanken steigen. Sie bekämen dadurch Kredite zu günstigeren Konditionen.

ssu



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