Lkw-Maut Eine Million Euro Einnahme

16 Monate nach dem ursprünglich geplanten Termin ist das Mautsystem ohne Probleme gestartet worden. Allein am ersten Tag nahm die Bundesregierung mehr als eine Million Euro ein. Doch die Lkw-Gebührenpflicht wurde von vielen missachtet.


Mautterminal an einer Autobahn-Tankstelle
AP

Mautterminal an einer Autobahn-Tankstelle

Berlin - Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte, man habe am ersten Tag der Mautpflicht für Lastkraftwagen auf deutschen Autobahnen schon mehr als eine Million Euro eingenommen. Sprecherin Alexandra Brothan sagte, rund 30.000 Euro seien an den stationären Erfassungsgeräten und 3000 Euro per Internet-Zahlung entrichtet worden. Etwa zehn Prozent der gebührenpflichtigen Fahrzeuge hätten die Zahlpflicht missachtet. Technisch sei die Einführung der Maut reibungslos verlaufen. Lastwagenverkehr sei am Samstag sehr gering gewesen, da Feiertagsfahrverbot herrschte.

Die Quote der Mautpreller war mit zehn Prozent geringer als zu Beginn der Euro-Vignettenpflicht vor einigen Jahren, erklärte Brothan. Damals waren anfangs 20 Prozent und am Ende im Jahr 2003 etwa fünf Prozent "Schwarzfahrer" registriert worden. Am Samstagmorgen zählte das Bundesamt für Güterverkehr den Angaben zufolge bereits 200 Verstöße, darunter etwa 70 Prozent von ausländischen Fahrern.

Die Preller seien teils über die Mautbrücken, teils aber auch durch mobile Kontrollen des Bundesamtes ermittelt worden. Für die Mautpreller beginne nun das Nacherhebungsverfahren, sagte Brothan. Neben der nachträglichen Zahlung der Maut können in schweren Fällen bei Verstößen gegen die Mautpflicht bis zu 20.000 Euro Bußgeld fällig werden.

Nach jahrzehntelanger politischer Diskussion und einer Serie schwerer Pannen war um Mitternacht die Mautpflicht für das rund 12.000 Kilometer umfassende Schnellstraßennetz in Kraft getreten. Sie betrifft Lastwagen mit mehr als zwölf Tonnen Gesamtgewicht und beträgt nach Achszahl und Schadstoffklassen gestaffelt zwischen neun und 14, durchschnittlich 12,4 Cent pro Kilometer.

Das Bundesverkehrsministerium in Berlin sprach aus Anlass der Einführung von dem "weltweit modernsten und innovativsten Mautsystem". Als verkehrspolitisches Ziel nannte es eine gerechtere Anrechnung der von schweren Lastwagen verursachten Kosten für den Straßenbau.

Die Bundesregierung verspricht sich rund drei Milliarden Euro Gesamteinnahmen pro Jahr von der Maut. Davon würden nach Abzug der Kosten für den Betrieb des Systems und die Kontrollen rund 2,4 Milliarden in den Ausbau von Bundesfernstraßen, Schienenwegen und Wasserstraßen gesteckt. Die Straße solle 50, die Schiene 38 und die Wasserwege zwölf Prozent erhalten, teilte das Ministerium mit.

Trotz mehrerer offensichtlich erfolgreicher Probeläufe in den letzten Monaten hielten die Bedenken der Betroffenen über die Praxistauglichkeit des satellitengestützten Systems an. Die Bewährungsprobe steht dem System am Sonntagabend um 22.00 Uhr bevor. Dann endet das Wochenendfahrverbot für Lastwagen, und wer kein automatisches Borderfassungsgerät (OBU) im Cockpit hat, muss sich entweder per Internet oder über ein Dienstleistungsunternehmen einbuchen - oder er nutzt eines der 3.700 stationären Terminals an Tankstellen oder Grenzübergängen.

An diesen Geräten werden Staus erwartet: Bis Freitag waren etwa 315.000 Laster mit einem OBU ausgestattet, an einem normalen Werktag bewegen sich aber mehr als eine Million auf den Autobahnen. Die Spediteure hatten zuletzt kritisiert, dass die geplanten Kontrollen unzureichend seien.



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