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Gebührenpflicht: Lkw-Maut gilt jetzt auch auf großen Bundesstraßen

Neue millionenschwere Einnahmequelle für den Bund: Lkw-Fahrer müssen ab sofort auch auf Bundesstraßen eine Mautgebühr zahlen. Umweltverbänden reicht das nicht - sie fordern eine Ausweitung auf das gesamte Netz.

Lkw auf einer Bundesstraße: Höhere Kosten für den Einzelhandel Zur Großansicht
dapd

Lkw auf einer Bundesstraße: Höhere Kosten für den Einzelhandel

Berlin - Lkw-Fahrer haben es in Deutschland ab sofort deutlich schwerer, mautpflichtige Straßen zu umfahren. Denn auch auf vierspurig ausgebauten Bundesstraßen gilt ab sofort die Gebühr. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gab dazu in der Nacht zum 1. August in der Berliner Zentrale des Betreibers Toll Collect mit einem symbolischen Knopfdruck das Startsignal.

Die Betreiber von schweren Lastwagen müssen nun auf zusätzlichen 1135 Straßenkilometern Lkw-Maut zahlen. Diese wird für Fahrzeuge mit mehr als zwölf Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fällig. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Schadstoffklasse und Achsenzahl. Im Schnitt beträgt sie 17 Cent pro Kilometer.

Der Bund hofft nun auf jährliche Zusatzeinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Schon jetzt betragen die Einnahmen aus den bisherigen knapp 12.800 Kilometern des Autobahnnetzes mehr als 4,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Allerdings dürfte nach Ansicht von Umweltverbänden die Mautausweitung noch weitergehen. Bei den mit der Abgabe belegten Strecken handele es sich lediglich um drei Prozent aller deutschen Bundesstraßen, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die Ausweitung sei "ein sinnvoller, wenn auch halbherziger Schritt" zu mehr Kostengerechtigkeit und weniger Mautflucht. "Lkw belasten unsere Straßen besonders stark. Sie verursachen enorme Mengen an Kohlendioxid, Luftschadstoffen und Lärm und müssen daher mehr an den Kosten für Umwelt und Gesundheit beteiligt werden", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Die Lkw-Maut muss deshalb so schnell wie möglich auf das gesamte Straßennetz ausgeweitet werden", forderte er.

Ähnlich sieht das der Lobbyverband Allianz pro Schiene. Zwar begrüßte deren Geschäftsführer Dirk Flege die Mautausweitung auf Bundesstraßen als "Schritt in die richtige Richtung". Zugleich forderte auch er die Regierung auf, die Lkw-Maut auf das gesamte deutsche Straßennetz auszudehnen. "Für einen fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern Straße und Schiene ist das unbedingt notwendig", erklärte Flege.

Zweifel an Investitionen ins Straßennetz

Auf Ablehnung stößt die Mautausweitung dagegen in Gemeinden, die am Rande der neu erfassten Strecken liegen. Sie befürchten massive zusätzliche Verkehrsbelastungen durch Lkw, die auf ihre Straßen ausweichen.

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnt daher vor steigenden Kosten durch die zusätzliche Abnutzung von Straßen, die für schwere Lkw nicht ausgelegt seien. "Es werden enorme Kosten auf die Kommunen zukommen. Denn sie sind es, die örtliche Straßen ausbauen und verbessern müssen, egal wie es um ihre Kassenlage bestellt ist", sagte VCD-Bundesvorsitzender Michael Ziesak.

Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) sieht hier kein Problem. Nach den bisherigen Erfahrungen würde es sich in der Regel betriebswirtschaftlich nicht lohnen, auszuweichen, hieß es aus der Behörde.

Der Einzelhandelsverband HDE sieht die Ausdehnung der Maut jedoch auch kritisch. Die Kosten für Speditionen und Vertrieb gingen dadurch in die Höhe, sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk. "Eins zu eins kann das aber nicht an die Verbraucher durchgereicht werden." Der Wettbewerb in der Branche sei so stark, dass Preiserhöhungen nur in geringem Maße möglich seien. Falk bezweifelte vor allem die Zielsetzung der Lkw-Maut: Ein Großteil der Mehreinnahmen werde schon durch die Betriebskosten aufgefressen. "Bei den geringen Erträgen ist fraglich, ob zur Investition in das Straßennetz viel übrig bleibt."

Verkehrsminister Ramsauer betonte dagegen, dass die Mehreinnahmen direkt in Erhalt und Modernisierung von Straßen investiert würden. "Jeder, der jetzt zusätzlich diese Lkw-Maut bezahlt, hat unmittelbar einen Nutzen davon, dass er über bessere Straßen fahren kann."

yes/dapd/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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1.
M. Michaelis 01.08.2012
Natürlich wir der Ausweichverkehr weiterhin stattfinden und die nicht bemauteten Strassen und deren Anwohner zusätzlich belasten. Ausserdem zahlen die Arbeitnehmer in der Transportindustrie und um Handel sowie der Endverbraucher die Zeche. Letzlich ist die Ausweitung des Wegezolls letztlich eine Rückkehr zu mittelalterlichen Handelshemmnissen. Es ist absurd dass man erst in Europa eine Transportunion in Forme einer Art Freihandelszone schafft und dann mit Wegezöllen ebendiese wieder hintertreibt. Wer hingegen auf die Schiene hofft, hofft vergeblich, denn di hat in Deutschland längst bewiesen dass sie Logistisch mit dem LKW Transport nicht konkurrieren kann.
2. Falls sich noch jemand erinnern kann,
hastdunichtgesehen 01.08.2012
das Deutsche Mautsystem, eingeführt unter Minister Stolpe, sollte einmal ein Exportschlager werden. Dabei wäre es so einfach und viel billiger gewesen das Vignettenmodell alá Schweiz oder Österreich zu übernehmen. Das haben viele gesagt. Das reiht sich prima ein in die Erfolge von rotgrün unter Schröder.
3. Kommunikationsschwäche
h_grabowski 01.08.2012
Komisch, diese (meiner Meinung nach wichtige) Änderung ist völlig an mir vorbei gegangen... Auch wenn ich nicht direkt betroffen bin, dann zumindest passiv, da diese Mehrkosten der Speditionen auf irgendeine Art und Weise immer an den Endkunden weiter gegeben werden. Meiner Meinung nach sieht man hier eine der bedeutensten Schwächen der heutigen Politik. Es wird einfach am Bürger vorbei regiert, keine Entscheidungen vermittelt und in keinster Weise kommuniziert... Ein dreifaches Hoch auf die Politik(er)verdrossenheit, aber auch das kann den Regierenden mangels Alternativen ja egal sein.
4. ist zu akzeptieren
einsteinalbert 01.08.2012
geht aber nicht weit genug. Maut und Transitgebühr auf allen BAB's und vierspurigen Strassen - LW-Verkehr auf maximal 250 km (einfache Entfernung) vom Standort aus gerechnet beschränken), Reduzierung der Kfz-Steuer für LKW's oder alle zahlen Maut und die Kfz-Steuer ist für alle zu reduzieren. Weg mit den technischen Kontroll-Einrichtungen ( Tol-Collect etc.) - ein entsprechendes " Pickerl wie in Österreich tut's auch und ist effektiver . . . mussja niht unbedingt von der Polizei kontrolliert werden. Können auch Privatfirmen machen analog Geschwindigkeitskontrollen. Einnahmen dürfen NICHT zweckentfremdet verwendet werden. So wird ein Schuh daraus, welcher auch wirklich passt.
5. Toll
zyim 01.08.2012
Zitat von sysopdapdNeue millionenschwere Einnahmequelle für den Bund: Lkw-Fahrer müssen ab sofort auch auf Bundesstraßen eine Mautgebühr zahlen. Umweltverbänden reicht das nicht - sie fordern eine Ausweitung auf das gesamte Netz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,847556,00.html
Noch höhere Einnahmen für den Staat. Und er wird es trotzdem weiterhin nicht schaffen, ohne Neuverschuldung auszukommen. Im Gegenteil, die Maut wird zu 100% in den nächsten Jahren ausgeweitet und ich wette, die PKW Maut kommt auch. Denn man braucht ja immer mehr Geld, was man dann wieder sinnlos verjubeln kann.
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