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Lockvogel-Angebote: Gericht knöpft sich Media-Markt-Werbung vor

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Irreführende Reklame, nichtexistente Sonderangebote: Solche Tricks werfen Verbraucherschützer dem Handelsriesen Media Markt vor. Jetzt melden sie einen ersten Teilerfolg: Ein Gericht will klären, ob mit Lockvogel-Angeboten geworben wird.

Hamburg - "Media-Markt-Werbung verspricht nur das, was die Märkte zu 100 Prozent halten können. Und das ist der Preis." So einfach und so klar steht es auf der Homepage von Deutschlands bekanntestem Elektronik-Markt. Ob es allerdings stimmt, daran haben nicht nur manche Kunden, sondern vor allem die Verbraucherschützer seit langem ihre Zweifel.

Werbung von Media-Markt: "Oft laut und auffällig"

Werbung von Media-Markt: "Oft laut und auffällig"

Immer wieder hatten sie gegen die Werbekampagnen des Media Markts geklagt - doch der zog sich bisher durch einen juristischen Kniff aus der Affäre. Die 221 Filialen sind formal unabhängige Tochtergesellschaften. Die Holding ist deshalb offiziell nicht verantwortlich für die genaue Preis- und Angebotsgestaltung. Gegen diese Argumentation haben die Verbraucherschützer geklagt - und vor dem Landgericht Ingolstadt einen ersten Teilerfolg erzielt.

Das Gericht verkündete nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gestern einen Beweisbeschluss, nach dem in den kommenden Monaten eine Reihe von Zeugen vernommen werden. Diese Vernehmungen sollen unter anderem klären, wer für bundesweite Werbeaktionen des Media Markts rechtlich verantwortlich ist - und ob die Vorwürfe des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale (vzbv) stimmen, das Unternehmen betreibe Lockvogel-Werbung.

In dem aktuellen Fall geht es um einen DVD-Player, der zum Jahreswechsel 2005/2006 bundesweit im Fernsehen, Radio, im Internet und in Printmedien mit einem Preis von 19 Euro beworben wurde. Der Vorwurf: Das Gerät sei in verschiedenen Media-Märkten unmittelbar nach der Geschäftsöffnung schon nicht mehr erhältlich gewesen. "Wir haben stapelweise Beschwerden von Kunden aus ganz Deutschland bekommen, die aufgrund der Werbung extra in die Märkte gekommen sind", sagt Helke Heidemann-Peuser, Rechtsexpertin beim vzbv, zu SPIEGEL ONLINE. "Aus unserer Sicht war das ein klarer Fall von zentral gesteuerter Lockvogelwerbung."

"Für uns ist es ein Durchbruch"

Die Kunden seien unter Vorspiegelung besonders günstiger Preise in die Läden gelockt worden, in der Hoffnung, dass sie dann andere Artikel kaufen, wenn der günstige DVD-Spieler nicht zu haben ist, glaubt Heidemann-Peuser. Das verstoße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, nach dem der beworbene Artikel für mindestens 48 Stunden vorrätig sein muss.

Verantwortlich für diese bundesweit gesteuerte Werbeaktion sei die Media-Saturn-Holding, die Dachgesellschaft der insgesamt 344 Media- und Saturn-Märkte in Deutschland. "Für uns ist es deshalb ein Durchbruch, dass es jetzt zu diesem Beweisbeschluss gekommen ist. Denn nach unserer Auffassung zeigt das, dass auch das Gericht die Media-Markt-Holding als Ganzes für die Werbung verantwortlich hält und nicht die einzelnen Märkte", sagt Heidemann-Peuser.

Eine Euphorie, die nicht jeder teilt. Denn genau das ist laut dem zuständigen Richter Konrad Kliegl durch den Beweisbeschluss noch nicht fix. Er diene nur der Klärung einer Reihe von Behauptungen beider Seiten, sagt er SPIEGEL ONLINE. Unter den Zeugen, die Kliegl in den kommenden Monaten vernehmen will, sind nicht nur empörte Kunden und Mitarbeiter verschiedener Media-Märkte, sondern auch ein Geschäftsführer. Die Frage, ob die Holding für die bundesweite Werbung zuständig ist, solle dadurch geklärt werden. Wann es ein endgültiges Urteil in dem Verfahren geben wird, ist unklar.

Media Markt selbst wollte keine Stellungnahme zu dem Beschluss abgeben. "Wir als Unternehmen kommentieren das nicht, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt und wir dem Ergebnis nicht vorgreifen wollen", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE.

"Es macht keinen Sinn, Verbraucher zu verärgern"

Die Werbung des Unternehmens ist nicht zum ersten Mal in der Kritik. "Die Werbung des Media Markts ist sehr aufmerksamsstark, oft laut und auffällig", sagt Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft. "Sie ist damit genau auf die Zielgruppe des Unternehmens ausgerichtet - auch wenn das manchem vielleicht nicht gefällt." Solange dies aber alles im Rahmen der gültigen Rechtslage stattfinde, sei dagegen nichts einzuwenden. "Wer Sonderangebote auslobt, muss die natürlich auch verfügbar haben", sagt Nickel.

Er zweifelt allerdings an der Kritik der Verbraucherschützer: "Es würde doch für den Media Markt betriebswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn machen, Verbraucher erst in den Laden zu locken, um sie dann zu verärgern." Werbung diene dazu, Sympathie zu erzeugen - "wer dann mit einer Wut im Bauch wieder den Laden verlässt, ist als Kunde verloren".

Dass es der Media Markt mit seiner Werbung allerdings nicht immer ganz genau nimmt, zeigt auch ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe aus dem November. Das Unternehmen habe irreführend damit geworben, für alle Produkte die Mehrwertsteuer zu erlassen - und dabei die Herabsetzung von Preisen suggeriert, die vorher gar nicht verlangt wurden. In diesem Fall waren die Verbraucherschützer erfolgreich. Das Urteil galt aber nur für die verklagte Filiale.

Dazu kommt: Einen weiteren Erfolg erzielten die Verbraucherschützer auch vor genau einem Jahr, als sie die Media-Markt-Filiale in Lingen verklagten, die medienrechtlich für die bundesweite Werbung der Kette im Internet zuständig war. Sie hielt deshalb den Kopf hin für Hinweise auf Preisaktionen im Netz. Wer allerdings im Impressum der Internet-Seite als Verantwortlicher auftaucht, diese Angabe wechselt ständig. Derzeit ist es die Filiale in Marburg.

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