Lokführer-Gehalt: Was die anderen verdienen

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In der Tarifauseinandersetzung will die GDL ausgleichen, was sie für ungerecht hält: Gemessen an den Anforderungen werden Lokführer lausig bezahlt. Doch wie sieht es in den anderen Branchen aus? SPIEGEL ONLINE vergleicht zehn Berufsgruppen.

Hamburg - Die Rechtfertigung für die harte Haltung im Arbeitskampf liegt für GDL-Chef Manfred Schell auf der Hand. "1500 Euro netto bei Arbeit am Wochenende und in der Nacht, das ist völlig unangemessen für die verantwortungsvolle Arbeit eines Lokführers", gibt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu Protokoll.

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Keine Frage: Der Job ist hart. Hinzu kommt, dass ein Lokführer nicht selten am Ende einer Schicht in irgendeiner Unterkunft übernachten muss, weit entfernt von der Familie. Auch die psychische Belastung ist groß. In der Lokführer-Gilde kennt jeder mindestens einen Kollegen, der bereits in einen Unfall verwickelt war, bei dem jemand zu Tode kam.

Noch aus einem anderen Grund bringen viele den Lokführern Verständnis für ihre Forderungen entgegen. Während ihre Gehälter seit 2002 zumindest nach eigenen Angaben um fast zehn Prozent gesunken sind, kassierten die Vorstände der Bahn allein im Jahr 2006 rund 77 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Absurd hohe Managergehälter dürften als Argument für Gehaltserhöhungen gleichwohl nicht taugen. Zum einem lässt sich eine Ungerechtigkeit nicht durch eine andere ausgleichen, zum anderen lässt sich die Entlohnung von Top-Managern und Mitarbeitern der unteren Hierarchieebenen nicht ohne weiteres vergleichen.

Ein Vergleich ist natürlich dennoch möglich – mit Berufsgruppen, die etwa einer ähnlichen Belastung unterliegen, sei es was die Arbeitszeiten, die Verantwortung für das Leben anderer oder auch für technisches Gerät angeht. Der Vergleich zeigt: So hoffnungslos unterbezahlt sind die Lokführer nicht. Beispiel Fernfahrer: Die Trucker arbeiten zu ebenso unchristlichen Arbeitszeiten und übernachten regelmäßig auf irgendwelchen Rastplätzen am Rande der Autobahn, fernab der Familie. Dafür liegt ihr maximaler Tariflohn noch unter dem Einstiegsgehalt der Lokführer, wie aus dem Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (WSI) zu entnehmen ist. Altenpfleger, im Alltags-Schichtdienst oft extremen psychischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt, verdienen ebenfalls deutlich weniger.

Auch Bäcker, deren Arbeitszeit regelmäßig morgens um zwei beginnt, bleiben danach auch in der höchsten Gehaltsstufe deutlich unter dem Einstiegsgehalt der Lokführer. Einfache Stahlarbeiter hingegen sind oft lediglich angelernte Kräfte, was an sich ein niedrigeres Gehalt rechtfertigen würde. Doch auch sie arbeiten im Schichtdienst und in der Regel unter großen körperlichen Belastungen. Gleichwohl verdienen sie laut WSI-Tarifarchiv fast 400 Euro weniger als die Berufsanfänger in Führerhaus.

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