Lukrative Lebensversicherung: Ohne Dresdner verdient die Allianz wieder Geld

Der Verkauf der Dresdner Bank entpuppt sich als die beste Entscheidung des vergangenen Jahres: Im zweiten Quartal erwirtschaftete die Allianz einen Gewinn von 1,87 Milliarden Euro - und übertraf damit das Ergebnis des Vorjahreszeitraums um 21 Prozent.

München - Im Rückblick erscheint die Dresdner Bank wie ein Klotz am Bein der Allianz - kaum zwölf Monate nach dem Verkauf ist der größte europäische Versicherungskonzern Allianz auf die Erfolgsspur zurückgekehrt. Das operative Ergebnis - erstmals frei von Belastungen durch die frühere Tochter - betrug von April bis Juni 1,8 Milliarden Euro. Positiv wirkten sich Verkäufe von Beteiligungen aus. Im ersten Quartal hoch hatte der Verkauf der Dresdner einen großen Anteil daran, dass der den Gewinn der Allianz auf 29 Millionen Euro zusammengeschmolzen war.

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Allianz-Zentrale in München: "Neue Normalität"

Aber auch im zweiten Quartal stand nicht alles zum Besten: So lagen die Prämieneinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung unter dem Wert des Vorjahresquartals. Vor allem Unwetterschäden und das Erdbeben in Italien wirkten sich negativ aus. Die Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich dadurch im Vergleich zum Vorjahr von 93,5 auf 98,9 Prozent. Im ersten Halbjahr lag sie bei 98,8 Prozent. Damit nähert sich die Quote der kritischen 100-Prozent-Marke, bei der Aufwendungen für Schäden und Verwaltung gerade noch durch Beitragseinnahmen gedeckt sind.

Die Rentabilität der Sparte soll in den kommenden Monaten aber wieder steigen. "Wir erwarten eine Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote im zweiten Halbjahr", sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet bei der Bekanntgabe der Zahlen am Freitag in München. "Seit dem letzten Quartal verzeichnen wir ein steigendes Beitragsniveau im Neugeschäft sowie bei den erneuerten Verträgen." Allerdings stiegen die Preise nur leicht und nur in einzelnen Bereichen.

Dagegen konnte die Allianz im Bereich Lebens- und Krankenversicherung bereits im abgelaufenen Quartal deutlich zulegen. Dort stiegen die Prämieneinnahmen im zweiten Quartal um zehn Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz kletterte nach 21,5 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 22,2 Milliarden Euro.

"Die Allianz ist vorbereitet auf das, was wir die 'neue Normalität' nennen: ein herausforderndes Marktumfeld mit strukturell niedrigeren Renditen", erklärte Konzernchef Michael Diekmann, der von einem "sehr guten" Quartal sprach. Die Kapitalausstattung bleibe auf hohem Niveau und das niedrige Risikoprofil des Konzerns ermögliche es, potenziellen Marktverwerfungen standzuhalten. Dank ihrer breiten Aufstellung könne die Allianz von einer Erholung der Märkte profitieren.

Die Zahlen der Allianz Chart zeigen waren auch eines der Hauptgesprächsthemen an der Börse. Doch obwohl die Händler überwiegend mit einen schlechteren Ergebnis gerechnet hatten, fiel die erste Einschätzung eher negativ aus. Der Nettogewinn sei zwar klar besser, der operative Gewinn im Rahmen der Erwartungen. Bei der schlechteren Schaden-Kosten-Quote - der so genannten Combined-Ratio - stelle sich die Frage, woran dies liege, sagt ein Händler.

Ein zweiter Händler nennt die Zahlen dagegen "enttäuschend", da der Hauptbereich Sach- und Haftpflichtversicherung sowohl in der Combined-Ratio als auch im Nettogewinn unter Erwarten liege. Der hohe Nettogewinn des Gesamtunternehmens dürfte daher nur auf die Steuerquote zurückgehen. "Nach den tollen Zahlen von AXA und den Vorschusslorbeeren dürfte die Enttäuschung überwiegen", so der Händler.

Mit einem Minus von 2,82 Prozent markierten die Aktien der Allianz den schlechtesten Wert im Dax.

mik/AP/dpa-AFX

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