Luxushotels Weniger Sterne in Berlin

Einem Bericht der "Berliner Morgenpost" zufolge wollen fünf Berliner Edelhotels ihre Sterne zurückgeben. Der Grund: Pharmaunternehmen scheuen sich neuerdings, die Luxusherbergen für Kongresse zu buchen. Billiger werden sollen die Hotelzimmer aber nicht.


Kritikern der Pharmabranche sind solche Veranstaltungen schon seit Jahren ein Dorn im Auge: Übers Wochenende nach Berlin oder in eine andere Metropole, drei Tage Kongress zum Thema neue Behandlungsmethoden und Medikamente - und zwischendurch fein Essen oder sich ein bisschen im Whirlpool entspannen. Und alles auf Kosten der Medikamentenkonzerne. Für Luxushotels sind solche Pharmakongresse ein gutes Geschäft - und weil sie darauf nicht verzichten wollen, verzichten fünf Berliner Hotels einem Bericht der "Berliner Morgenpost" zufolge nun auf die fünf Sterne, die ihnen der deutsche Hotel- und Gaststättenverband verliehen hat.

Swissotel in Berlin: Verzicht auf fünf Sterne

Swissotel in Berlin: Verzicht auf fünf Sterne

Auf die wachsende Kritik an dem Gebaren der Arzneimittelkonzerne, das manche als mehr oder minder unverhohlene Bestechung von Medizinern betrachten, reagierte die Pharmabranche im vergangenen Jahr nämlich mit einem selbsterdachten Kodex: Der Verein für freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie schlägt darin vor, dass "Unterbringung und Bewirtung einen angemessenen Rahmen nicht überschreiten" sollten und mahnt an, dass "der Freizeitwert des Tagungsortes" bei seiner Auswahl keine Rolle spielen dürfe.

Von drei, vier oder fünf Sternen ist in dem Kodex nicht explizit die Rede. Die "Berliner Morgenpost" zitiert aus einer Stellungnahme des Verbandes. Darin werde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass allein die Tatsache, ein klassifiziertes Fünf-Sterne-Hotel zu sein, kein Ausschlusskriterium für ein bestimmtes Hotel sei. Berliner Hoteliers jedoch, so die Zeitung weiter, hätten andere Erfahrungen gemacht und einen "spürbaren Rückgang" bei Buchungen bestimmter Pharmaunternehmen verzeichnet.

Für Beitragszahler, deren Krankenkassenbeiträge stetig steigen, sollte das eigentlich eine gute Nachricht sein - bedeutet es doch, dass die Konzerne womöglich tatsächlich ein bisschen weniger für Ärzteverpflegung ausgeben, was auch die Kosten der Konzerne und damit womöglich irgendwann auch die Preise für Medikamente senken könnte.

Für die Hoteliers jedoch bedeutet das Ausbleiben der zahlungskräftigen Kundschaft erhebliche Umsatzrückgänge. Der "Berliner Morgenpost" zufolge wollen nun deshalb das "Hilton" am Gendarmenmarkt, das Swissotel an der Augsburger Straße, das Steigenberger am Los-Angeles-Platz, das Esplanade am Lützowufer und das InterContinental an der Budapester Straße als "Luxushotel auf Fünf-Sterne-Niveau" und nicht mehr als Fünf-Sterne-Häuser gelten. Billiger werden die Hotelzimmer dadurch aber nicht.

Nicht alle wollen übrigens in Zukunft sternelos firmieren: 13 Hotels in der Hauptstadt wollen sich weiterhin mit fünf Stück schmücken.

cis



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