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Mäusekot im Mozzarella: Italienischer Ekel-Käse in Deutschland verkauft

Europa hat einen neuen Lebensmittelskandal: Laut italienischer Polizei haben Händler tonnenweise Gammel-Käse aufbereitet und in mehrere Länder verkauft, darunter Deutschland. Die Ermittler entdeckten in der Ware Eisenstückchen, Würmer, Mäuseexkremente.

Rom/München - Erst war es Olivenöl, dann Wein, jetzt ist es Käse: Italien wird von einem neuen Lebensmittelskandal erschüttert. Skrupellose Händler haben vergammelten Käse aufbereitet und in mehrere europäische Länder verkauft, darunter auch Deutschland.

Mozzarella: "Es war ekelerregend"
REUTERS

Mozzarella: "Es war ekelerregend"

Mit dem Recycling der Abfälle, die höchstens noch zu Tierfutter verarbeitet werden sollten, haben die Täter Millionen Euro verdient. In den Handel gerieten unter anderem Scheibletten, Mozzarella und Gorgonzola - insgesamt 11.000 Tonnen.

Das italienische Gesundheitsministerium informierte die EU über den Vorgang. Die Polizei in der norditalienischen Stadt Cremona erklärte, dass in dem verunreinigten Käse Plastikstücke und Mäuseexkremente gefunden wurden. In mehreren Fabriken fanden die Ermittler außerdem Käsestücke mit Würmern, Tinte und winzigen Eisenstückchen, berichtet "La Repubblica". In einer Kühlzelle wurde Schnittkäse aus dem Jahr 1980 entdeckt. "Es war ekelerregend", sagte Polizeikommandant Mauro Santonastaso aus Cremona.

Die Käsehersteller bezahlten offenbar externe Unternehmen, um den verunreinigten Käse zu entsorgen. Die Firmen bereiteten den Käse jedoch auf und verkauften ihn weiter - unter anderem in Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien.

Verarbeitet wurde der Gammel-Käse in drei norditalienischen Unternehmen sowie in einem Werk im bayerischen Woringen. Nachdem italienische Medien am Freitag über den Skandal berichtet hatten, ordnete das Gesundheitsministerium in München eine vorsorgliche Kontrolle des Betriebs im Allgäu an. Das Ministerium beklagte die lückenhaften Informationen der italienischen Behörden.

Der Geschäftsführer der Allgäuland-Käserei, Manfred Herrmann, sagte, sein Unternehmen vermiete ein stillgelegtes Produktionsgebäude in Woringen seit vier Jahren an einen italienischen Unternehmer. Der Betrieb International Cheese GmbH stelle dort mit lediglich vier oder fünf Mitarbeitern Schmelzkäse her. Schmelzkäse werde aus Naturkäse, Gewürzen und Schmelzsalz hergestellt.

Auf nicht einmal 200 Quadratmetern Produktionsfläche könnten nach seiner Schätzung rund 500 Tonnen Käse im Jahr produziert werden. Der Betrieb sei aber laufend kontrolliert worden. "Der ist so klein, da kann man eigentlich nichts verstecken", sagte Herrmann. Allgäuland habe mit dem Betrieb des Italieners keinerlei Geschäftsbeziehungen, betonte Herrmann. "Wir bekommen nur die Miete."

Im März waren in der Region Neapel Molkereien und Agrarunternehmen ins Visier der Ermittler geraten, nachdem in der Büffelmilch, mit der Mozzarella hergestellt wird, Dioxin gefunden worden war. Im April wurde außerdem bekannt, dass Millionen Liter Wein, die im Handel angeboten wurden, mit krebserregenden Stoffen verunreinigt waren. Zuvor war Italien bereits durch einen Olivenöl-Skandal aufgeschreckt worden.

wal/AP/dpa

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