Managergehälter Gewerkschaftsboss sieht "Gipfel des Populismus"

IG-Bau-Chef Wiesehügel regt sich über die Debatte zur Begrenzung von Managergehältern auf. Er hält das Ganze für eine Scheindiskussion. Vor allem seiner eigenen Partei, der SPD, wirft er das vor.


Frankfurt/Main - Klaus Wiesehügel hält die Diskussion über die Höhe von Managergehältern offensichtlich für überflüssig. Die Debatte kritisierte er als "Gipfel des Populismus". Wer sich halbwegs mit dem Thema auskenne, wisse, "dass die Höhe der Gehälter nicht so ohne weiteres per Gesetz festgelegt werden kann", sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Mit Blick auf seine eigene Partei, die SPD, fügte er hinzu: "Den Finger zu heben und zu drohen: 'Das dürft ihr aber nicht, und jetzt setzen wir mal eine Arbeitsgruppe ein', wohl wissend, dass nie etwas passieren wird, das ist das Problem."

Geißelt Gehälter-Debatte als populistisch: Klaus Wiesehügel
DPA

Geißelt Gehälter-Debatte als populistisch: Klaus Wiesehügel

Bei einer Obergrenze für Managergehälter werde zudem "der Markt sehr schnell Mechanismen erfinden, um sie zu umgehen", prophezeite Wiesehügel. In erster Linie bleibe es Aufgabe der Aufsichtsräte, überhöhte Managergehälter zu verhindern.

Die Parteien könnten eine andere Steuerpolitik betreiben, wenn sie für mehr Gerechtigkeit sorgen wollten. "Es ist merkwürdig, den Spitzensteuersatz auf 42 Prozent und am liebsten noch weiter zu senken und dann über Höchstgehälter zu reden", sagte Wiesehügel. Dies sei "einfach Heuchelei".

Bei einer Besteuerung von hohen Gehältern wie in Skandinavien halte er hohe Verdienste für unproblematisch, weil dann der überwiegende Anteil zur Finanzierung der notwendigen Bildungsausgaben verwendet werden könne. "Das ist doch in Ordnung, da habe ich dann kein Problem mit", erklärte der Gewerkschaftschef. Der Spitzensteuersatz dürfe dann aber nicht unter 50 Prozent liegen. "Alle die jetzt schreien 'Wir sollten was tun', sollten schreien 'Wir sollten den Spitzensteuersatz wieder anheben' - das wäre ehrlicher."

Die Explosion der Gehälter von Managern großer Unternehmen kommt für Wiesehügel nicht überraschend. Dass sich die Entwicklung der Aktienkurse auf die Gehälter auswirke und ein starker Anstieg der Kurse zu "exorbitanten Steigerungen" der Bezahlung führe, sei immer klar gewesen. Die jüngste Diskussion hatte sich an den Bezügen von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking entzündet, die für das abgelaufene Geschäftsjahr bei mehr als 60 Millionen Euro liegen dürften. Wiesehügel äußerte Verständnis über den Unmut vieler Menschen über solche Summen. Die Politik reagiere aber rein populistisch.

ler/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.