Managergehälter Wie die Gier das System vergiftet

Die Bilanzsaison ist zu Ende, und wieder staunen wir über Managerbezüge in astronomischen Höhen. Die Gier vieler angestellter Manager ist inzwischen mehr als ein öffentliches Ärgernis: Sie gefährdet die politische Stabilität und die marktwirtschaftliche Ordnung in unserem Land.

Von Wolfgang Kaden


Hamburg - Manchmal kann es noch ganz hilfreich sein, Euro in D-Mark-Beträge umzurechnen (obwohl wir uns das ja abgewöhnen wollten). Dann werden beispielsweise aus 13,1 Millionen Euro 25,5 Millionen Mark, oder aus 12,3 Millionen Euro 24,1 Millionen Mark, oder aus 7,5 Millionen Euro 14,7 Millionen Mark.

Die Zahlen stehen nicht für die Umsätze mittelständischer Unternehmen mit 50 Beschäftigten, nicht für die Ausgaben einer deutschen Kommune, auch nicht für einen besonders üppig ausgefallenen Jackpot des deutschen Lottowesens. Es geht, in obiger Reihenfolge, um die Jahresbezüge für 2006 von Josef Ackermann (Deutsche Bank Chart zeigen), Jochen Zeitz (Puma Chart zeigen) und Dieter Zetsche (Daimler Chart zeigen). Genauso gut könnten hier aber auch viele andere Namen aus der Oberliga der deutschen Wirtschaft stehen.

Einziges Risiko ist der Jobverlust

Wohlgemerkt, es handelt sich bei diesen Herren nicht um Unternehmer, die für Wagemut und Risikobereitschaft vom Markt angemessen belohnt werden. Die Rede ist von Managern. Von Angestellten im Vorstandsrang, die bei ihrer unternehmerischen Tätigkeit keinerlei eigenes Kapital im Einsatz haben und deren einziges Risiko das des Jobverlusts ist. Ein Risiko im Übrigen, wie es jeder andere abhängig Beschäftigte auch zu tragen hat; in der Regel allerdings ohne Abfindungsklausel im Arbeitsvertrag.

Soll, darf man sich über solche Saläre, die inzwischen jedes von gemeinen Erdenbürgern als angemessen empfundene Maß sprengen, noch aufregen? Ich finde: Man soll, man darf, man muss.

Offenkundig ist die Gehaltsskala dieser Spezies nach oben gänzlich offen. Wie im manager magazin nachzulesen ist, legten die Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Konzerne in den vergangenen fünf Jahren bei ihren Bezügen um 50 Prozent zu. Allein 2006 war es ein Plus von 13 Prozent. Und so soll es offenkundig weitergehen.

Es kann nicht sein, dass die von Jahr zu Jahr immer deftigere Selbstbereicherung unserer Managerelite wie eine unabänderliche Begleiterscheinung des neuzeitlichen Kapitalismus hingenommen wird. Nicht weil wir neidisch wären, was wir sicherlich auch sind. Sondern vor allem deswegen, weil dieser Machtmissbrauch auf Dauer die Akzeptanz des marktwirtschaftlichen und auch des demokratischen Systems aushöhlt.

Wenn es mal gelingt, mit den Profiteuren über ihre Bezüge zu reden, erntet man in der Regel nur kopfschüttelndes Unverständnis. "Die derzeitige Managergeneration verhält sich wie die Junker im Kaiserreich", sagte mir kürzlich der ehemalige Chef eines deutschen Autokonzerns: "Die sind genauso ohne jede Sensibilität für politische Strömungen, nur auf Besitzstandswahrung bedacht."

Wir kennen alle die fein ziselierten Argumente der Betroffenen, wenn sie sich denn mal zu ihren Bezügen äußern. Beispielsweise der stete Verweis auf die USA, wo die Wirtschaftselite noch ungenierter zulangt. Fragt sich nur, warum die Herren, wenn sie denn nach Vorbildern im Ausland suchen, nicht die Japaner wählen, wo deutlich weniger als in Europa oder gar Amerika für die Unternehmensführer gezahlt wird.

Deutsche Topmanager, so ist auch zu vernehmen, müssten international wettbewerbsfähig honoriert werden, sonst wären die Talente leichterhand abzuwerben. Schön wär's ja, wenn unsere Spitzenleute allerorten so begehrt wären. Aber die Nachfrage hält sich doch sehr in Grenzen. Jedenfalls ist seit Jahren kein Abwerbeversuch, beispielsweise aus den USA, an die Öffentlichkeit gelangt.

Nein, mit Markt und Wettbewerb haben solche Einkommen nichts gemein, hier genauso wenig wie in den USA, in der Schweiz oder in Großbritannien. Auch nicht zwingend mit Leistung. Sonst wäre schwerlich zu erklären, wieso die seit Jahren notorisch erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden von BMW Chart zeigen weit weniger als die seit Jahren ebenso dauerhaft erfolglosen Daimler-Vorsteher überwiesen bekommen.



Forum - Was dürfen Top-Manager kosten?
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Seite 1
herb-9000, 26.04.2007
1.
Zitat von sysopManager großer Unternehmen sind die Topverdiener unter den Angestellten. Millionen-Saläre pro Jahr sind die Regel. Verdienen sie wirklich, was sie verdienen? Wie hoch dürfen Manager-Gehälter noch klettern?
Ein Manager ist lediglich der höchste Angestellte eines Unternehmens, nicht der Eigentümer. Deshalb sollte ein Manager Gehalt maximal das zwanzigfache des niedrigsten Lohns im Unternehmen sein (Bsp.: Niedrigstes Gehalt im Unternehmen: Eur 30.000,00 p.a. / Manager Gehalt 600.000,00 p.a.).
Stahlengel77, 26.04.2007
2. Geld ! Mehr davon !
Das Top-Management unseres Unternehmens, zu dem auch die Eigentümerfamilie gehört, kommt morgens um 6.30 Uhr in die Firma und verlässt sie um 20.30 Uhr. Die Chefs sind Macher und hassen Schwafeleien. Dafür steht das Unternehmen hervorragend da, die Auftragsbücher sind voll und die Firma schafft neue Arbeitsplätze und übernimmt den größten Teil seiner Auszubildenden. Die Chefs sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und belohnen auch herausragende Leistungen und spornen damit auch an. Für solche Top-Manager sollte es auch Top-Gehälter geben, denn die haben sie sich auch durch ihren Einsatz verdient. Was ich persönlich für moralisch unverantwortlich halte ist, wenn Großkonzerne Millionen an sogenannte Topmanager bezahlen, die als erste Maßnahme tausende Fachkräfte vor die Tür setzen, die Auszubildende abschieben und Ausbildungsplätze dichtmachen, die auf Teufel komm raus erfahrene Fachkräfte durch Jungspunde ersetzen, weil die angeblich belastbarer sind (in Wahrheit aber naiv oder eingeschüchtert genug und zudem noch formbar). Wer sich dann hinstellt und sich mit einem tollen Bilanzergebnis feiern lässt, während die soziale Kompetenz auf der Strecke bleibt, dem gehört ehrlich gesagt keinen Cent. Eine Führungskraft hat meiner Meinung nach stets mit gutem Beispiel voranzugehen und auch seine Firma glaubhaft gegenüber Kunden, Anlegern aber insbesondere auch gegenüber den Mitarbeitern zu vertreten. Die Firma als abstraktes Wesen wird nämlich im wesentlichsten durch die Führung wahrgenommen. Als Führungskraft kann ich meine Mitarbeiter nur durch eigenes Beispiel anspornen. Wer also keine eigenen Moral- und Wertvorstellungen hat, der hat auf seinem Sessel nichts verloren. Jeder Manager, der für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter mit dem Herzen eintritt, verdient auch jeden Cent seines Gehalts. Wer das nicht kann, ist halt nur eine topbezahlte Prostituierte der Wirtschaft...aber selbst dorthin geht man nur einmal...
jürgen Treis, 28.04.2007
3.
Zitat von Stahlengel77Das Top-Management unseres Unternehmens, zu dem auch die Eigentümerfamilie gehört, kommt morgens um 6.30 Uhr in die Firma und verlässt sie um 20.30 Uhr. Die Chefs sind Macher und hassen Schwafeleien. Dafür steht das Unternehmen hervorragend da, die Auftragsbücher sind voll und die Firma schafft neue Arbeitsplätze und übernimmt den größten Teil seiner Auszubildenden. Die Chefs sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und belohnen auch herausragende Leistungen und spornen damit auch an. Für solche Top-Manager sollte es auch Top-Gehälter geben, denn die haben sie sich auch durch ihren Einsatz verdient. Was ich persönlich für moralisch unverantwortlich halte ist, wenn Großkonzerne Millionen an sogenannte Topmanager bezahlen, die als erste Maßnahme tausende Fachkräfte vor die Tür setzen, die Auszubildende abschieben und Ausbildungsplätze dichtmachen, die auf Teufel komm raus erfahrene Fachkräfte durch Jungspunde ersetzen, weil die angeblich belastbarer sind (in Wahrheit aber naiv oder eingeschüchtert genug und zudem noch formbar). Wer sich dann hinstellt und sich mit einem tollen Bilanzergebnis feiern lässt, während die soziale Kompetenz auf der Strecke bleibt, dem gehört ehrlich gesagt keinen Cent. Eine Führungskraft hat meiner Meinung nach stets mit gutem Beispiel voranzugehen und auch seine Firma glaubhaft gegenüber Kunden, Anlegern aber insbesondere auch gegenüber den Mitarbeitern zu vertreten. Die Firma als abstraktes Wesen wird nämlich im wesentlichsten durch die Führung wahrgenommen. Als Führungskraft kann ich meine Mitarbeiter nur durch eigenes Beispiel anspornen. Wer also keine eigenen Moral- und Wertvorstellungen hat, der hat auf seinem Sessel nichts verloren. Jeder Manager, der für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter mit dem Herzen eintritt, verdient auch jeden Cent seines Gehalts. Wer das nicht kann, ist halt nur eine topbezahlte Prostituierte der Wirtschaft...aber selbst dorthin geht man nur einmal...
BRAVO!!! Besser hätte ich es auch nicht formulieren können!!! Absolute Zustimmung :-)
Fred Heine 29.04.2007
4.
Zitat von sysopManager großer Unternehmen sind die Topverdiener unter den Angestellten. Millionen-Saläre pro Jahr sind die Regel. Verdienen sie wirklich, was sie verdienen? Wie hoch dürfen Manager-Gehälter noch klettern?
Wie viel dürfen den Schauspieler verdienen? Jack Nicholson hat für seine Rolle in Batman rund 60 Mio. Dollar bekommen. Wie viel darf jemand wie Michael Schumacher verdienen? Er ist in seiner Karriere Milliardär geworden. Wie viel darf ein Manager verdienen, der das Vermögen seiner Aktionäre um 180 Mrd. Euro erhöht? 10 Prozent, also 18 Milliarden? Ein Prozent, also 1,8 Milliarden? Ein Promill, also 180 Millionen? Was der Vorstand eines Unternehmens verdient, bestimmen die Aktionäre. Vorstände vertreten die Interessen der Aktionäre, deshalb bezahlen diese auch die Vergütungen.
hardner 30.04.2007
5.
Zitat von herb-9000Ein Manager ist lediglich der höchste Angestellte eines Unternehmens, nicht der Eigentümer. Deshalb sollte ein Manager Gehalt maximal das zwanzigfache des niedrigsten Lohns im Unternehmen sein (Bsp.: Niedrigstes Gehalt im Unternehmen: Eur 30.000,00 p.a. / Manager Gehalt 600.000,00 p.a.).
Nachdem sich gerade diejenigen, die als "top" definiert werden. sich ausdrücklich immer ihren Shareholdern verpflichtet fühlen, sind sie Angestellte (Handlanger) dieser Klientel. Und nachdem Scharheolder mit überwiegendem Stimmanteil häufig gewisse Banken sind, betrachte ich sie auch als Bankangestellte. Und in Bankkreisen wird halt auch ganz nett bezahlt, zumindest wenn man in deren Sinn ein Top-Manager ist. Aber "wer" das alles letztlich bezahlt, darüber sollte man schon nachdenken. Spätestens wenn man ein Produkt kauft. Hier könnte mich das Verhalten gewisser Manager durchaus stören, beim Konsumieren. Gruss, P.H.
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