Managerschelte Steinbrück rügt gierige Eliten in Deutschland

Bislang hat sich der Finanzminister aus der Debatte herausgehalten, doch jetzt teilt er aus: Peer Steinbrück greift deutsche Manager und Führungskräfte scharf an. Die Eliten seien gierig, egoistisch und wenig solidarisch.


Berlin - In Sachen Eliten-Schelte war wochenlang nichts von ihm zu hören. Doch jetzt machte Steinbrück seinem Ärger Luft: Die Eliten in Deutschland seien zu selbstsüchtig und gierig, sagte der stellvertretende SPD-Chef dem Magazin "Cicero". "Das Gerechtigkeitsgefühl der gesellschaftlichen Mitte wird durch die Entsolidarisierung der Besserverdienenden, den Egoismus und die um sich greifende Gier eines Teils der Wirtschaftselite schwer verletzt."

Finanzminister Steinbrück: "Entsolidarisierung der Besserverdienenden"
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Finanzminister Steinbrück: "Entsolidarisierung der Besserverdienenden"

Doch damit nicht genug: Die Menschen müssten wieder füreinander einstehen, forderte Steinbrück weiter. "Das gilt besonders für die Reichen in unserer Gesellschaft", sagte er vor dem Hintergrund der Finanzkrise. Die soziale Marktwirtschaft könne aus der Krise attraktiver hervorgehen, sagte der Minister. "Das wird aber nur gelingen, wenn die Eliten Deutschlands sich mehr für unser Land engagieren, als sie dies in den vergangenen Jahren getan haben."

Deshalb müssten die Eliten dazu beitragen, "dass das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in die soziale Marktwirtschaft und die parlamentarische Demokratie zurückkehrt". Andernfalls werde das hiesige Wirtschafts- und Gesellschaftssystem auf Dauer die notwendige breite Akzeptanz verlieren und durch populistische und antidemokratische Kräfte "erodiert", warnte er.

Steinbrück mischte sich damit erstmals in die Debatte um die Verantwortung von Managern ein. Seitdem die weltweite Finanzkrise Mitte September einen neuen Höhepunkt erreicht hat, wurde intensiv über die Frage diskutiert, wie gerechtfertigt Gehälter und Bonuszahlungen in Millionenhöhe für Banker sind, die ihre Institute nicht richtig geführt haben. Von verschiedenen Seiten waren Vorwürfe laut geworden, dass genau diese Banker jetzt in der Krise nach dem Staat und damit nach Steuergeldern verlangten.

Heftige Debatte um Managergehälter

Die Debatte sorgte außerdem für verschiedene Eklats: So sprach der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff angesichts der andauernden Managerschelte von einer "Pogromstimmung gegen Manager" - musste sich nach heftigen Protesten vom Zentralrat der Juden allerdings von seiner Äußerung distanzieren.

Die Wortwahl erinnerte an den Vergleich, der Ende Oktober heftige Empörung auslöste: Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), hatte die Kritik an Managern in einem Zeitungsinterview mit dem Antisemitismus der dreißiger Jahre gleichgesetzt. Sinn sagte wörtlich, in der Weltwirtschaftskrise von 1929 hätte es "in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager". Nach heftiger Kritik des Zentralrats der Juden, von Spitzenpolitikern und Kirchenvertretern entschuldigte sich Sinn öffentlich.

Die Bundesregierung hatte Mitte Oktober ein Rettungspaket in Höhe von 480 Milliarden Euro geschnürt, das Banken Kapital und Garantien zur Verfügung stellt. Damit sollen öffentliche wie private Banken vor den Folgen der Finanzkrise und der daraus resultierenden Kreditklemme geschützt werden. Im Gegenzug verlangt die Bundesregierung eine Regulierung der Managergehälter.

sam/AP

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