Managervergütung Dax-Konzerne lehnen Veröffentlichung der Vorstandsgehälter ab

Mit dem geplanten Gesetz zur Offenlegung von Managergehältern stößt Justizministerin Brigitte Zypries auf erbitterten Widerstand bei einigen Großkonzernen. Mehrere Dax-Unternehmen wollen in der Frage hart bleiben und gehen auf Konfrontationskurs.


Geldsegen: Gegen die Offenlegung der Managergehälter formiert sich Widerstand
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Geldsegen: Gegen die Offenlegung der Managergehälter formiert sich Widerstand

Frankfurt am Main - BMW-Chef Helmut Panke wird bei der Vorlage der Bilanz nächste Woche die Gehälter des Vorstands nicht einzeln ausweisen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Wir halten den Gesetzesvorschlag für falsch", wird ein BMW-Sprecher zitiert.

Auch DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp kämpft demnach weiter dafür, sein Gehalt nicht offen zu legen. Ebenso ablehnend sei die Position des BASF-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht, berichtet die Zeitung. Der Aktionär gewinne keine zusätzliche Erkenntnis, wenn er das Gehalt jedes einzelnen Vorstandes erfahre, sagte er. "Der Gesamtausweis der Gehälter entspricht der Gesamtverantwortung des Vorstandes." Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will nach SPIEGEL-Informationen ebenfalls weiter zu seinen Einkünften schweigen.

Die Bundesregierung will Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften per Gesetz verpflichten, ab 2006 ihre Gehälter zu veröffentlichen. Die Eckpunkte eines entsprechenden Gesetzentwurfes hatte Justizministerin Zypries (SPD) am Freitag in Berlin vorgestellt. Davon betroffen wären nicht nur die 30 Dax-notierten, sondern alle börsennotierten Unternehmen, insgesamt also knapp 1000. Um die Offenlegungspflicht zu umgehen, muss der Vorstand laut dem Gesetzentwurf auf der Hauptversammlung eine Drei-Viertel-Mehrheit organisieren.

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Vorstandsgehälter: Die Geheimniskrämer

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, verlangte, für den Verzicht auf die Offenlegung solle schon die einfache Mehrheit der Hauptversammlung und nicht eine 75-Prozent-Mehrheit ausreichen.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, sagte dagegen, seine Fraktion unterstütze das Vorhaben der Justizministerin, weil der Kapitalmarkt mehr Transparenz und Vertrauen brauche. Die Opting-Out-Regelung zur Umgehung der Offenlegungspflicht sei aber unnötig. "Ziel der Offenlegung ist die Information der Gesellschaft und nicht nur der aktuellen Anteilseigner", erklärte er.

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Vorstandsgehälter: Die Auskunftsfreudigen

Beck verwies darauf, das die individuelle Offenlegung von Vorstandsbezügen bereits heute in Ländern wie den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Schweden normativ vorgeschrieben.



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