Manhattans teuerste Adresse Festung der Hedgefonds-Ritter

Schöner wohnen für den Geldadel: Am Central Park steht New Yorks teuerste Penthouse-Burg. Fondsmanager, Dotcom-Milliardäre und Wall-Street-Banker schwärmen für den Bau im Rockefeller-Retro-Chic - eines der Apartments ging hier für sagenhafte 45 Millionen Dollar weg.

Von , New York


New York - Central Park West, die Prachtmeile im Herzen Manhattans, hat ihre besten Tage eigentlich hinter sich. Die im Schnitt hundert Jahre alten Luxuswohnklötze mit ihren Zinnen und Türmen haben längst Patina angelegt, trotz ihrer prominenten Bewohner: das "San Remo" (Steven Spielberg, Donna Karan, Bono), das "Beresford" (Diana Ross) und, weltberühmt, das "Dakota", in dem John Lennon lebte und in dessen Einfahrt er im Dezember 1980 erschossen wurde.

Jetzt haben die steinernen Kolosse am Central Park einen brandneuen Nachbarn bekommen, der ihnen ein für allemal das Rampenlicht stiehlt - nicht nur architektonisch, sondern auch, was das hinter seinen Festungsmauern akkumulierte Vermögen angeht. 15 Central Park West heißt es, im Maklerjargon kurz "The Fifteen", ist nicht nur die prestigeträchtigste, sondern auch die teuerste Adresse aller Zeiten in New York. In dem Gebäude befinden sich 201 Luxuswohnungen im Wert von insgesamt fast zwei Milliarden Dollar.

Das kann sich natürlich nicht jeder leisten. Weshalb das "Fifteen" an der Südwestecke des Parks eine ganz besondere, neue Generation von Klientel anzieht: Hedgefonds-Manager, Dotcom-Milliardäre und Wall-Street-Banker. Und anders als die jüngsten Nobeltürme für New Yorks Money Men - sterile Terrarien aus Spiegelglas und Stahl, die Manhattan zu einem Mutanten Dubais zu machen drohen - zollt das "Fifteen" mit seinen selbst für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich palastartigen Apartments und seiner kalksteinernen "Retro-Opulenz" ("New Yorker") jener Ära Tribut, da die Rockefellers, Carnegies und Vanderbilts die Stadt regierten.

15 Central Park West, diesen Sommer auf dem Grundstück des einstigen Mayflower Hotels fertiggestellt, ist mehr als nur ein weiteres Beispiel des Exzesses in einer Metropole, in der die Kluft zwischen Reich und Arm so tief ist wie nirgends sonst in den USA. Das Hochhaus ist ein Zeichen der Zeit: Indem es per Design die verflossene Grandeur des "Gilded Age" zitiert, zemetiert es den Status der jüngsten Boom-Generation endgültig als die neue Geldelite New Yorks - als die großen Gatsbys des 21. Jahrhunderts.

Modernste Finessen hinter der Fassade

Der Größte von allen ist Hedgefonds-König Daniel Loeb, dessen Third Point LLC über 3,5 Milliarden Dollar managt. Loeb hat sich eines der Penthouse-Wohnungen im "Fifteen" geschnappt: 994 Quadratmeter (plus 180 Quadratmeter Rundum-Terrasse), zehn Schlafzimmer, 45 Millionen Dollar. Eine Zeit lang war das die teuerste Einzelwohnung Manhattans. Ein früherer Interessent dafür, der Private-Equity-Firmenjäger Carl Ican, hatte gekniffen, als die Liegenschaft noch 43 Millionen Dollar kostete.

Auch einer der beiden Google-Gründer - ob Larry Page oder Sergey Brin, ist unbekannt - hat 30 Millionen Dollar für 510 Quadratmeter hingeblättert (fünf Schlafzimmer). Von hier aus zur neuen Google-Dependance im Stadtteil Chelsea sind es laut Google Maps gerade mal 4828 Meter. Zu den neuen Nachbarn zählen Citibank-Ex-Chef Sanford Weill und Lloyd Blankfein, der CEO der größten US-Investmentbank Goldman Sachs. Dagegen verblassen die anderen VIPs, die mit auf der diskreten Käuferliste stehen: Musiker Sting, Schauspieler Denzel Washington, Anchorman Bob Costas, TV-Produzentenlegende Norman Lear.

"Ich habe nie zuvor etwas Vergleichbares gesehen", staunte selbst Paul Goldberger, der eigentlich eher nörgelige Architekturkritiker des "New Yorkers", über das "Historientheater" dieses Prachtbaus im alten Stil, der einen ganzen, 50 Meter langen Straßenblock zwischen Central Park und Broadway belegt. "Geschichtliche Anlehnung ist in Landhäusern oder Museen üblich, doch selten in der Größenordnung eines Wolkenkratzers."

In der Tat stecken hinter der Wuchtfassade des enormen Doppelbaus - 20-stöckiger Flügel am Park, 43-stöckiger Wolkenkratzer am Broadway - modernste Finessen. Das verspricht schon der Hochglanz-Werbeprospekt in üblichem Makler-Hype: Das vom Stararchitekten Robert Stern entworfene Gebäude "bleibt der Eleganz der großartigsten Vorkriegs-Apartmenthäuser treu - und bietet zugleich die durchdachten Annehmlichkeiten, mit denen die New Yorker heute leben". Zumindest einigeNew Yorker.

"Gott, wer kann sich das wohl leisten?"

Der Immobilienblog "Triple Mint" nannte das "Fifteen" eine "liebevolle, frühe Hollywood-Version von New York". Endlich können die neureichen Finanzgenies unserer Tage - die in den eher gediegeneren Prominenten-Schlössern Manhattans bisher nur auf distanziertes Naserümpfen stießen - ganz unter sich auf Vornehm machen.

Der Kalkstein der Fassade - insgesamt 85.000 Einzelteile - stammt aus dem US-Bundesstaat Indiana, aus demselben Steinbruch, aus dem auch das Material für das Empire State Building kam. Zwischen den zwei Flügeln liegt ein begrünter Innenhof, der zur Eingangslobby führt, einer 140-Quadratmeter-Halle mit Marmorsäulen, Eichentäfelung und zwei offenen Kaminen. "Wie im Waldorf-Astoria", prahlt der Immobilienzar Arthur Zeckendorf, der das "Fifteen" gemeinsam mit seinem Bruder William gebaut hat - in alter Familientradition: Ihr Großvater William Zeckendorf Senior hatte der Stadt 1946 das East-River-Grundstück verkauft, auf dem die Uno-Zentrale entstand.

Die Apartments, die in 75 verschiedenen Zuschnitten angeboten werden, sind selbst im Vergleich zu anderen Luxusresidenzen Manhattans riesig. Damit Rockefellers Erben, wie die Broschüre wirbt, "in großem Rahmen empfangen" können.

Dazu gehören Speisesäle, Dienstbotenflügel und Mamorbäder, die "groß genug sind, um sein Polo-Pony darin zu baden" (Goldberger). Viele haben zwei Etagen und weite Terrassen mit Freiblick auf den Park und die Skyline der Stadt. Die Decken sind bis zu vier Meter hoch, die Fenster bis zu fünf Meter breit. Architekt Stern spekulierte dabei absichtlich auf den Sozialneid des gemeinen Volkes. Er habe erreichen wollen, dass die Leute unten auf der Straße stehen bleiben und staunen: "Gott, wer kann sich das wohl leisten?"

"Alle wollten da rein"

Nicht alle Noblesse ist von außen sichtbar. So verbirgt das Untergeschoss nicht nur einen eigenen Fitnessclub (1300 Quadratmeter) mit mehreren Saunen, Spa-Sälen und einem 23 Meter langen Swimming Pool mit Skylight, sondern auch 30 individuell-private klimatisierte Weinkeller.

Ein Blick auf die Preisliste lässt den Atem stocken. Durchschnittspreis der Wohnungen: zehn Millionen Dollar. Allein das Apartment 2B, eine tief im ersten Stock gelegene, verhältnismäßig bescheidene Zweizimmerwohnung mit 98 Quadratmetern, kostet 2,25 Millionen Dollar (plus 2817,81 Dollar monatlichen Unterhalt). Dafür gibt's aber auch einen eigenen Chefkoch, der das ganze Haus verköstigt, sowie ein kleines Kino und einen "Chauffeur-Wartesaal".

Schon als vor ein paar Jahren das erste Verkaufsbüro für die Wohnungen eröffnete, war das "Fifteen" - obwohl damals noch nicht mal im Rohbau fertig - eine Sensation. "Wie ein Strudel sog es allen anderen Gebäuden in der Preisspanne das Geschäft ab", klagt VIP-Makler Mazhar Raslan, der unter anderem das benachbarte Trump International Hotel & Tower vermarktet. "Alle wollten da rein."

Kulisse für Horror-Filme

Die ohnehin hohen Preise explodierten: Insgesamt 19-mal wurde der Wert der Wohnungen "nach oben korrigiert". Ein Käufer, der zwölf Millionen Dollar bezahlt hatte, soll kurz darauf ein neues Angebot bekommen haben- für über 16 Millionen Dollar. Ende April 2007, noch vor der Fertigstellung, wurde das letzte Apartment verkauft - ein Rekord selbst für den bis heute boomenden Luxusmarkt in New York.

Damit wurde das "Fifteen" das finanziell erfolgreichste Immobilienprojekt in der Baugeschichte der Stadt. Allein die Zeckendorfs verdienten daran Presseberichten zufolge fast eine halbe Milliarde Dollar. Kein Wunder, dass auch sie ins "Fifteen" zogen.

Doch natürlich ist aller Glanz vergänglich. Das sieht man am "Dakota" ein paar hundert Meter weiter, in dem einst Judy Garland, Leonard Bernstein und Rudolf Nurejew wohnten: 1884 als eines der ersten Gebäude am damals noch wilden, unbebauten Westrand des Central Parks eröffnet, galt es als Ausbund von Luxus und Komfort, denn es hatte Zentralheizung, eine hauseigene Sporthalle und separate Aufzüge für Bedienstete. Inzwischen taugt es meist nur noch als Kulisse für Horror-Filme.

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