Manipulierte Aktientipps TV-Börsenguru kommt mit Bewährungsstrafe davon

"Make Money" hieß die Sendung, die Finanzexperte Markus Frick im Fernsehen moderierte. Das Motto setzte er selbst ohne Rücksicht in die Tat um: Das Berliner Landgericht verurteilte ihn nun zu einer Bewährungsstrafe, weil er Anleger in seinem Börsenbrief bewusst getäuscht hat.

Ex-Börsenguru Frick vor dem Berliner Landgericht: 20.000 Anleger beeinflusst
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Ex-Börsenguru Frick vor dem Berliner Landgericht: 20.000 Anleger beeinflusst


Berlin - Das Berliner Landgericht kam zu dem Schluss, dass der frühere N24-Moderator in seinem Börsenbrief seine E-Mail-Abonnenten zu seinem Vorteil täuschte. Die Richter verurteilten Frick am Donnerstag wegen strafbarer Marktmanipulation zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Frick zwischen September 2005 und Juni 2007 in seinen Börsenbriefen an der Frankfurter Börse gehandelte Aktien, die er selbst besaß, empfohlen und dabei private wirtschaftliche Interessen den Anlegern gegenüber verheimlicht zu haben.

Dennoch blieb das Gericht weit unterhalb des von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaßes. Sie hatte für den 38-Jährigen eine Haftstrafe von drei Jahren beantragt. Die Verteidigung stellte keinen Antrag, betonte aber, dass es aus ihrer Sicht "kein strafbares Handeln" gegeben habe.

Er inszeniert sich weiter als Börsenexperte

In dem seit Anfang März laufenden Verfahren hatte Frick Fehler eingeräumt. Es sei nicht richtig gewesen, sein "mittelbares Interesse" an von ihm empfohlenen Aktien den Anlegern gegenüber nicht offengelegt zu haben. Er habe dies damals nicht für erforderlich gehalten. "Wenn ich mich falsch verhalten habe und dies strafbar sein soll, übernehme ich dafür die Verantwortung", hatte Frick gesagt.

Nach Ermittlungen der Finanzaufsicht Bafin hatten rund 20.000 Anleger auf Empfehlung von Frick 760 Millionen Aktien der von ihm empfohlenen Unternehmen geordert. Viele Kleinanleger sollen ihre gesamten Investitionen verloren haben. Die Staatsanwaltschaft stellte 80 Millionen Euro sicher. Frick sagte, er habe mit 867 Anlegern Vergleiche geschlossen und ihnen insgesamt 4,6 Millionen Euro gezahlt.

Frick inszeniert sich allerdings auch heute noch als Börsenexperte mit eigenem E-Mail-Newsletter, selbstgemachter Fernsehsendung und regelmäßigen Seminaren. Auf seiner Homepage wird der Prozess mit keinem Wort erwähnt, stattdessen gibt es dort für 79 Euro die DVD "Die todsichere Strategie" zu kaufen. Beworben wird sie mit den Worten: "Markus Frick zeigt Ihnen auf, wo Ihre Fehler liegen."

yes/dapd



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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
jenzy 14.04.2011
1. ...
ist doch super! mit einer bewährungsstrafe davongekommen, bestimmt noch jede menge kohle aus dem deal anderweitig gebunkert... die dvd dieses netten zeitgenossen sollte man sich sofort kaufen. 79 euro sind ja auch ein schnäppchen!
fatherted98 14.04.2011
2. Wer dem Bäcker...
...auf dem Leim ging...das waren doch meist eh nur Börsenlooser die auf jedes noch so kleine Versprechen hereinfielen...merke: Gier schaltet Hirn aus. Das der Bäcker nicht einfahren muss...naja...viele hätten es wohl gern gesehen. Mal sehen ob er seinen "Kunden" Schadenersatz leisten muss/kann?
sinnentleerter 14.04.2011
3. Eher...
...wären die Scholl-Geschwister von einem NS-Richter freigesprochen worden, als das jemals eine Persönlichkeit aus der Riege der Wirtschaftskriminellen von einem BRD-Gericht rechtskräftig zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt wird...
Jonny_C 14.04.2011
4. Börsenguru ?
Da gab es nur einen: André Kostolany und der ist 1999 gestorben.
prophet46 14.04.2011
5. Zweierlei Maß
Zitat von sysop"Make Money" hieß die Sendung, die Finanzexperte Markus Frick im Fernsehen moderierte. Das Motto*setzte er selbst ohne*Rücksicht in die Tat um:*Das Berliner Landgericht verurteilte ihn nun zu einer*Bewährungsstrafe, weil er Anleger in seinem Börsenbrief bewusst getäuscht hat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,756937,00.html
Da sieht man es mal wieder: Wirtschaftskriminalität wird scheinbar weitgehend milder behandelt vor den Gerichten wie z.B. Autounfälle mit Körperverletzung. Vermutlich steigen die Juristen einfach nicht richtig durch.
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