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24. November 2006, 17:41 Uhr

Mannesmann-Prozess

Ackermann will Millionen-Auflage aus eigener Tasche zahlen

Einer der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse steht kurz vor seinem Ende. Im Mannesmann-Fall haben sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf die Einstellung des Verfahrens geeinigt. Deutsche-Bank-Chef Ackermann würde mit einer Zahlung von 3,2 Millionen Euro davonkommen.

Düsseldorf - Josef Ackermann und die anderen fünf Angeklagten willigten in die Zahlungen ein. Das Gericht wird voraussichtlich am kommenden Mittwoch über den Antrag entscheiden - eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Ackermann soll als früheres Aufsichtsratsmitglied der Mannesmann AG eine Auflage von 3,2 Millionen Euro, der frühere Vorstandschef Klaus Esser 1,5 Millionen Euro zahlen.

Ackermann: Staatsanwaltschaft sieht keinen "Handel mit Gerechtigkeit"
DPA

Ackermann: Staatsanwaltschaft sieht keinen "Handel mit Gerechtigkeit"

Die Ackermann-Verteidiger begründeten ihren Antrag auf Einstellung des Verfahrens unter anderem mit der langen Prozessdauer. Der Schritt sei zum jetzigen Zeitpunkt angemessen, erklärten die Rechtsanwälte Eberhard Kempf und Klaus Volk. Möglicherweise könne nie geklärt werden, ob "die Angeklagten vorsätzlich und in dem Bewusstsein gehandelt hätten, Unrecht zu tun". Am Ende des Verfahrens würde kein Urteil stehen, das alle als gerecht empfinden würden, sagte Volk. Er bat zugleich darum, Ackermann von den Lasten eines "quälend langen Verfahrens" zu befreien. Der Deutsche-Bank -Chef hatte vor der Verhandlung angekündigt, im Fall einer Verurteilung zurückzutreten.

In dem Prozess verhandelt das Gericht über den Vorwurf der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone vor sechs Jahren. Es geht um die umstrittene Ausschüttung von 57 Millionen Euro Prämien und Pensionsabfindungen an Manager.

Bisher kein strafrechtlicher Präzedenzfall

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wäre eine Verfahrenseinstellung kein "Handel mit der Gerechtigkeit", sondern entspräche der Rechtslage und sei sachgerecht. Für die Zubilligung von Anerkennungsprämien und anderen Sonderzahlungen gebe es bislang keinen strafrechtlichen Präzedenzfall, betonten die Staatsanwälte.

Die umstrittenen Prämienzahlungen hätten weder den Bestand noch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mannesmann AG gefährdet. Die Angeklagten seien nicht vorbestraft, hätten in der Mehrzahl keinen wirtschaftlichen Vorteil von den Prämien gehabt und müssten allenfalls mit Bewährungsstrafen rechnen.

Ackermann kündigte an, die Millionensumme "aus eigener Tasche" zu bezahlen. Er hatte sein gesamtes Jahreseinkommen zum Prozessauftakt auf bis zu 20 Millionen Euro beziffert. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Mannesmann, Joachim Funk, soll eine Million Euro und Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel 60.000 Euro berappen. Für Betriebsratschef Jürgen Ladberg sind 12.500 und für den Manager Dietmar Droste 30.000 Euro veranschlagt. Wenn das Gericht der Einstellung nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung zustimmt, gelten alle Angeklagten als unschuldig.

"Freispruch zweiter Klasse"

Der frühere Mannesmann-Chef Esser, der allein aus seinem Vertrag plus Prämien rund 30 Millionen Euro erhalten hatte, sagte, durch den bisherigen Prozessverlauf sehe er die Korrektheit seines Handelns bestätigt. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass die weitere Beweisaufnahme dieses bestärken würde." Dennoch befürworte er die Einstellung des Verfahrens, damit die Vorwürfe endgültig vom Tisch seien. "Ich bin dann froh, in den nächsten Monaten und Jahren wieder die volle Zeit für meine beruflichen Aufgaben zu haben."

Bei Aktionärsschützern stieß die bevorstehende Einstellung des Verfahrens auf ein positives Echo. "Es musste ein Ende gefunden werden, das Schaden von der Deutschen Bank abwendet - dies ist jetzt geschehen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, dem "Tagesspiegel". Für Ackermann sei die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage allerdings ein "Freispruch zweiter Klasse", fügte Hocker hinzu. Seine Position bei der Deutschen Bank bleibe gleichwohl unangefochten.

Die bereits dritte Auflage des Mannesmann-Prozesses hatte Ende Oktober vor dem Düsseldorfer Landgericht begonnen. Beim ersten Prozess 2004 hatte das Landgericht alle Angeklagten freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil später auf, weil er den "objektiven Tatbestand der Untreue" erfüllt gesehen hatte. Der Fall wurde an das Landgericht zurückverwiesen.

tim/dpa-AFX

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