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Mannesmann-Prozess: Freispruch für alle Angeklagten

Im Mannesmann-Prozess hat das Düsseldorfer Landgericht alle sechs Angeklagten freigesprochen. Die Strafkammer sah die Untreue-Vorwürfe gegen die früheren Mannesmann-Aufsichtsräte und -Manager als nicht erwiesen an.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Freispruch erster Klasse
DPA

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Freispruch erster Klasse

Düsseldorf - Punkt neun Uhr erhoben sich die Angeklagten und Zuschauer, als die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer zur Urteilsverkündung des Düsseldorfer Landgerichts schritt. Wenige Minuten später atmeten sie erleichtert auf - Freispruch. Das Gericht sah die Tatvorwürfe der schweren Untreue als nicht erfüllt an. Die Staatsanwälte hatten für die Manager und Gewerkschafter Haftstrafen bis zu drei Jahren, zum Teil ohne Bewährung, gefordert.

Neben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verlassen auch der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser, der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk den Gerichtssaal straffrei. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 vorgeworfen, durch die Zahlung von Prämien und Pensionen Aktionärsvermögen in Höhe von 57 Millionen Euro veruntreut zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte Esser außerdem Käuflichkeit vorgeworfen: Er habe eine Prämie von 15 Millionen Euro dafür erhalten, dass er der anfangs von ihm vehement abgelehnten Übernahme des traditionsreichen Mannesmann-Konzerns durch Vodafone Anfang des Jahres 2000 am Ende doch zugestimmt habe. Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, der ebenfalls vor Gericht saß, soll sich der Anklage zufolge sogar selbst begünstigt haben.

Für Funk hatten die Ankläger drei Jahre Haft gefordert, während Esser für zweieinhalb Jahre hinter Gitter sollte. Im Falle der übrigen vier Angeklagten hatte sie Bewährungsstrafen beantragt. Ackermann sollte zwei Jahre erhalten, Zwickel ein Jahr und zehn Monate. Jeweils ein Jahr Haft auf Bewährung hatte die Anklage für den ehemaligen Mannesmann-Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Ladberg, der ebenfalls mit im Präsidium des Aufsichtsrates saß, sowie für den Esser-Mitarbeiter Dietmar Droste verlangt. Die Angeklagten hatten stets ihre Unschuld beteuert.

Ein Freispruch hatte sich bereits in der Zwischenbilanz abgezeichnet, die die 14. Große Strafkammer Ende März gezogen hatte. Damals hatte Koppenhöfer klargemacht, dass sie keine strafrechtlich zu ahndenden Tatbestände erkenne. Zwar lägen Verstöße gegen das Aktienrecht vor, doch könnten diese nur Gegenstand eines Zivilverfahrens sein.

Ob sie gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegen wird, wollte die Anklagebehörde zunächst nicht sagen. Vor einer Stellungnahme soll die Urteilsbegründung durch das Landgericht abgewartet werden. Im Vorfeld hatte es aus der Behörde geheißen, dass ein solcher Schritt für den Fall eines Freispruchs zumindest geprüft werde.

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