Markenrechte: Apples Pod-Krieg

Von Marc Pitzke, New York

Eigentlich heißt "pod" im Englischen nichts anderes als "Schale" oder "Hülse". Doch das Geschäft mit dem iPod boomt, und so beansprucht Apple den Begriff "Pod" jetzt ausschließlich für sich. Das Ende von "Podcasts" und Geräten wie dem "Profit Pod", das bei der Buchhaltung helfen soll?

New York - Es begann, wie so vieles in dieser Branche, in einer Garage. Anfang 2003 war das, in Littleton im US-Bundesstaat Colorado. Damals erfand der Software-Ingenieur Mark Chally ein praktisches Produkt: einen kleinen, schnittigen Ständer aus Acryl, in den man zum Beispiel einen iPod legen konnte, ein Handy oder einen PDA. Chally nannte ihn PodPod.

Apple-iPods: "Podcast-Gemeinschaft begrüßt freien Ideenaustausch"
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Apple-iPods: "Podcast-Gemeinschaft begrüßt freien Ideenaustausch"

Seit drei Jahren ist der PodPod (14,95 Dollar) das Vorzeigeprodukt der Firma Chally Micro Solutions. "Warum das Dreifache für Schlichtheit und Eleganz zahlen?", wirbt Chally auf seiner Website, vorsichtshalber verbunden mit dem Hinweis: "Chally Micro Solutions ist nicht mit Apple Computer, Inc. assoziiert."

Es half nichts. Denn jetzt, klagt Chally, habe sich ein Anwalt des Computergiganten und Wall-Street-Lieblings Apple bei ihm gemeldet: Er möge es gefälligst unterlassen, weiter den Namen PodPod zu verwenden. Das Wort "pod" - eigentlich eine ganz normale, englische Vokabel, die "Schale", "Hülse" oder auch "Halter" heißt - sei heute im Sprachgebrauch synonym mit Apples iPod, einem seit 2001 geschützten Markenzeichen.

Protest gegen myPodder

Chally war perplex. Sein Kompromissangebot - er ändere den Namen, so er "angemessen" kompensiert werde - sei abgelehnt worden. "Das finde ich beunruhigend", klagte er in einem Brief ans Computermagazin "Wired". Zumal Apple wahrscheinlich mehr Geld für Anwaltskosten ausgebe, als er mit seinem PodPod verdiene.

Chally ist nicht der einzige, der dieser Tage Post von Apple erhielt. Der Computerhersteller hat ähnliche Unterlassungsdrohungen an zahlreiche andere Firmen geschickt, die die Begriffe "Pod", "Podcast" oder "Podcasting" im Namen führen oder für Produkte benutzen. Dabei stehen viele der Begriffe längst in modernen Wörterbüchern. Die Redaktion des New Oxford American Dictionary, der offiziellen US-Wörterbibel, erklärte "Podcast" sogar zum Wort des Jahres 2005 und wird es in seine nächste Ausgabe als unabhängigen Ausdruck aufnehmen.

Doch Apple erklärt stur: Der Begriff "Pod" werde "allgemein als Abkürzung benutzt, um Apples iPod-Player zu beschreiben". So stand es auch in dem Brief an Podcast Ready, ein texanisches Startup, das Software zur Podcast-Archivierung anbietet. Der Name für dessen Synchronisierungs-Software myPodder - die nicht nur mit iPods funktioniert, sondern auch mit jedem mp3-Player - sei offensichtlich "absichtlich so gewählt worden, um aus dem Ruf und guten Willen des Apple-Markenzeichens Profit zu schlagen".

Mit diesem Vorwurf hat Apple sicherlich Recht: Seit dem Sensationserfolg seines iPods ist die Zahl der Firmen und Produkte, die plötzlichen den neuen Klang des alten Wortes "pod" entdeckt haben, weltweit explodiert. Jeder will auf den Zug aufspringen. Allerdings reichen die Ursprünge des Podcastings bis ins Jahr 2000 zurück – ein Jahr vor Markteinführung des ersten Apple-iPods.

Apple setzte Podcast Ready, das von dem Amerikaner Russell Holliman und zwei Weimarer Studenten gegründet wurde, nun ein Ultimatum: Bis Donnerstag dieser Woche müsse es sich und myPodder umbenennen. "Die wollen, dass wir unseren Namen aufgeben", erklärte Holliman entsetzt, der beide Namen als Schutzmarken angemeldet hat. Verzweifelt verweist er darauf, dass die "Podcast-Gemeinschaft den freien Ideenaustausch begrüßt". Doch seine Position ist nicht allzu gut. Derzeit lässt er seine Anwälte prüfen, ob er sich einen Rechtsstreit überhaupt leisten kann.

Apple verschickt unterdessen weiter seine Briefe: So erhielt auch die Website PodGolfFitness.com Post vom Computerriesen, die Sport-Downloads anbietet. Ebenso erging es dem Unternehmen Mach 5 Products, das ein Gerät namens Profit Pod für Buchhaltung und Inventur produziert. "Damit scheint Apple ein bisschen zu weit gegangen zu sein", schimpft der Tech-Blog Engadet.com.

"Bis zum Supreme Court"

Die Apple-Aktionen gegen die "Pod People" sorgten am Wochenende auch auf der Fachmesse Podcast and Portable Media Expo im kalifornischen Ontario für Aufregung. Als der Hauptredner Leo Laporte, der Gründer des Podcast-Networks TWIT, erwähnte, Apple erhebe Alleinanspruch auf das Wort "Pod", kicherten viele im Publikum. Doch LaPorte, dem "Podcaster der Jahres", ist es ernst: "Dies kann zu einer Krise in der *cast-Gemeinde führen", schreibt er auf seinem Blog. Er selbst werde seine Shows fortan nur noch Netcasts nennen.

Und so ist auf den Blogs, in den Online-Chatrooms und unter den Techies an der Wall Street eine heftige Diskussion entbrannt: Wem, wenn überhaupt, gehören "Pod" und "Podcast"? Die Rechtslage ist unklar. Falls es Apple gelinge, sich die Namen schützen zu lassen, schreibt Gary Leland, Gründer der Podcast-Website "Podcast Pickle", wäre das "für Tausende Podcaster schrecklich". Andere meinen, es komme darauf an, wie lange solche Begriffe im gemeinen Sprachgebrauch zirkulieren. "Ich kann mir gut vorstellen", erklärte der Firmenanwalt Marc Moel, "dass das ganz bis zum Supreme Court hoch geht."

Der Software-Ingenieur Mark Chally aus Colorado jedenfalls versucht es einstweilen gütlich. Er appellierte an Apple-CEO Steve Jobs, "noch einmal zu überlegen". Schließlich habe doch auch dessen Unternehmen, wie Challys, einst in einer Garage begonnen.

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1. Das geht dann doch zuuuu weit
supersurfdog 02.10.2006
Apple war ja schon immer ein Vorreiter, nur mal an den iMac denken. Plötzlich war alles iDies und iDas. Dann wurde vom Bügeleisen bis zur Blumenvase alles transluszent. Dann kamen die weißen iBooks und iPods und alles wurde Weiß. Und *pod sowie pod* wörter wohin man blickt. Aber der normale User kann doch wohl unterscheiden was von Apple kommt und was nicht? Und ist es nicht kostenlose Reklame? Immer wenn ich Podcast lese denke ich automatisch auch an iPod. Gehts besser? Also Apple - ein bisschen mehr Gelassenheit! Das ist doch völlig daneben! Übriges bin ich ein Mac-Benutzer der ersten Stunde und habe auch 2 iPods.
2. Das war zu erwarten
DDT 02.10.2006
Diese Vorgehensweise der großen Hersteller ist ja nicht neu. Der rosa Riese hat ja auch jahrelang versucht, jedes T-Irgendwas zu schützen - mit und ohne Bindestrich. Ich hatte damals schon Sorge, die T-Träger aus dem Haus herausreißen zu müssen und keine T-Konten in der Buchhaltung mehr verwenden zu dürfen.
3.
Matthias C. Noch 02.10.2006
Dieses Problem triff ja nicht Apple allein, sondern auch Google (googlen) und andere Firmen deren Produkt so ein Erfolg wurde, dass der Markenname zu einem Begriff für eine ganz Güterart wurde. Die Übernahme eines Produktnamens in den allgemeinen und damit kreativen Sprachgebrauch ist eigentlich der größte Erfolg, den eine Werbekampagne haben kann, aber man verliert mit diesem Erfolg auch die Kontrolle über den "abgeleiteten Gebrauch". Dies ist ein Punkt, der vielen Branding-Managern mittlerweile sehr schwer auf dem Magen liegt, weil so auch eine Marke bzw. ein Produkt durch die rücksichtslose "Übernutzung" dieses Begriffs im Markt in Verruf kommen kann. Erinnert sich noch jemand an "Millenium"? Was für ein magisches Wort, welches selbst dem größten Schrott noch eine gewissen Glanz zu geben schien. Alles war "Millenium" bis irgendwann keiner mehr "Millenium" sein wollte, weil es nichts Besonderes mehr war. Nach der "Übernutzung" eines Modewortes kommt meist dessen "Bedeutungstod" und damit der „Wahrnehmungstod“. Wenn die Markenmanager da nicht gegensteuern droht ihren Marken auch so ein Wahrnehmungstod. In diesem Sinne kann ich die Reaktion von Apple & Co. gut verstehen, aber die Mittel sind manchmal etwas hart, wenn es statt schamlose Trittbrettfahrer ehrliche und nützliche Entwickler trifft, die nicht selten viel dazu beigetragen haben, dass das Umfeld geschaffen wurde, in welchem der iPod zu dem Erfolg werden konnte. Nur wo will man da die Grenze ziehen? Allerdings steht es besonders Apple eigentlich nicht gut an, hier den Moralapostel zu spielen, da ja bekanntlich Apple selber seinen Namen nach dem ursprünglichen Rechtsvertrag mit Apple-Records (die von den Beatles) nicht im Zusammenhang mit Musik führen durfte, es aber trotzdem getan hat. Hier zeigt sich mal wieder, dass das Gut „Sprache“ seinen juristischen Stand als Allgemeingut in einer modernen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft nicht nur reformwütige Politiker und Rechtschreibkommissionen verteidigen muss, sondern auch gegen Juristen und Marketing/Branding-Spezialisten, die den Sprachschatz gerne zum eigenen Vorteil plündern würden.
4.
Mort 02.10.2006
Wenn man mal drüber nachdenkt, ist das Markenrecht in seiner jetzigen Hauptverwendung ohnehin purer Schwachsinn. Wenn eine Firma ihre Marke richtig aufgebaut hat, weiß jeder, von wem sie ist, und wie man die "Originale" erkennt. Kein Mensch käme auf die Idee, einen "jPod" von "Pear" (erfunden, Ähnlichkeiten zu existierenden Produkten wären Zufall) mit dem iPod von Apple zu verwechseln. Im Gegenteil: Wortschöpfungen wie PodCast sind doch eher Werbung. Wobei ich gerade "PodCast" für einen absolut dämlichen Ausdruck halte - denn sie sind weder an iPods (noch andere "geklaute" Pods) gebunden, noch ist es eine Live-Übertragung, die "Cast" rechtfertigen würde. "Audio-Blog" wäre imho ein treffenderer und aussagekräftigerer Begriff... Man sollte imho das Markenrecht so einschränken, dass es nur eingesetzt werden darf, wenn wirklich eine Verwechslungsgefahr besteht - also z.B. einem MP3-Player namens "IP0D" mit einer angebissenen Orange als Logo. PodCasts sind jedenfalls keine Konkurrenz für iPods - schon eher Bereicherung und Kaufgrund... Außerdem sollten die Markenbesitzer mal überlegen, ob es Sinn und Zweck der Sache sein kann, dass sich kein Mensch mehr traut, den Produktnamen unverfälscht zu schreiben (heißt es bald "mein MP3-Player" statt "mein iPod", v.a. bei Kritik oder Zubehör?), und sich nebenher auch noch das Image zu versauen. Hätte ich jemals vorgehabt einen iPod zu kaufen, hätte sich das für mich jedenfalls erledigt.
5. In Zukunft nur noch Birnen?
was_ich_noch_sagen_wollte 02.10.2006
Nun, wenn Apple es nötig hat, sein image zu ramponieren, bitte schön. Gerade in einer Zeit, in der jeder an Apples sorgsam aufgebauter i***-Legende sägt. Wäre es bei derlei nur allzu dummen PR-Aktionen - vergleichbar mit dem Versuch der deutschen Telekom vor ein paar Jahren, sich die Farbe magenta schützen zu lassen - nicht opportun, das ganze Netcasts zu nennen, wie Leo Laporte es vorschlägt. Es ist doch einfach lächerlich, wie die große Industrie meint, den Sprachraum für sich vereinnahmen zu können und dem Bürger versucht, vorzuschreiben, wie die Dinge in Zukunft zu nennen seien. Wenn so etwas ein politisches System versucht, gerät es schnell in den Verdacht des Totalitarismus. Als Lösung schlage ich vor, wir sagen jetzt zum letzten Male pod, verkaufen das Ding bei ebay als MP3-Abspieler (sonst kriegen wir vielleicht irgendwann mit John Player's Zigaretten Ärger) und essen ab sofort nur noch Birnen.
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  • Montag, 02.10.2006 – 11:47 Uhr
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