Maßlose Managergehälter Wirtschaft wehrt sich gegen Merkels Kritik

Der Ton im Streit um zu hohe Managergehälter wird schärfer. Mit deutlichen Worten hat DIHK-Chef Braun auf die Kritik von Merkel reagiert. Die Botschaft an die Kanzlerin ist einfach: Die Löhne der Spitzenmanager gehen die Politik nichts an.


Frankfurt am Main - Er sagte es noch drastischer: "Die Politik sollte sich da raushalten", so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, der "Frankfurter Rundschau" zufolge. Pauschale Managerschelte sei ebenso verfehlt wie generelle Politikerschelte. "Letztlich müssen die Aufsichtsräte entscheiden, welche Gehälter die Unternehmen zahlen wollen, um die besten Manager für sich zu gewinnen", wird er zitiert.

DIHK-Chef Braun: "Aufsichtsräte müssen entscheiden"
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DIHK-Chef Braun: "Aufsichtsräte müssen entscheiden"

Ungewöhnlich heftig hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern auf dem CDU-Parteitag in Hannover zu hohe Managergehälter kritisiert. In ihrer Grundsatzrede vor den rund 1000 Delegierten sagte die CDU-Vorsitzende, gute Arbeit solle auch gut bezahlt werden. Sie fragte aber: "Warum soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat?"

Es untergrabe das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht des Landes, wenn ein Abschied vergoldet werde. "Liebe Aufsichtsräte, glauben Sie, Ihre Mitarbeiter lesen keine Zeitungen oder beherrschen die Grundrechenarten nicht?", fragte Merkel rhetorisch. Offenbar werde da nach dem Grundsatz verfahren, wenn ein amerikanischer Autoboss das Hundertfache seiner Arbeiter verdiene, müssten auch die deutschen Managergehälter entsprechend angehoben werden.

Bundespräsident Horst Köhler hatte zuletzt mit kritischen Äußerungen eine neue Diskussion über die Bezüge von Managern angestoßen. Das Staatsoberhaupt warb für eine "Kultur der Mäßigung" und appellierte an die Führungskräfte in den Unternehmen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen. Provoziert worden war die Debatte auch durch das Bekanntwerden des hohen Verdienstes von Porsche Chart zeigen-Chef Wendelin Wiedeking, der in diesem Jahr über 54 Millionen Euro einstreichen wird. Wiedeking selbst hatte erklärt, sein Gehalt werde so hoch ausfallen, dass dies die "Republik nicht verkraften" werde.

Vorbild Toyota

Dem hielt Merkel die Einkommen der Manager japanischer Automobilkonzerne, etwa Toyota Chart zeigen, entgegen. "Dort verdient der Chef nur ungefähr das Zwanzigfache eines Arbeiters", sagte die Kanzlerin. "Das ist in etwa das Doppelte eines deutschen Kanzlers - wenn er nicht gerade in der Schweiz Geschäfte für russisches Gas machen muss", fügte Merkel mit einem Seitenhieb auf den jetzigen Job ihres Vorgängers Gerhard Schröder (SPD) hinzu.

Erfolgreiche Produktion gebe es nur an erfolgreichen Standorten, und die gebe es nur, wenn es gerecht und verantwortungsbewusst zugehe. Die Kanzlerin räumte aber ein, dieser Bereich sei gesetzlich kaum zu regeln. Nötig sei jedoch eine unvoreingenommene und sensible Diskussion darüber. "Soziale Marktwirtschaft bedingt, dass die Menschen zusammengehören. Wenn uns das nicht mehr gelingt, fliegt uns der ganze Laden auseinander", fuhr Merkel fort.

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sprach sich dafür aus, dass Abfindungen nicht weiterhin als Betriebsausgaben steuermindernd geltend gemacht werden können. Eine solche Änderung der Steuergesetze solle erfolgen, wenn Unternehmen selbst nicht in der Lage seien, überhöhten Abfindungen einen Riegel vorzuschieben, sagte Müller der "Saarbrücker Zeitung". Die Unternehmen seien aber zunächst selbst gefordert. bei Großunternehmen gebe es nicht hinnehmbare Tatbestände.

sam/AP/ddp/AFP



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