Medikamenten-Experiment Nigeria verklagt Pfizer auf zwei Milliarden Schadenersatz

Wegen des illegalen Tests eines Antibiotikums in Nigeria läuft bereits seit 2001 in New York ein Gerichtsverfahren gegen Pfizer. Den Behörden in Nigeria dauert das Ganze inzwischen zu lange. Sie verklagten den US-Pharmakonzern jetzt im eigenen Land - auf zwei Milliarden Dollar.


Kano - Die Verwaltung der Provinz Kano wirft dem Unternehmen vor, vor mehr als zehn Jahren illegal ein Antibiotikum an Kindern erprobt zu haben. In den Gerichtsdokumenten hieß es, einige Kinder seien gestorben, andere hätten Behinderungen zurückbehalten. In der Zivilklage erklärten die Anwälte der Provinz, Pfizer habe das experimentelle Antibiotikum Trovan während einer Meningitis-Epidemie 1996 illegal getestet.Auch die Staatsanwaltschaft bereitet eine Klage gegen Pfizer Chart zeigen vor.

Der Vorwurf ist im Prinzip der gleiche wie in einem New Yorker Gerichtsverfahren, das seit 2001 anhängig ist. In der Klageschrift hieß es den damaligen Bericht der "New York Times" zufolge, dass Pfizer-Mitarbeiter kurz nach dem Ausbruch der Meningitis-Epidemie nach Nigeria gereist seien um dort Kinder für die Behandlung mit dem bisher ungetesteten Antibiotikum auszusuchen.

Zu diesem Zeitpunkt sei bereits bekannt gewesen, dass das Medikament lebensbedrohliche Nebenwirkungen habe. Der Konzern habe bewusst die Notlage von Familien und Kindern ausgenutzt. "Pfizer nutzte die Möglichkeit, die sich durch die Krise in Nigeria ergab, um etwas zu erreichen, was sonst nirgendwo möglich ist - nämlich schnell und unkompliziert ein möglicherweise gefährliches Medikament an Kindern zu testen", heißt es in der Klage weiter.

Das Antibiotikum kam 1998 auf den US-Markt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnte jedoch schon bald vor Nebenwirkungen wie Leberschäden und empfahl, Trovan nur bei äußerst schweren Erkrankungen einzunehmen. Die Verschreibung an Kinder wurde zu keinem Zeitpunkt zugelassen, schrieb damals die "New York Times".

Das jetzt angestrengte Verfahren will Pfizer bis zum Ende durchfechten. Ein Sprecher wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die Anschuldigungen seien damals falsch gewesen und seien es heute noch. Die Studie sei verantwortungsvoll und ethisch einwandfrei ausgeführt worden.

mik/AP



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