Medizinerstreik Tausende Ärzte gehen auf die Straße

Im Streit um höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen erhöhen die Klinikärzte den Druck auf die Arbeitgeber. In den Krankenhäusern liegen angesichts des wochenlangen Ausstandes unterdessen die Nerven blank.


Köln/Berlin - Bei den bisher größten Protestaktionen im Tarifstreit der Uniklinik-Ärzte haben bundesweit 12.000 Mediziner für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. 6000 Ärzte aus ganz Deutschland gingen heute allein in Köln bei der zentralen Kundgebung auf die Straße. "Das ist ein neuer Rekord. Das ist ein unmissverständliches Zeichen an die Tarifgemeinschaft deutscher Länder", sagte der Sprecher der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Athanasios Drougias.

Ärzte-Demo in Köln: "Unmissverständliches Zeichen"
AP

Ärzte-Demo in Köln: "Unmissverständliches Zeichen"

Die Uniklinik-Ärzte streiken seit dem 16. März. Sie kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent mehr Einkommen. Insgesamt gab es in 26 Orten Demonstrationen. In Köln zogen die Mediziner in weißen Kitteln und mit Trillerpfeifen durch die Innenstadt. Auf Plakaten forderten sie: "Anerkennung von Forschung und Lehre als Teil der Arbeitszeit" oder "Für international konkurrenzfähige Gehälter und gute Arbeitsbedingungen." Vor dem Start des Protestes sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery: "Wir sind von der ganz großen Mehrheit der Ärzte getragen. Die Arroganz des Nichtverhandelns halten die Arbeitgeber nicht mehr lange durch."

"Patienten erleiden Schäden"

Die angesprochenen Arbeitgeber reagieren zusehends dünnhäutig angesichts des wochenlangen Ausstands. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat mit scharfer Kritik auf die anhaltenden Ärztestreiks reagiert. "Die Fortsetzung der Streikaktionen des Marburger Bundes ist in jeder Hinsicht unverantwortlich. Zunehmend mehr Patienten erleiden physische und psychische Schäden durch den Ausstand", sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Am Nachmittag treffen sich in Köln die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) und der Marburger Bund zu ihrer dritten Verhandlungsrunde. Dabei geht es um die Tarifgespräche für die laut Ärztegewerkschaft 70.000 Mediziner an bundesweit 700 kommunalen Krankenhäusern. Die Sondierungsgespräche zwischen dem Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für die Hochschulmediziner waren bereits im vergangenen Monat ergebnislos abgebrochen worden.

Ärzte bieten schnelle Einigung an

Der Marburger Bund ist zuversichtlich, dass kurzfristig ein Kompromiss gefunden werden kann. Die Ärzte seien bereit, den Arbeitgebern bei der Arbeitszeit "ein Stück entgegenzukommen", sagte der zweite Vorsitzende der Ärzteorganisation, Rudolf Henke, heute im ZDF-"Morgenmagazin". Wenn die Länder und Kommunen in dem Tarifstreit die Vergütung der Ärzte mit einbezögen, dann sei relativ schnell eine Einigung möglich, betonte er.

Henke sagte, die Forderung von 30 Prozent mehr Gehalt für die Ärzte klinge zwar viel, sei aber im Vergleich zu den Ländern um Deutschland herum normal. "Ohne ein deutliches Plus bei den Gehältern werde die Abwanderung der Ärzte nicht zu stoppen sein", sagte er. Bislang seien bereits 12.500 Fachärzte ins Ausland abgewandert.

suc/ddp/dpa



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