Mega-Einkaufszentrum "Mall of America" Gigantisch ist nicht groß genug

520 Geschäfte, 50 Restaurants: Die "Mall of America", das größte Einkaufszentrum der USA, lockt mehr Besucher als Disney-Land und Grand Canyon zusammen. Hier kann man die Psyche eines Landes studieren, für das Shopping Manie, Wissenschaft und Mittel der Eheanbahnung ist.


Minneapolis - Die Frisbys sind tausend Kilometer im Wagen durch den Mittleren Westen gefahren, um ein verlängertes Wochenende im Mekka des Kommerzes zu verbringen. In der "Mall of America" im Bundesstaat Minnesota, dem größten überdachten Einkaufszentrum der USA, frönt Christine Frisby aus Illinois ihrer Kauflust, während ihr Mann und die beiden kleinen Kinder sich auf den Achterbahnen in dem zu der Anlage gehörenden Freizeitpark vergnügen: "So sind wir alle glücklich", freut Christine sich.

Die Mega-Mall verdankt ihren Erfolg der perfekten Kombination von Shopping- und Spaßangeboten. Und sie profitiert von der amerikanischen Konsumbegeisterung, die auch in schwierigeren Zeiten wie diesen des "Krieges gegen den Terror" noch keinen nachhaltigen Dämpfer erlitten hat.

Seit seiner Eröffnung vor 14 Jahren hat sich das in Bloomington, einem Vorort von Minneapolis, gelegene Einkaufszentrum zu einer der größten Touristenattraktionen des Landes entwickelt. Mit seinen 390.000 Quadratmetern ist es zwar nicht die flächenmäßig größte Mall der Welt, aber die wohl bestbesuchte.

Die mehr als 520 Geschäfte, 50 Restaurants und 14 Kinoleinwände, der riesige Indoor-Erlebnispark im Zentrum der Anlage sowie ein begehbares Aquarium mit Haien und Sägefischen und viele andere Attraktionen wie Popkonzerte und Autorenlesungen locken jährlich mehr als 40 Millionen Besucher an. "Das ist mehr als Disneyworld, Graceland - das einstige Anwesen von Elvis Presley - und der Grand Canyon zusammen", verkündet stolz der Sprecher der Center-Verwaltung, Dan Jasper.

Uni im Shopping-Paradies

Dieser Erfolg ist umso erstaunlicher, als der Konsumtempel in der tiefen Provinz und fernab anderer großer Reiseziele liegt. Doch der Erfolg beruht auf einem schlichten Konzept: "Es soll Spaß machen, Geld auszugeben", formuliert es Jasper. Neben den Familien sind es häufig Frauengruppen, die von weit her zur Mall anreisen, wie Dave Anderson, Manager im benachbarten Ramada-Hotel, zu berichten weiß. Und auch Firmen spendieren ihren Beschäftigten zur Belohnung gern einen Trip in das Shopping-Paradies. Durch diesen Andrang hat sich die "Mall of America" zu einem Wachstumsmotor für die regionale Wirtschaft entwickelt, in die sie jährlich 1,8 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) pumpt.

Häufig wird die "Mall of America" auch als eine "Stadt innerhalb der Stadt" beschrieben. In dieser vierstöckigen Gemeinde unter Stahl und Glas gibt es eine Polizeiwache, eine Kita, eine Universität - und sogar eine Hochzeitskapelle, in der jährlich etwa 400 Paare getraut werden. "Viele von ihnen haben sich hier in der Mall kennengelernt", sagt Felicia Glass Wilcox, Besitzerin der "Kapelle der Liebe" und der angeschlossenen Boutique, in der sich vom Brautkleid bis zu den Blumen praktischerweise gleich die Ausstattung für den Anlass kaufen lässt.

Wohnen im Einkaufszentrum

Und diese Verbindung von Konsum- und Lebensglück will das Hyper-Einkaufszentrum noch ausweiten. Für den Sommer planen die Eigentümer - darunter die kanadische Triple-Five-Gruppe, die in Deutschland gerade durch ihren Aufkauf des Bremer Space Park bekannt wurde - den Spatenstich für einen Erweiterungsbau, mit dem die Anlage um das Anderthalbfache wachsen soll. Dann soll es in der Mall auch eine Konzerthalle, Arzt- und Anwaltspraxen und sogar Wohnungen gegeben.

Beflügelt werden diese Pläne durch die traditionelle Kauflust eines Volkes, die selbst Krisen wie nach dem 11. September 2001 nicht haben dämpfen können. Zwar ließ die Binnennachfrage zuletzt etwas nach - doch an einen neuen Trend glauben die Center-Betreiber nicht. Dafür sei das Shopping zu sehr in der amerikanischen Mentalität verwurzelt. "Wir lieben es, uns sofort zu belohnen", erläutert Jasper den Grund dafür, warum in den USA vergleichsweise wenig auf die hohe Kante gelegt wird. In seinem Einkaufszentrum lassen sich tausende Beispiele dafür finden: Sie habe gerade 500 Dollar für Klamotten und Schmuck ausgegeben, lacht etwa die 23-jährige Patricia Flowers. Und dies tue sie alle zwei Wochen. Einkaufen sei nun mal "eine Gewohnheit", fügt sie fröhlich hinzu.

Daniel Jahn, AFP



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