Megayachten: Luxusinsel mit 17,5 Knoten

Von Mirjam Hecking

Für Yachtliebhaber sind sie so etwas wie der Maybach für Autofans: Mit ihrem puristischen Design haben es die Mega-Cruiser der Marke Wally in wenigen Jahren an die Spitze des Luxussegments geschafft. Nun hat sich Gründer Luca Bassani einen neuen Coup ausgedacht.

Hamburg - Das Geschäft mit Megayachten boomt. Immer länger und immer teurer ist das Motto auf dem Markt, auf dem die deutschen Werften schon seit einigen Jahren ganz weit oben mitspielen. Beim Design und bei der Ausstattung können es die schwimmenden Luxustempel mittlerweile meist locker mit jedem Fünf-Sterne-Hotel aufnehmen.

Einer der Vorreiter in Sachen Design ist bis heute der monegassische Yachtbauer Wally, der Anfang der neunziger Jahre mit seinen sportlichen Yachten im ultrapuristischen Design den Markt aufwirbelte. Weil er auf der Suche nach einer geeigneten Familienyacht nicht fündig geworden war, hatte der Sportsegler und Spross einer lombardischen Unternehmerfamilie, Luca Bassani, Ende der achtziger Jahre kurzerhand beschlossen, sich selbst eine zu bauen. Sein Ziel: Den Luxus eines großen Cruisers mit der Spritzigkeit eines Sportmodells zu verbinden - das Ganze in möglichst schnörkellosem Design.

Von da ab geht alles ganz schnell: Beflügelt vom Erfolg seines ersten Modells "Wallygator" gründet Bassani 1993 die Firma Wally und mischt mit seinen Modellen das Luxussegment auf. Typisch für die Wally-Yachten ist neben edelsten Materialien und minimalistischem Design das sogenannte Flush-Deck, bei dem dank per Knopfdruck versenkbarer Aufbauten unnötige Stolperfallen bewusst vermieden werden. Für das edle Ambiente an Bord sorgen renommierte Innenarchitekten.

Um den Besitzern ein Höchstmaß an Privatsphäre zu bieten, sind die Boote so ausgerichtet, dass sie mit einer möglichst kleinen Mannschaft zu beherrschen sind. Bei den Reichen und Schönen hat sich die Marke längst einen Namen gemacht. So soll der frühere Gucci-Chef Domenico de Sole Wally-Fan sein, ebenso wie Lindsay Owen-Jones von L'Oréal.

Schwimmende Luxusvilla mit eigenem Garten

Mit seinem neuen Boot, der "Wally Island", wagt sich Bassani nun in völlig neue Gefilde vor: Die 99 Meter lange schwimmende Insel bietet mit ihrem 1000 Quadratmeter großen Deck Platz für einen eigenen Garten mit Swimmingpool, einen Tennisplatz oder einen Hubschrauberlandeplatz. In den Aufbauten, die sich über fünf Etagen erstrecken und an einen Flughafentower erinnern, können in zwölf Suiten bis zu 24 Gäste untergebracht werden - Kino, Spa, Bibliothek und Fitnessraum nicht eingerechnet. Ob die schwimmende Luxusvilla je gebaut werden wird, ist allerdings noch unklar. Bislang existiert sie nur auf dem Reißbrett. Angeblich soll es aber schon mehrere Interessenten geben.

Auch andere Hersteller profitieren derzeit von dem boomenden Markt mit den Megayachten. So lässt der russische Mililardär Roman Abramowitsch derzeit in Hamburg bei Blohm + Voss für geschätzte 200 Millionen Euro ein neues Luxusschiff bauen. Mit einer Länge von 155 Metern soll seine "Eclipse", die neben einem Hubschrauberlandeplatz auch über ein Außenschwimmbecken verfügt, am bisherigen Längen-Spitzenreiter, der 147 Meter langen "Prince Abdul Aziz" des saudi-arabischen Königs Fahd vorbeiziehen. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Quasi zeitgleich zu Abramowitsch lässt der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed Ibn Raschid Al Maktum, an einem Luxusgefährt bauen, das mit angeblich 163 Metern Länge Abramowitschs Wasserspielzeug glatt ausstechen würde.

Auch bei den Yachtbauern Nobiskrug in Rendsburg, HDW in Kiel oder bei Lürssen in Bremen, die Luxusgefährte unter anderem für Oracle-Chef Larry Ellison und Microsoft-Gründer Paul Allen bauten, sind die Auftragsbücher voll. Dabei bleiben bei den Kunden keine Wünsche offen: So verfügt beispielsweise Allens Yacht "Octopus", die bei Lürssen gebaut wurde, über sieben Decks, zwei Hubschrauberlandeplätze, einen Konzertsaal, ein Tonstudio sowie eine Andockvorrichtung für das bordeigene U-Boot.

Immer länger, immer teurer

Insgesamt werden die Boote immer länger und damit auch teurer. "Was heute eine 60-Meter-Yacht ist, war vor zehn Jahren noch eine 40-Meter-Yacht", sagt Lürssen-Sprecherin Sylke auf dem Graben. Preise in zwei- oder auch dreistelliger Millionenhöhe sind keine Seltenheit.

Auch der Kundenkreis für Megayachten hat sich in den letzten Jahren deutlich vergrößert. Waren es früher vor allem reiche US-Amerikaner, die Spaß an schwimmenden Luxustempeln hatten, sind nun die Russen als Kunden dazugestoßen, wie Claus-Ehlert Meyer vom Deutschen Boots- und Schiffbauerverband e.V. (DBSV) in Hamburg erklärt. "Gerade aus Russland gibt es momentan ziemlich viele Bestellungen", sagt Lürssen-Sprecherin auf dem Graben.

Einen ganz dicken Brocken der "zig Milliarden, die eine kleine Gruppe von Menschen da aufs Wasser stellt", wie Meyer es formuliert, geht an deutsche Werften. Sie sind nach den Worten des DBSV-Geschäftsführers bei den größeren Exemplaren mit einer Länge von mehr als 80 Metern ganz klar führend. "Die Deutschen liefern Qualität und Design", sagt er. "Es werden weltweit nirgends so viele große Yachten gebaut wie hier."

Wartezeit von mehreren Jahren

Allerdings bringt die gute Auftragslage auch so ihre Probleme mit sich. So gibt es bei Yachten mit einer Länge von mehr als 60 Metern mittlerweile enorme Wartezeiten. "Mit einem Baubeginn vor 2011/2012 dürfen sie da nicht rechnen", sagt Meyer. Die Bauplatzknappheit treibt absurde Blüten: "Teilweise sind die Yachten schon wieder verkauft, bevor sie überhaupt fertig sind", berichtet Meyer. "Und manche Kunden buchen Bauplätze, obwohl sie noch gar nicht wissen, was sie wollen."

Ein Ende des Booms ist nach Ansicht von Meyer derzeit nicht in Sicht. "Man fragt sich zwar: Wie viel Geld soll denn noch ausgegeben werden", sagt er. Aber die Orderbücher sind voll. "Zehn Jahre wird das Ganze noch anhalten", ist er überzeugt.

Beim Bau der schwimmenden Luxustempel spielt Diskretion eine enorme Rolle. In der Regel müssen die Yachtbauer eine Verschwiegenheitserklärung abgeben, damit nichts im Vorfeld über die im Bau befindlichen Schmuckstücke an die Öffentlichkeit dringt.

Wird doch etwas bekannt, drohen saftige Strafen. So verklagte Tiger Woods beispielsweise die kanadische Werft Christensen, weil sie sich in ihrer Werbung damit gerühmt hatte, für den Golfstar eine 20 Millionen teure Yacht gebaut zu haben. Das kam sie teuer zu stehen: Die Schiffsbauer mussten 1,6 Millionen für den Fehltritt bezahlen.

Spätestens beim Stapellauf ist es mit der Geheimniskrämerei dann allerdings vorbei: "Kaum hat das Schiff die Werft verlassen, gibt es die ersten Fotos", berichtet die Lürssen-Sprecherin von ihren Erfahrungen. Und schippert die Yacht erst einmal auf den Weltmeeren herum, ist ihr die Aufmerksamkeit gewiss. Im Internet verfolgt eine wachsende Fangemeinde die Bewegungen der Luxusgefährte, wenn sie vor den Hotspots der Schönen und Reichen haltmachen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
"Wally Island": Oase für Superreiche
Fotostrecke
Die größten Luxusyachten: Schicker, teurer, länger