Regierungsterminal für BER Staatsgäste im Container

Weil es beim Bau des neuen Berliner Flughafens hakt, geht es auch beim geplanten Regierungsterminal nicht weiter. Airport-Chef Mehdorn sucht nun ein Provisorium für die Staatsgäste - und verärgert Merkel und ihre Minister.

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Berlin - Der trutzige Nachkriegsbau am Rande des Hauptstadtflughafens BER ist ein historischer Ort. Im "Generalshotel" nahmen die DDR-Oberen seit 1961 ausländische Politiker und Revolutionsführer nach der Landung in Schönefeld in Empfang. Unter güldenen Kandelabern und in samtenen Fauteuils stimmten sich SED-Funktionäre auf ihren Flug zum großen Bruder nach Moskau ein. Der Protokoll-Terminal des DDR-Flughafens Schönefeld war ein repräsentativer und diskreter Ort - abgeschirmt vom Volk der Werktätigen.

Nach dem Mauerfall verlor auch das Generalshotel seine Funktion. Erst stand es leer, dann zog die Bundespolizei ein. Doch womöglich könnte das etwas angestaubte Repräsentationsgebäude jetzt wieder zu protokollarischen Ehren kommen.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn will dort demnächst Kanzlerin Angela Merkel abfertigen sowie ihre Minister und die Staatsgäste der Bundesrepublik - zumindest übergangsweise. Zwischenzeitlich waren auch schon Container als Lounge für die VIP-Passagiere im Gespräch - oder ein provisorischer Terminal in Zeltbauweise.

Wohin nur mit der Bundesregierung, wenn sie auf Reisen geht? Diese Frage stellt sich für die Flughafengesellschaft in höchster Dringlichkeit. Denn am künftigen Großflughafen BER fehlt bislang ein angemessener Platz für die Regierenden: Der neue Terminal ist nur fürs normale Volk vorgesehen. Schräg gegenüber, auf der anderen Seite der nördlichen Start- und Landebahn (siehe Grafik), soll ein neuer, moderner Regierungsterminal entstehen; aber der existiert bis heute nur als Computersimulation. Gleich daneben könnten Merkel und ihre Kollegen vorübergehend in den alten Flughafen Schönefeld ziehen. Das Gebäude stünde nach der Eröffnung des BER-Terminals eigentlich leer. Bislang war es als Ausweichquartier fest eingeplant.

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Doch jetzt will Mehdorn den derzeit vor allem von Easyjet genutzten Alt-Flughafen auch künftig lieber für Billig-Airlines offenhalten. So sieht es sein "Double-Roof"-Konzept vor. Deshalb sollen die Staatspassagiere weichen. So fiel sein Blick auf das Generalshotel gleich nebenan. Dieses schlage er als "Standortalternative für den Regierungsflughafenterminal" vor, heißt es in einer Vorlage für den Projektausschuss des Flughafen-Aufsichtsrats.

Die Bundesregierung ist nicht begeistert. Mehdorns Flughafengesellschaft habe in Sachen Schönefeld "Versuche unternommen, die geschlossenen Verträge mit dem Bund infrage zu stellen", heißt es in einem Schreiben von Bauministerin Barbara Hendricks (SPD): "Die Bundesregierung hat der Flughafengesellschaft sehr deutlich gemacht, dass eine Verdrängung aus dem zukünftigen Flughafen und dem zugesagten Baufeld nicht akzeptiert werden wird."

Kein direkter Anschluss ans Rollfeld

Am Donnerstag tagte der Projektausschuss des Flughafen-Aufsichtsrates. Mehr als eine Stunde lang diskutierte das Gremium mitunter recht hitzig Mehdorns Pläne. Noch im März hatte zum Beispiel Rainer Bomba, Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft und Verkehrsstaatssekretär, das "Double-Roof"-Konzept als "Lösung mit Charme" gepriesen. Inzwischen hat sich in der Regierung offenbar herumgesprochen, was dies für die eigenen Reisepläne bedeuten würde: Die Regierenden, so heißt es aus der Runde, lehnten Mehdorns Pläne am Donnerstag einmütig ab.

Der Bund stört sich nicht nur an der DDR-Vergangenheit des Generalshotels, wo einst SED-Chef Erich Honecker und Sowjet-Führer Leonid Breschnew sozialistische Bruderküsse austauschten. Das wuchtige Gebäude mit Marmor-Foyer hat außerdem keinen direkten Anschluss ans Rollfeld; Merkel und ihre Gäste müssten womöglich mit einem Zubringerbus zum Flieger gefahren werden.

Zudem sollte das Generalshotel eigentlich abgerissen werden, um auf dieser Fläche einen Parkplatz für die Regierungsmaschinen zu schaffen - wenn nebenan dereinst das moderne Empfangsgebäude für Staatsreisende steht.

Doch das kann dauern. Aufträge in Höhe von 50 Millionen Euro wurden zwar erteilt, trotzdem musste der Baubeginn schon zweimal verschoben werden. Einen neuen Termin gibt es bis heute nicht. Dafür haben sich die veranschlagten Kosten inzwischen mehr als verdoppelt, von 125 Millionen auf über 300 Millionen Euro.

Die Bauprobleme am BER hätten "massive Auswirkungen auch auf die Planungen und die Baustelle für das Empfangsgebäude des Bundes und den künftigen militärischen Bereich", heißt es im Schreiben von Bauministerin Hendricks.

Sollte der Airport tatsächlich 2016, wie von Mehdorn angepeilt, eröffnet werden, wird es für die Bundesregierung eng. Spätestens Mitte 2017 dürften auch keine Regierungsflieger mehr in Tegel starten.

Am BER wartet dann höchstens ein Provisorium. "Weil Mehdorn den Schönefelder Terminal für Billigflieger braucht, begrüßen wir dann Präsidenten und Regierungschefs im Zelt oder im Container", sagt ein hoher Ministerialer und lacht: "Für Staatsgäste dürfte das eine unvergessliche Erfahrung werden."

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Seite 1
bin verwirrt 24.08.2014
1.
"Der Bund stört sich nicht nur an der DDR-Vergangenheit des Generalshotels, wo einst SED-Chef Erich Honecker und Sowjet-Führer Leonid Breschnew sozialistische Bruderküsse austauschten." Klar, die böse DDR-Vergangenheit. Aber ist das nicht schon Fr. Merkel in personifizierter Form so als ehem. AgitProp Sekretärin der FDJ? Und wie siehts denn mit anderen Ministeriumsgebäuden aus? Bendlerblock...was hat der nochmal für eine Vergangenheit? Oder das Finanzministerium. Viele Gebäude haben ihre Geschichte und werden trotzdem genutzt. Soll die Regierung doch glasklar sagen, dass die Ablehnung nichts mit der DDR-Vergangenheit zu tun hat, sondern der Bau nicht nobel und teuer genug ist.
rudi.waurich 24.08.2014
2. Gab's
eigentlich schon einen Bericht im Spiegel, daß der Planer aller Planer, Herr Mehdorn, den TÜV als 'Abnehmer' aller technischen Anlagen rausgeworfen hat, und die Abnahme europaweit neu ausgeschrieben wird? Laut unserem Lokalblatt wird dem TÜV 'mangelnde Flexibilität' vorgeworfen, da er kürzlich ein Notstom - Aggregat als nicht zulässig gekennzeichnet hat. Nachzulesen z.B. hier:http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/berliner-flughafen-ber-mehdorn-wirft-den-tuev-raus-1.2094544
danyffm 24.08.2014
3. Warum eigentlich nicht?
Unsere Bundesregierung, immerhin die Repräsentanten des Volkes, zeigen ihren Prunk erst in den Ministerien, Tagungsorten oder sonst wo. Wenigstens am BER Bescheidenheit bzw. Gleichheit mit der Bevölkerung demonstriert werden. Auch Fluggäste werden mit Fahrzeugen zu den Fliegern gebraucht. Außerdem kann die BR viel Geld sparen, die an anderer Stelle des BER bereits verpulvert wurde.
hermannheester 24.08.2014
4. Die Antike bekommt Konkurrenz?
Die vielleicht größte und langsam auch älteste (Bau-)Ruine bekommt Besuch. Und ähnlich wie bei den Originalen ausserhalb Deutschlands trifft man sich nicht "in diesen h-eilgen Hallen" sondern stilgerecht im Container. Sicherheitsbedürfnisse sind eben doch nicht so leicht zu befriedigen, wenn es um ein Objekt geht, mit dem sich ein Eberhard Diepgen ein bleibendes Denkmal und ein Wowereit eine Lebensaufgabe schaffen wollte.
Bakturs 24.08.2014
5. Managerwissen
Zu einen der wichtigsten Fähigkeiten eines Managers gehört m. E. dazu zu merken, wenn das Pferd tot ist. Aber nein. Da werden Projekte gemacht, das Pferd noch mehr getreten und Schuldige gesucht. Alles auf Kosten der Steuerzahler. Die einzigen die daran verdienen ist Hr. Mehdorn und Beraterunternehmen. Schlussstrich unter die peinliche Aufführung. Der Vorhang muss endlich fallen.
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