Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mehr als 20 Tote: Selbstmordserie erschüttert France Télécom

Rätselhafte Serie von Selbstmorden beim französischen Telekommunikationskonzern France Télécom: In den vergangenen 18 Monaten nahmen sich 23 Angestellte das Leben. Gewerkschafter behaupten, die Arbeitsbedingungen seien daran Schuld, der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

Paris - Zuletzt stürzte sich am vergangenen Freitag eine 32-Jährige während der Arbeit aus dem Fenster. "Ich bin tief getroffen, das ist schrecklich", sagte Personalchef Olivier Barberot der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche". Er habe noch am Samstag alle Betriebsärzte angeschrieben und sie um Mithilfe geben. Soweit es die Schweigepflicht erlaubt, sollten die Mediziner künftig psychisch labile Mitarbeiter melden. In den vergangenen 18 Monaten nahmen sich nach Gewerkschaftsangaben 23 Beschäftigte das Leben.

Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass ein Teil der Selbstmorde direkt auf die Arbeitsbedingungen und den Konzernumbau bei France Télécom zurückzuführen ist. In den vergangenen Jahren wurden 22.000 Stellen abgebaut und 7000 Mitarbeiter versetzt. Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein Techniker für Aufregung gesorgt: Er rammte sich vor seinen Kollegen ein Messer in den Unterleib, weil er einen anderen Posten übernehmen sollte. Die Verletzungen waren jedoch nicht tödlich.

Nach diesem Fall hatte France Télécom bereits angekündigt, Personalveränderungen bis zum 31. Oktober auszusetzen. Zudem soll es unter anderem Gespräche über Stress bei der Arbeit geben.

Die Angestellte, die sich am Freitag das Leben nahm, sollte einen neuen Chef bekommen. Sie habe aber auch persönliche Probleme gehabt, sagte Barberot.

Bereits nach den ersten vier Selbstmorden hatte die Gewerkschaft Sud-PTT Alarm geschlagen. Ein Mann hatte einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er schrieb, wie sehr ihn die neuen Arbeitszeiten und die Versetzung in einen Vorort von Straßburg belasten. Ein anderer Mitarbeiter aus Südfrankreich soll sich umgebracht haben, weil er nur schlecht mit der neuen Technik am Arbeitsplatz zurechtgekommen sei, sagte die Gewerkschaft FT-Est. Hinzu kamen den Arbeitnehmervertretern zufolge zwei weitere Selbstmorde bei France Télécom Chart zeigen in anderen Teilen Frankreichs.

Arbeitnehmervertreter in Frankreich nennen immer wieder Stress im Job als Grund dafür, dass sich Mitarbeiter von großen Unternehmen das Leben nehmen. In den vergangen Jahren brachten sich ein Dutzend Angestellte bei französischen Autobauern, beim Energie-Konzern EDF, beim Atomriesen Areva und der Post um. Sogar Staatschef Nicolas Sarkozy äußerte sich zu den Selbstmorden - er sei sehr betroffen über die "traurige Reihung", sagte er damals.

jjc/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: