Mehr Lohn, weniger Arbeit Chavez bricht mit IWF und verspricht Sechs-Stunden-Tag

Rechtzeitig zum 1. Mai wettert Venezuelas Staatschef Chavez gegen die Macht des internationalen Kapitals. Sein Land wolle den Währungsfonds und die Weltbank verlassen. Außerdem soll der Mindestlohn im Land stark steigen - bei kürzerer Arbeitszeit.


Caracas - "Wir wollen da nicht dabei sein", sagte der linksgerichtete Staatschef mit Blick auf den Währungsfonds und die Weltbank. Der angekündigte Austritt ist allerdings weitgehend symbolisch - Venezuela hat seine Schulden bei beiden Institutionen bereits getilgt und ist nicht mehr auf weitere Darlehen angewiesen.

Chavez vor Anhängern (Archivbild): 20 Prozent mehr Mindestlohn
DPA

Chavez vor Anhängern (Archivbild): 20 Prozent mehr Mindestlohn

Sein Land müsse nicht länger nach Washington gehen, "weder zum IWF noch zur Weltbank, zu niemandem", sagte Chavez bei einer Kundgebung. Er wolle den Rückzug noch am Abend offiziell machen und die beiden Institutionen auffordern, "uns zurückzugeben, was sie uns schulden". Er warf den Organisationen vor, mit falschen Maßnahmen Armut verschuldet zu haben. Chavez schwebt stattdessen die Gründung einer neuen Kreditbank vor, die von Nationen in der Region geleitet wird.

Chavez verkündete zugleich anlässlich des 1. Mais eine Anhebung des Mindestlohns um 20 Prozent. Außerdem strebe er bis 2010 eine Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von aktuell acht Stunden auf sechs Stunden an, sagte Chavez vor jubelnden Anhängern.

Der linksgerichtete Präsident ist ein scharfer Kritiker der USA und internationaler Finanzinstitutionen. Eine der Haupteinnahmequellen des Landes sind seine großen Ölvorkommen.

Am 1. Mai will er wichtige Anlagen internationaler Ölkonzerne wie Chevron, BP, Conoco und Statoil im der Orinoco-Region unter staatliche Kontrolle bringen. Nach früheren Angaben will Venezuela einen Anteil von mindestens 60 Prozent an den Förderstätten übernehmen. Ihr Wert wird auf 30 Milliarden Dollar geschätzt.

itz/Reuters/AP



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