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Mehr Markt: Uno will die Welt um Billionen reicher machen

Angesichts grassierender Globalpobleme wie Armut, Kriege und Umweltzerstörung sucht die Uno verzweifelt nach Lösungen. Das Entwicklungshilfswerk der Staatenorganisation schlägt jetzt ein neues Finanzsystem vor, um die Krisenherde zu beseitigen.

Hamburg - Mit dem jüngst veröffentlichten Buch "Die neuen öffentlichen Finanzen - Antworten auf die globalen Herausforderungen" will das Uno-Entwicklungshilfswerk United Nations Development Programm (UNDP) Lösungen für die größten weltweiten Probleme aufzeigen. "Internationale Kooperation läuft heute noch so wie in den fünfziger Jahren. Die Möglichkeiten der modernen Finanzmärkte werden bei weitem nicht ausgenutzt", sagte die Herausgeberin und UNDP-Direktorin Inge Kaul im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Hungersnot (im Juli im Niger): Innovative Finanzinstrumente und Marktwirtschaft sollen neuen Wohlstand schaffen
REUTERS

Hungersnot (im Juli im Niger): Innovative Finanzinstrumente und Marktwirtschaft sollen neuen Wohlstand schaffen

Die bisherigen Strategien sind demnach nicht effizient und zu teuer. Die Uno-Organisation schlägt mehrere Instrumente vor, um globale Krisen mit Hilfe der Marktwirtschaft und moderner Finanztechniken zu lösen. Laut Kaul läge der Wohlstandsgewinn für die Welt im Idealfall bei jährlich bis zu sieben Billionen Dollar. "Die Summe kommt zu Stande durch Einsparungen und Zuwächse beim Wohlstand", erklärt Kaul.

Beispiel Treibhauseffekt: Das UNDP will die CO2-Belastung der Atmosphäre durch einen weltweiten Emissionshandel reduzieren. Auf diese Weise könnten extreme Klimaschwankungen ausgeglichen werden. "Die Folgen von häufigen Hurrikan- und Flutkatastrophen werden auf Dauer zu teuer", sagt Kaul. Den globalen Gewinn aus einem weltweiten CO2-Handelssystems beziffert sie auf bis zu 3,6 Billionen Dollar.

Lob vom Nobelpreisträger

Ein weiterer Punkt im UNDP-Plan sieht vor, dass Entwicklungsländer von besseren Impfstoffen gegen Seuchen wie Malaria oder HIV profitieren. Dadurch könnte die Sterblichkeitsrate in der Dritten Welt reduziert werden. Um der Pharmaindustrie einen Anreiz zur stärkeren Forschung in diesem Bereich zu liefern, sollen sich Industriestaaten demnach zur Abnahme bestimmter Mengen von Impfmitteln verpflichten. Den globalen Gewinn schätzt das Entwicklungshilfswerk auf 47 Milliarden Dollar.

Ein drittes UNDP-Instrument koppelt den Schuldendienst eines Landes an seine wirtschaftliche Entwicklung. Die Idee dahinter: Staaten in einer Rezession sollen nicht auch noch wichtige öffentliche Ausgaben kappen müssen, um ihre Außenstände zu begleichen. Den positiven Effekt beziffert die Organisation auf bis 600 Milliarden Dollar.

Beobachter reagierten auf diese und die weiteren Vorschläge der UNDP positiv. "'Die Neuen Öffentlichen Finanzen' zeigen, wie wir Menschen und Länder für die Zukunft ausstatten können - für eine neue globale Ökonomie, die größeren Wohlstand und mehr Fairness sowohl innerhalb der Länder als auch weltweit mit sich bringt", kommentierte etwa der britische Schatzkanzler Gordon Brown das Programm. "Dieses Buch ist ein Meilenstein - es bietet den wichtigen Anfang eines Feldes, das noch auf Jahre hinaus bestellt werden muss", schrieb auch Joseph F. Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaft.

Jahrzehnte für die Umsetzung?

Tatsächlich könnte die Umsetzung Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern. Auch dürften sich einige Staaten nicht ohne weiteres auf die Vorschläge einlassen. Um den Emissionshandel zu ermöglichen, müssten die USA beispielsweise das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz ratifizieren. Dagegen sperren sich die Vereinigten Staaten allerdings. Und ohne den größten CO2-Produzenten dürfte der Gewinn deutlich geringer ausfallen.

UNDP-Direktoren Kaul setzt auch hier auf die Kraft der Märkte: "Unternehmen fordern eine weltweite Lösung für den Emissionshandel. Die Konzerne werden die Politik in die richtige Richtung drängen."

Jörn Sucher

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