Merckle-Erbe: Finanzinvestoren erwägen Einstieg bei HeidelbergCement

Der Ausverkauf des Merckle-Imperiums setzt offenbar ein. Laut Presseberichten haben mehrere Finanzinvestoren Interesse an dem Baustoffunternehmen HeidelbergCement. Die Ermittlungen zum Selbstmord des Milliardärs wurden eingestellt.

Frankfurt am Main/Ulm - Das Firmenimperium des jüngst verstorbenen Unternehmers Adolf Merckle steht vor der Zerschlagung. Branchenkreise berichten, dass Finanzinvestoren an einem Einstieg beim hoch verschuldeten Baustoffkonzern HeidelbergCement interessiert sind.

HeidelbergCement-Betonmischer: Im Visier der Finanzinvestoren
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Die US-Beteiligungsfirma TPG prüfe ein gemeinsames Vorgehen mit der Private-Equity-Sparte von Goldman Sachs, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein weiterer Insider ergänzte, möglicherweise werde auch der Investor Bain Capital mit ins Boot geholt.

Ob es dabei zunächst um eine Minderheitsbeteiligung geht oder mehr sei noch offen, hieß es in den Kreisen. Der gesamte Prozess befinde sich in einem sehr frühen Stadium. Ein dritter Eingeweihter betonte, der Einstieg von einem oder mehreren Investoren sei eine der Optionen, die HeidelbergCement zur Stärkung des Kapitals prüfe.

Einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) zufolge hat auch die französische Beteiligungsgesellschaft PAI Partners Interesse an einem Einstieg. Alle Beteiligten lehnten einen Kommentar ab.

Die Familie von Adolf Merckle hält direkt und indirekt gut 79 Prozent an HeidelbergCement. Ein 20-Prozent-Paket könnte laut "WSJ" etwa eine Milliarde Euro kosten. An der Börse zogen die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten HeidelbergCement-Aktien nach langer Talfahrt am Freitag kräftig an und verteuerten sich zeitweise um mehr als neun Prozent.

HeidelbergCement hatte nach dem Selbstmord des Milliardärs angekündigt, die Eigenkapitalbasis zu stärken. Dazu gehört auch der Verkauf von Unternehmensteilen. Seither kursieren auch Spekulationen, ob Konkurrenten Interesse anmelden könnten. Neben der Schweizer Holcim wurde zuletzt Italcementi als potentieller Kandidat ins Spiel gebracht. Viele Marktbeobachter halten zudem eine Kapitalerhöhung von HeidelbergCement für möglich, um die akute Finanznot zu lindern.

Den Zementhersteller drückt eine milliardenschwere Schuldenlast seit der Konzern 2007 den britischen Konkurrenten Hanson kaufte. In die Klemme gerieten die Heidelberger aber Ende vergangenen Jahres. Großaktionär Adolf Merckle hatte sich an der Börse mit VW-Aktien verspekuliert und konnte die von Banken geforderten Sicherheiten nicht mehr leisten.

Auch andere Unternehmen aus dem Merckle-Imperium stehen auf Druck der Gläubigerbanken vor dem Verkauf. Als sicher gilt, dass der Pharmakonzern Ratiopharm den Besitzer wechseln muss.

Die Staatsanwaltschaft Ulm hat die Ermittlungen zum Tode Merckles eingestellt. Wie die Ermittler am Freitag mitteilten, sei man zu dem Schluss gekommen, dass der Milliardär "seinem Leben selbst ein Ende bereitet hat". Andere Personen, auch den Lokführer des unfallbeteiligten Zuges, treffe kein Verschulden, hieß es. Merckle hatte sich am 5. Januar vor einen Zug gestürzt und war am 12. Januar beigesetzt worden.

suc/Reuters/dpa/dpa-AFX/ddp

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