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Merkels Guthaben-Garantie: Alles auf die Sparcard 100

Ein Kommentar von Rüdiger Ditz

Angela Merkel und Peer Steinbrück bitten um Vorschuss - an Vertrauen. Die Regierung garantiert für private Spareinlagen im Wert von 568 Milliarden Euro. Mit ihrem Versprechen wollen Kanzlerin und Finanzminister Menschen und Märkte beruhigen. Ein hoher Einsatz mit ungewissem Ausgang.

Erinnern Sie sich noch? Es gab mal einen populären Politiker, der gebetsmühlenartig versprach: Die Renten sind sicher. Schon die Premiere des Satzes vom damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm vor 25 Jahren war wagemutig, denn schon zu der Zeit ließ sich die gegenläufige demografische Entwicklung absehen.

Nun also Angela Merkel und Peer Steinbrück: Die Spareinlagen sind sicher, versprechen die CDU-Kanzlerin und der SPD-Finanzminister in höchster Not, gedrängt durch kollabierende Banken und Finanzmärkte, getrieben durch sperrige Banker und verunsicherte Bürger.

Deutsche Sparerinnen und Sparer müssten nicht befürchten, "einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren", präzisierte Steinbrück - eine historisch wohl einmalige Aussage eines Bundesfinanzministers. "Dies ist ein wichtiges Signal, damit es zu einer Beruhigung kommt und nicht zu Reaktionen, die unverhältnismäßig wären und die uns die derzeitige Krisenbewältigung beziehungsweise Krisenprävention noch schwieriger machen würden."

Denn dies ist die eigentliche Krise, die es zu beherrschen gilt: den Vertrauensverlust der Menschen; die Angst vor der Angst. Nichts ist mehr zu fürchten, als dass panische Sparer die Banken stürmen, um ihr Geld abzuheben, siehe die Pleite der Herstatt-Bank in den Siebzigern. Und nichts ist ärgerlicher, als die Kapitalflucht von Deutschen in scheinbar sichere Finanzhäfen, zum Beispiel nach Irland. Dort hatte die Regierung am Donnerstag eine umfassende Garantie für die Verbindlichkeiten der einheimischen Banken verordnet und damit einen Geldsog in Gang gesetzt. Also zückt die Bundesregierung jetzt die Sparcard 100, Rundum-Absicherung inklusive.

Insgesamt 4,5 Billionen Euro haben die Deutschen auf der hohen Kante: an Festgeldern und Sparbüchern, an Versicherungen, Aktien, Fonds und Zertifikaten. Immer mehr Menschen fragen sich, angeheizt durch Talkshows, Ratgeber-Sendungen und Hiobsbotschaften: Was wird aus meinem Ersparten? Welche Anlageformen sind überhaupt noch sicher? Welche Bank übersteht die Krise? Und was wird aus uns, wenn es kein Halten mehr gibt und das Geld einfach weg ist?

Diese Fragen bedurften einer Antwort. Merkel und Steinbrück haben sie gegeben. Mutig, aber auch mit hohem Einsatz. Denn ihre Beruhigungspille muss wirken, muss die Menschen von der Leistungsfähigkeit des Krisenmanagements, von der Stärke der Wirtschaft und der Regierung überzeugen. Danach ist nichts mehr. Merkel und Co. haben über das Sparer-Versprechen hinaus keine Steigerungsmöglichkeit mehr, kein Draufsatteln, sollte das deutsche Finanzsystem doch kollabieren.

Nicht auszudenken, was geschieht, wenn der Staat wirklich über gesetzliche Einlagensicherung von 20.000 Euro und den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken hinaus massenhaft verlorene Sparguthaben erstatten müsste. Auf Jahre hinaus würde die Staatsverschuldung steigen, die Investitionstätigkeit sinken, die Sozialsysteme würden zusätzlich belastet.

Die Bundesregierung geht dieses Risiko ein - und setzt sich damit ausdrücklich vom Weg der US-Regierung ab, die 700 Milliarden Dollar aufwenden will, um die Finanzbranche zu stützen. Berlin will vorrangig die unschuldigen Verlierer schützen.

Merkel und Steinbrück setzen alles auf eine Karte. Sie müssen den Teufelskreis des Misstrauens brechen. Was bleibt ihnen auch an Alternativen?

Arbeitsminister Blüm hielt erstaunlich lange durch im Amt - trotz oder vielleicht auch wegen seines Renten-Versprechens. Irgendwie haben ihm die Menschen doch vertraut.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. nachtigal ik hör dijr trapsen
Adran, 05.10.2008
Wieso erinnert mich das an Blüm? "Mit ihrem Versprechen, die Spareinlagen seien sicher!" "Die Rente ist sicher!" Das einzige was immer sicher ist, ist, dass nicht´s sicher ist..
2. Super wir drucken Geld
franklinber, 05.10.2008
und dann kommt die Superinflation, mit sicheren Spareinlagen. ;O) Was kümmert uns die Hypo ..., Sachsen LB... West LB... Lehmanns.. ect. ect. Unser leid hat diese Leute auch nie interessiert. Macht die Staatsbanken dicht und last die Banker von der Hypo... und Ihre Kollegen von den Staatlichen Banken mal das wahre leben auf dem frein Arbeitsmarkt erleben, anstatt unser hart erspartes Geld zu entwerten, zu Gunsten weniger!
3. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!
4712 05.10.2008
Die Spareinlagen sind so wie die Renten unter Blüm! Vielleicht sollte uns diese Frau lieber mal erklären, wann die Schulden dieses Landes abgebaut sind. Im Jahre 4000 oder mit der nächsten Inflation?
4. Es bleibt nichts anderes!
Norbert Rost 05.10.2008
Der deutschen Regierung bleibt kaum etwas anderes. Ohne Vertrauen kollabiert das System. So bleibt der Kollaps wohl noch etwas aus. Passieren wird er auf die eine oder andere Art jedoch trotzdem - denn das System ist auf Kollaps programmiert. Kein System kann ewig wachsen, Geldvermögen und Wirtschaftsoutput aber angeblich schon. Dieses Märchen holt die Realität jetzt langsam ein. Das brüchige Weltbild geht jedoch nicht einfach so verloren, es muss mühsam durch etwas Neues ersetzt werden. Der Akt der Spar-Garantie durch die Bundesregierung ist dabei insofern bedeutsam, als daß eine (Finanz-)Systemkrise garantiert auch das politische System betreffen wird. Denn die Handlungsfähigkeit jeder Regierung wäre durch die massive Schuldenübernahme im Fall der Garantie-Einlösung beschnitten. Was bliebe dann? Währungsreform? Und alles geht wieder von vorne los? Oder sind wir bei dem nächsten Neustadt des Systems irgendwie schlauer? Norbert Rost -- Zukunftsfähig wirtschaften ? http://www.regionales-wirtschaften.de !
5. Dann also ab zur Bank
Häh?, 05.10.2008
Zitat von sysopAngela Merkel und Peer Steinbrück bitten um Vorschuss - an Vertrauen. Mit ihrem Versprechen, die Spareinlagen seien sicher, wollen Kanzlerin und Finanzminister Menschen und Märkte beruhigen. Ein hoher Einsatz mit ungewissem Ausgang. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,582308,00.html
Wenn eine solche "Versicherung" (die Merkel und Steinmeier ja wohl nötig erscheint, dürfte es höchste Zeit sein, sich seine Kohle abzuholen!
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