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Metallbranche: Arbeitgeber schnüffeln im Privatleben von Lehrlingen

Erst Lidl, dann die Telekom, jetzt auch die Metall- und Elektroindustrie: Nach SPIEGEL-Informationen schnüffelt der Arbeitgeberverband Südwestmetall im Privatleben von Lehrlingen. Erforscht werden Kirchenbesuche, der Konsum von Zigaretten - und ob die Eltern einen Garten besitzen.

Hamburg - Die Sammelwut der Arbeitgeber kennt offenbar keine Grenzen. Nach SPIEGEL-Informationen wollen nicht nur Lidl, Edeka oder die Fast-Food-Kette Burger King detaillierte Informationen über ihre eigenen Beschäftigten erlangen. Auch weite Teile der Metall- und Elektroindustrie schnüffeln ihren Mitarbeitern nach.

Lehrling in der Metallbranche: 40 Fragen zum Privatleben
DPA

Lehrling in der Metallbranche: 40 Fragen zum Privatleben

Der einzige Unterschied: Statt mit Hilfe von Detektiven gehen die Unternehmen mittels eines Fragekatalogs vor. So verschickt der Bildungsträger Berufliche Bildung GmbH im Auftrag des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg (Südwestmetall) seit einigen Wochen Listen mit knapp 40 Fragen an Auszubildende, in denen sie aufgefordert werden, Fragen zu beantworten, die teils weit ins Persönliche reichen.

Südwestmetall will unter anderem wissen, ob der Lehrling Kirchen oder Moscheen besucht, ob in den letzten zwölf Monaten Zigaretten, Alkohol, Cannabis oder Kokain konsumiert wurden oder ob es schwerfalle, schlechte Gewohnheiten aufzugeben.

Auch interessieren sich die Arbeitgeber für die Berufsausbildung der Eltern und dafür, welche Medien genutzt werden. Selbst über Geldangelegenheiten der Eltern wollen die Arbeitgeber Auskunft. Ob größere Dinge wie Fernseher, Waschmaschine oder Möbel aus Geldmangel nicht oder nur auf Raten gekauft werden konnten, will Südwestmetall wissen, oder ob die Eltern Kunstwerke, Auto oder Haus mit Garten besäßen.

Stefan Küpper, Geschäftsführer von Südwestmetall, verteidigt die Aktion als "größeres Forschungsprojekt" zur Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiative Start 2000 Plus. Anonymität sei selbstverständlich garantiert.

Doch gleich am Anfang werden Personennummer sowie Schul- und Unternehmensnummer abgefragt. Zudem berichten Auszubildende, dass die künftige berufliche Entwicklung an das Ausfüllen der Bögen geknüpft werde.

Im Frühjahr hatte der Discounter Lidl für Aufsehen gesorgt, weil das Unternehmen Mitarbeiter systematisch ausspionieren ließ. In Protokollen hielten Detektive intimste Details aus dem Privatleben ebenso wie Banalitäten fest.

Auch die Supermarktkette Edeka steht im Verdacht, Informationen über Mitarbeiter gesammelt zu haben, ebenso wie die Fast-Food-Kette Burger King.

Den bisher größten Spitzel-Skandal deckte der SPIEGEL zuletzt bei der Deutschen Telekom auf. Das Unternehmen ließ nach bisherigem Kenntnisstand eigene Manager und Aufsichtsräte ausspionieren, um ein angebliches Informationsleck im Konzern zu finden.

Aus demselben Grund ließ die Telekom auch Journalisten überwachen. Mit den Aufträgen war ausgerechnet eine Firma beauftragt, die von früheren Stasi-Mitarbeitern geleitet wird.

wal

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