Autobiografien und Reden So verdienen die Obamas Millionen

65 Millionen Dollar für zwei Bücher, bis zu 400.000 Dollar pro Rede: Seit dem Abschied aus dem Weißen Haus haben die Obamas lukrative Verträge abgeschlossen - und stellen selbst die Clintons in den Schatten.

Michelle und Barack Obama Anfang Februar 2018 in Washington
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Michelle und Barack Obama Anfang Februar 2018 in Washington

Von manager-magazin.de-Redakteur Lukas Schürmann


Schon als US-Präsident gehörte Barack Obama zu den Besserverdienern seines Landes: 400.000 US-Dollar verdient der oberste Amerikaner seit der letzten Gehaltserhöhung für Präsidenten im Jahr 2001; hinzu kommen 50.000 Dollar für Spesen bei offiziellen Pflichten, 100.000 Dollar für Reisen - und mietfreies Wohnen im Weißen Haus. Zu den gut 3 Millionen Dollar, die Obama so in seinen acht Jahren an der Staatsspitze verdient hat, kommen laut "Forbes" 7,5 Millionen Dollar, die Obama in jener Zeit mit verschiedenen Büchern ("Dreams From My Father", "Audacity of Hope", "A Letter To My Daughters") eingenommen hat.

Wesentlich lukrativere Karrieren starteten US-Präsidenten zuletzt allerdings nach dem Ende ihrer politischen Laufbahn - auch für die Obamas sieht es aktuell danach aus. Die einstige First Lady Michelle, die während der Präsidentschaft ihres Mannes kein Gehalt vom Staat kassierte, veröffentlicht am Dienstag ihre Autobiografie "Becoming" - die Buchbranche erwartet einen globalen Bestseller. Entsprechend viel Geld hat die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House in einen Deal mit den Obamas investiert: "Becoming" und ein Buch von Barack Obama sollen der Familie laut verschiedenen Medienberichten bis zu 65 Millionen Dollar einbringen.

Selbst für US-Präsidenten wäre das eine neue Dimension: Obamas demokratischer Vorgänger Bill Clinton hatte laut "Associated Press" im Jahr 2004 15 Millionen Dollar für seine Autobiografie "My Life" bekommen, der Republikaner George W. Bush etwa 10 Millionen Dollar für "Decision Points". Einen größeren Teil ihrer Einnahmen wollen die Obamas nun spenden.

Laut "New York Times" hatte Obama bereits vor seiner Präsidentschaft ein Millionenvermögen angesammelt - vor allem dank der Verkäufe des bereits genannnten Buches "Dreams From My Father".

Auch auf die zweite traditionelle Säule post-präsidialen Lebens setzen die Obamas: auf Honorare für Reden und andere Auftritte. Bereits im April 2017, gute vier Monate nach der Übergabe der Amtsgeschäfte an Donald Trump, berichtete die "New York Times" von einem Auftritt auf einer Konferenz des Investmentunternehmens Cantor Fitzgerald. Der Lohn: 400.000 Dollar.

Bill Clinton, ebenfalls ein gern gebuchter Redner, habe ein Jahrzehnt lang etwa 200.000 Dollar pro Auftritt eingestrichen, Bush junior habe zwischen 100.000 und 175.000 Dollar pro Auftritt eingenommen. Die Honorare der beiden letztgenannten Ex-Politiker sind laut eines Berichts von "Axios" zuletzt allerdings noch einmal leicht angestiegen.

Obama scheint auch im laufenden Jahr ähnlich hohe Preise für Auftritte aufrufen zu können. Im Oktober berichtete "Forbes", "eine Handvoll reicher europäischer Geschäftsleute" hätten bei Events in Norwegen, Finnland und Dänemark insgesamt über eine halbe Million Dollar für VIP-Tickets bezahlt, um den ehemaligen Präsidenten kurz treffen zu dürfen, ihm die Hand zu schütteln und Fotos mit ihm zu machen. Wie viel Geld Obama für diese Treffen und dazugehörige Redeauftritte erhalten hat, wollten die Organisatoren der Veranstaltungen allerdings nicht verraten.

Dänische Medien hatten zuvor berichtet, Obama habe mit einer Absage gedroht, sollten irgendwelche Details zu seinen Konditionen an die Öffentlichkeit dringen.

Netflix und die Obamas wollen "kreative Stimmen heranzüchten"

Auch Michelle Obama bietet sich als Gastrednerin an, sie wird von derselben Agentur vertreten wie ihr Mann. "Axios" berichtet, sie rufe aktuell 200.000 Dollar pro Auftritt auf - und würde damit in einer Liga mit den Amtsvorgängern ihres Mannes spielen.

Im Mai 2018 hatte außerdem der Streamingdienst Netflix einen Deal mit den Obamas verkündet: Das einstige First Couple könne an Serien, Dokumentationen und Filmen mitarbeiten. Barack Obama selbst wurde mit den Worten zitiert, Michelle und er hofften, "talentierte, inspirierende, kreative Stimmen heranzuzüchten und zu kuratieren." Wie viel Netflix dafür an die Produktionsfirma der Obamas zahlt, ist nicht bekannt. Das Unternehmen hat viel Geld für Neuproduktionen auf der hohen Kante: Den Schöpfern von "Grey's Anatomy" und "Glee" hatte der Streaming-Gigant zuvor jeweils neunstellige Summen bereitgelegt.

Video: TV-Interview mit Michelle Obama

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patschel 14.11.2018
1. Gegönnt!
Sei es Ihnen gegönnt. wenn man deren Einkünfte mit Spitzensportlern vergleicht, so sind sie doch sehr gering.
isi-dor 14.11.2018
2.
Als freier, marktwirtschaftlich orientierte Mensch kann ich am Geldverdienen nichts Verwerfliches entdecken. Ich gehe zudem davon aus, dass Familie Obama auch weiterhin ihrem sozialen Engagement nachkommt. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Neid braucht man darauf nicht zu entwickeln.
beathovenr66 14.11.2018
3. Man muss auch gönne könne..
Leute, eröffnet bitte keine Neiddebatte, da sollten wir drüberstehen. Wir regen uns nicht über unsere Bundestags/Landtagsabgeordneten auf, die Gratisflieger und kostenlose Bahnnutzer, die Nichteinzahler in die gesetzliche Rentenversicherung. Haben wir doch alles hier im Land und müssen nicht über den grossen Teich schauen. Ich lese die Obamas gerne und mit Vergnügen, viel lieber als die Biografie von Jens Spahn !
idk 14.11.2018
4. Wer zahlt so etwas und wozu?
Ich bin kein neidischer Mensch und gönne es den Obamas, wenn sie das so machen können. Ich frage mich nur, was das für Leute/Vereine/Firmen sind, die bereit sind für eine einzige Rede einen Betrag hinzulegen, der dem Jahresgehalt von 8 "normalen Angestellten" entspricht. Ich sehe einfach nicht den Nutzen, den eine Organisation aus einer solchen Rede zieht... Wenn ich überlege, welche Hürden z.B. in meinem Unternehmen zu überwinden sind, wenn man z.B. einen besseren Drucker für 3000€ möchte... das dauert Monate durch alle Instanzen. Dann wird festgestellt, ein neuer Drucker würde tatsächlich etwas bringen. Dann wird die Investition getätigt. Aber bei einer Rede???
aplush 14.11.2018
5. Verrechnet
"...hinzu kommen 50.000 Dollar für Spesen bei offiziellen Pflichten, 100.000 Dollar für Reisen..." So schreiben Sie. Aber diese Beträge kann man wohl kaum zum Einkommen hinzurechnen, besser wäre daher, von einem Budget in der Höhe für den Zweck zu sprechen - es sei denn, übriggebliebenes Geld dürfte der Präsident behalten. Ist das so? Ansonsten finde ich 400 000 Dollar nicht zu viel für den mächtigsten Mann der Welt. Manager, die Banken an die Wand fahren, bekommen das Zwanzigfache.
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