Microsoft-Yahoo-Fusion Google warnt vor Monopolmissbrauch

Google schießt zurück: Der Internetkonzern warnt vor kartellrechtlichen Problemen und Monopolmissbrauch bei einer Übernahme von Yahoo durch Microsoft. Gerüchten zufolge will Yahoo die Kaufofferte jedoch schon vorher abwehren - mit der Hilfe von Google.


San Francisco/Mountain View - Google Chart zeigen hat Einwände gegen einen Kauf von Yahoo Chart zeigen durch Microsoft Chart zeigen erhoben. Durch solch eine Übernahme könnte Microsoft sein Software-Monopol für PCs womöglich auf den Bereich Internet-Dienstleistungen ausweiten, schrieb Google-Vizepräsident David Drummond am Abend in einem Blog-Eintrag bei Google. Microsoft habe schließlich eine lange Tradition bei der Ausnutzung von Monopolen.

Zusätzlich würden Microsoft und Yahoo zusammen über einen überwältigenden Anteil an Messanger-System- und E-Mail-Accounts verfügen und gleichzeitig die zwei meistbesuchten Portale im Internet betreiben, schrieb Drummond.

"Könnte eine solche Kombination den freien Zugang der Nutzer zu den E-Mail-, Messanger-, Web-Angeboten der Konkurrenz einschränken?" Dies sollten sich politische Entscheidungsträger in der aller Welt fragen, so Drummond: "Es geht darum, die grundlegenden Prinzipien des Internets zu bewahren: Offenheit und Innovation."

Microsoft reagierte prompt und wies die Vorwürfe zurück. Der geplante Zusammenschluss mit Yahoo werde bei Internet-Suche und Online-Werbung für mehr Konkurrenz sorgen. "Die alternativen Szenarien führen nur zu weniger Wettbewerb im Internet", hieß in einer Stellungnahme des Konzerns.

Die großen Drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich

Google Microsoft
und Yahoo
Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262

* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen

Zugleich berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Yahoo-Konzernkreise, Yahoo stemme sich gegen Microsofts Kaufofferte von 44,6 Milliarden Dollar. Das Yahoo-Management sei der Ansicht, dass das Angebot zu niedrig sei. Bei einer mit der Angelegenheit vertrauten Person hieß es laut Reuters zudem, Yahoo erwäge in einigen Bereichen eine Zusammenarbeit mit Google, um sich gegen eine Übernahme durch Microsoft zu wehren.

Microsoft hatte am Freitag erklärt, Yahoo für knapp 44,6 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Damit würde Microsoft den Internet-Marktführer Google angreifen. Yahoo hat die Offerte als unerwünscht bezeichnet, sagte aber eine Prüfung zu. Am Wochenende erklärte Yahoo, eingehend alle Alternativen zu einer Übernahme zu prüfen. Dabei sollten auch Chancen ausgelotet werden, Yahoo weiter als unabhängige Firma zu führen. Dies könne eine ganze Weile dauern.

Auf die Frage, ob Yahoo nach dem Microsoft-Angebot nun auch von anderen Firmen eine Offerte einholen wolle, erklärte das Management, man werde auch diese Optionen prüfen. Als mögliche Bieter werden Comcast, Viacom und General Electric gehandelt.

tno/Reuters/dpa

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