Miese Geschäftszahlen Deutsche-Bank-Chef Ackermann erwartet schwere Zeiten

Die Deutsche Bank meldet für 2008 einen Milliardenverlust - und bestätigt damit die miesen Zahlen, die Josef Ackermann schon im Januar prognostiziert hatte. Sein verhaltener Ausblick enttäuscht die Analysten.


Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat mit einem verhaltenen Ausblick auf die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr Analysten und Investoren zunächst enttäuscht. "Josef Ackermann hat keine übertriebenen Hoffnungen für 2009 geschürt", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck am Donnerstag in einer ersten Reaktion auf die detaillierten Geschäftszahlen des Geldkonzerns. Olaf Kayser von der LBBW sprach von einem "trüben Ausblick" der Deutschen Bank.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Sehr schwierige Rahmenbedingungen"
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Sehr schwierige Rahmenbedingungen"

Die Aktie sackte im frühen Handel um fast zehn Prozent ab, verringerte dann im Handelsverlauf ihre Verluste und notierte gegen 11 Uhr vormittags noch mit rund zwei Prozent im Minus. Am Vortag waren die Aktien der Deutschen Bank noch stark gestiegen, weil Anleger auf einen guten Ausblick gehofft hatten.

Nach Steuern ergab sich für die Deutsche Bank ein Minus von 3,9 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Die Dividende solle 50 Cent betragen - vier Euro weniger als im Vorjahr. Die Bank hatte bereits Mitte Januar vor einem Verlust dieser Größenordnung gewarnt.

Im vierten Quartal ergab sich ein Nettoverlust von 4,8 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Institut noch eine Milliarde Gewinn gemacht. Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann sagte der Mitteilung zufolge: "Wir sind absolut unzufrieden mit unserem Ergebnis im vierten Quartal und dem daraus resultierenden Verlust im Gesamtjahr 2008." Die zuvor nie erlebten Marktverhältnisse hätten einige Schwächen im Geschäftsmodell erkennen lassen. "Deshalb ändern wir unsere Aufstellung in einigen Geschäftsfeldern", erklärte Ackermann. Die Kapitaldecke des Unternehmens sei mit rund zehn Prozent "höher als zu Beginn der Krise".

Ackermann gab nur einen vagen Ausblick für das neue Geschäftsjahr: Die Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft blieben weiter "sehr schwierig" und stellten Kunden und Finanzindustrie vor große Herausforderungen. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass die Deutsche Bank erfolgreich aus der Krise hervorgehen würde. Ackermann wollte die Jahresbilanz 2008 am Donnerstag in Frankfurt persönlich vor Journalisten erläutern.

Im Januar hatte die Bank bekanntgegeben, dass sie nach ersten Berechnungen für das vierte Quartal des vergangenen Jahres einen Verlust nach Steuern von 4,8 Milliarden Euro erwartet. Das Minus im Gesamtjahr werde bei voraussichtlich 3,9 Milliarden Euro liegen. Dennoch schloss Ackermann bei einer Telefonkonferenz am 14. Januar Staatshilfen für die Bank erneut aus. Auch die diskutierte "Bad Bank" sei "absolut nichts, was die Deutsche Bank braucht".

Im vierten Quartal baute die Deutsche Bank Chart zeigen weltweit mehrere hundert Stellen ab. Gegenüber dem Vorquartal sank die Zahl der Vollzeitstellen von 81.308 auf 80.456, teilte das Institut mit. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das aber immer noch ein Plus von rund drei Prozent. In Deutschland blieb die Zahl der Mitarbeiter mit 27.942 praktisch stabil. Mitte Januar hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einen Stellenabbau im großen Stil ausgeschlossen.

Die Personalkosten sanken in den drei Monaten von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als ein Drittel auf 2,1 Milliarden Euro. Für den Rückgang machte die Bank in erster Linie erneut niedrigere Bonuszahlungen wegen des niedrigeren operativen Ergebnisses verantwortlich.

kaz/AP/dpa

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