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Miese Ratings: WestLB-Chef warnt vor existentiellen Problemen

"Wenn bis zum Sommer nichts passiert, sind die meisten Landesbanken bedroht": WestLB-Chef Hilgert warnt im SPIEGEL vor einer brutalen Eigendynamik durch immer niedrigere Ratings. Auch andere Geldhäuser könnten Probleme bekommen.

Hamburg - Sie sollen Unternehmen und Wertpapiere einschätzen, doch ihr Urteil hat bisweilen dramatische Folgen: Rating-Agenturen haben in der aktuellen Finanzkrise keine rühmliche Rolle gespielt. Nun könnten weitere Schwierigkeiten hinzukommen. Denn WestLB-Chef Heinz Hilgert fürchtet "existentielle Probleme für die Banken", falls die Rating-Agenturen die strukturierten Produkte in den Bankbilanzen immer weiter abwerten.

WestLB-Chef Hilgert: "Die Mechanik läuft in einer eiskalten Logik ab"
DPA

WestLB-Chef Hilgert: "Die Mechanik läuft in einer eiskalten Logik ab"

Die brutale Eigendynamik dieser Entwicklung sei noch nicht überall angekommen, sagte der Manager dem SPIEGEL. "Wenn bis zum Sommer nichts passiert, sind nicht nur die meisten Landesbanken bedroht."

Durch die Abwertung müssen die Banken immer mehr Eigenkapital aufbringen. "Diese Mechanik läuft in einer eiskalten Logik ab", so Hilgert. Die Landesbanken seien nur "dann überlebensfähig, wenn sie eine Chance bekommen, belastete Aktiva, die immer mehr Eigenkapital erfordern, auszugliedern".

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's die WestLB - wie auch andere Landesbanken - abgewertet. Der "Zeitpunkt dieses Downgrades" sei für ihn nicht nachvollziehbar, sagte Hilgert dem SPIEGEL. Die WestLB werde in wenigen Tagen ihr bestes erstes Quartal seit Bestehen vorlegen - "ein deutlich dreistelliges Millionenergebnis". Das Kernkundengeschäft wachse, und die Verwaltungskosten seien um fast ein Viertel gesenkt worden.

Die WestLB ist nach Hilgerts Worten bereit, mit anderen Banken zu fusionieren und dabei ihre Rechtspersönlichkeit aufzugeben. "Über diesen Schatten müssen auch einige andere Banken noch springen, die in einer ähnlich schwierigen Situation stecken." Hilgert geht davon aus, dass die Konsolidierung der Landesbanken notfalls von der EU-Kommission erzwungen wird. Schließlich erhielten einige Konkurrenten erheblich mehr staatliche Unterstützung als die WestLB. Die Rolle der EU-Kommission werde in einigen Landeshauptstädten "nachhaltig unterschätzt".

Hilgert rechnet damit, dass die Brüsseler in der nächsten Woche einen Verkauf der WestLB verlangen werden.

wal

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