Miese Wachstumsdaten US-Wirtschaft schmiert ab

Das Wirtschaftswachstum in den USA hat sich dramatisch verlangsamt. Die größte Volkswirtschaft der Welt legte in den letzten drei Monaten 2007 nur noch um 0,6 Prozent zu. Nach Immobilienkrise und Börsencrash grassiert jetzt die Angst vor einer Rezession.


Washington - Mit besonders guten Zahlen hatte keiner gerechnet - dass das US-Wachstum aber so deutlich nachlässt, überrascht Beobachter dann doch. Nach Angaben der Regierung in Washington ist die amerikanische Wirtschaft im vierten Quartal 2007 verglichen mit dem vierten Quartal 2006 nur noch um 0,6 Prozent gewachsen. Zum Vergleich: Im dritten Quartal hatte das Wachstum noch 4,9 Prozent betragen. Im Gesamtjahr 2007 stieg das US-Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent - das geringste Wachstum seit fünf Jahren.

Immobilienverkauf in den USA: Massiver Rückgang der Bauinvestitionen
DPA

Immobilienverkauf in den USA: Massiver Rückgang der Bauinvestitionen

Grund für die dramatische Abkühlung der Konjunktur dürften die Immobilienkrise und die dadurch ausgelösten Turbulenzen an den Finanzmärkten gewesen sein. Nun grassiert die Angst vor einer Rezession in den USA, die auch negative Folgen für die europäische Wirtschaft und insbesondere das exportorientierte Deutschland haben könnte. Selbst Ex-Notenbankchef Alan Greenspan sieht die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession schon bei "mindestens 50 Prozent".

Offiziell steckt die US-Wirtschaft noch nicht in der Rezession. Nach gängiger Definition ist dies erst dann der Fall, wenn das Wachstum in zwei aufeinander folgenden Quartalen negativ ist.

Im Vorfeld hatten Experten noch gehofft, dass man am Schlimmsten vorbeischlittern könnte. So hatten Volkswirte, die von Thomson Financial News befragt wurden, mit einem Wachstum im vierten Quartal von 1,2 Prozent gerechnet. Angesichts dieser Erwartungen sind die tatsächlichen Zahlen eine Katastrophe. Die jüngsten Angaben sind allerdings nur eine erste Schätzung, die sich noch deutlich ändern kann.

Grund für die kräftige Abschwächung war insbesondere der private Häusermarkt: Die Investitionen für den Bau von Häusern gingen um 23,9 Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang seit dem vierten Quartal 1981. Die Konsumausgaben, die für gut zwei Drittel des US-Wirtschaftsleistung stehen, stiegen um zwei Prozent. Damit ergab sich im Vergleich zum Vorquartal mit 2,8 Prozent eine spürbare Abschwächung.

Aus Angst vor einem Abgleiten in die Rezession hatte die US-Notenbank Fed vergangene Woche überraschend die Zinsen um 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Volkswirte rechnen für heute Abend mit einer weiteren Lockerung - wahrscheinlich um einen halben Prozentpunkt auf dann 3,0 Prozent. Die US-Regierung hat zudem ein milliardenschweres Konjunkturprogramm angekündigt.

wal/AFP/dpa/Reuters

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