Miese Wirtschaftsdaten Industrieumsatz fällt dramatisch

Die Wirtschaftskrise trifft Deutschland immer härter: Die Umsätze des produzierenden Gewerbes stürzten im Januar um 20 Prozent ab, auch die europäische Autobranche meldet desaströse Zahlen. Im Großhandel fallen sogar die Preise - ein Zeichen der schwachen Nachfrage, der private Konsum stagniert.


Wiesbaden - Verarbeitendes Gewerbe, Autoindustrie, Großhandel - in wichtigen Branchen zeigen fast alle Indikatoren nach unten. Damit erfasst die weltweite Krise die deutsche Wirtschaft auf ganzer Breite.

Maschinenbaumesse in Leipzig: Extrem schwaches Exportgeschäft
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Maschinenbaumesse in Leipzig: Extrem schwaches Exportgeschäft

Im verarbeitenden Gewerbe ist der Umsatz im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat real um 20 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen mit. Es ist der höchste Rückgang seit Beginn der Berechnungen 1991. Im Dezember waren die Umsätze um 12,6 Prozent gesunken.

Besonders stark macht sich das schwache Exportgeschäft bemerkbar. Während der Inlandsumsatz um 16,6 Prozent abnahm, brach der Auslandsumsatz mit minus 23,8 Prozent regelrecht ein.

Am stärksten ging der Umsatz bei den Produzenten von Kraftwagen und Kraftwagenteilen zurück, nämlich um 34,3 Prozent. Das Geschäft mit ausländischen Abnehmern schrumpfte sogar um 39,1 Prozent.

Dies macht sich auch in den Absatzzahlen der Autobranche bemerkbar. Wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag mitteilte, lag der europäische Pkw-Absatz im Februar mit 968.200 Stück um 18 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. In Großbritannien sanken die Verkäufe um 22 Prozent, in Italien um 24 Prozent - und in Spanien sogar um 49 Prozent.

In Deutschland hingegen machte sich die Abwrackprämie positiv bemerkbar. So hat sich die Zahl der Neuzulassungen im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21 Prozent auf 277.700 erhöht. Dies war laut VDA-Präsident Matthias Wissmann "das höchste Absatzniveau in einem Februar seit zehn Jahren".

Schwacher Konsum

Auch in den anderen Industrieländern kaufen die Menschen immer weniger Fahrzeuge. In den USA brach der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent auf 687.400 Fahrzeugen ein. In Japan lagen die Verkäufe mit 248.600 Pkw rund ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

Weiterer Ausdruck für die schwache Wirtschaft sind die sinkenden Großhandelspreise in Deutschland. Sie gingen im Februar um 5,7 Prozent zurück, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Vormonat waren die Großhandelspreise sogar um 5,9 Prozent gefallen. Beobachter interpretieren dies als ein Zeichen der schwachen Nachfrage.

Unterdessen haben die deutschen Verbraucher ihre Konsumausgaben im vergangenen Jahr moderat gesteigert - allerdings nur nominal. Laut Statistischem Bundesamt lagen die durchschnittlichen Ausgaben je Einwohner bei 17.073 Euro. Das seien 2,1 Prozent mehr gewesen als im Vorjahr. Preisbereinigt hätten sich die privaten Konsumausgaben je Einwohner allerdings nur um 0,1 Prozent erhöht. Mit anderen Worten: der Konsum stagniert.

Im internationalen Vergleich ist das Niveau der Konsumausgaben in Deutschland niedrig. In den USA habe jeder Einwohner 2008 durchschnittlich 22.457 Euro ausgegeben, ermittelten die Statistiker. Das seien 3,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor gewesen. Preisbereinigt seien die US-Konsumausgaben allerdings um 0,6 Prozent zurück gegangen.

Manager sind pessimistisch

Auch der Anteil des Konsums am Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland bedeutend niedriger als in den USA. Laut Statistischem Bundesamt ist er von 58,9 Prozent im Jahr 2000 auf 56,3 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen. In den USA sei der Konsumanteil in diesem Zeitraum von 68,7 auf 70,4 Prozent gestiegen.

Wie düster die Lage der deutschen Wirtschaft ist, zeigt auch eine Umfrage unter Spitzenmanagern. Mehr als die Hälfte der rund 800 im Auftrag des "Handelsblatts" befragten Führungskräfte sagte, die Geschäfte verschlechterten sich weiterhin. Etwa jeder dritte Manager erwartet "nicht vor 2010" eine Belebung, schreibt die Zeitung. Weitere neun Prozent rechnen sogar noch später mit einer Besserung.

Besonders pessimistisch sind die Großunternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten. Hier erwarten 68 Prozent schlechtere Geschäfte. Wichtigster Grund für den Pessimismus in den Chefetagen ist das schwache Auslandsgeschäft. 60 Prozent der exportorientierten Unternehmen bezeichneten die eigenen Geschäfte als schlecht. 53 Prozent erwarten, dass dies in den kommenden zwölf Monaten so bleibt oder sogar noch schlimmer wird.

wal/ddp/AP/AFP/dpa-AFX/Reuters



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