Militärtransporter: A400M-Verzögerung kostet EADS fünf Milliarden Euro

Der Bau des Militärtransporter A400M verzögert sich weiter, die Maschinen können laut einem Zeitungsbericht nicht vor 2012 ausgeliefert werden. Das soll den Konzern fünf Milliarden Euro kosten - der dementiert die neue Verspätung allerdings.

Paris - Er kommt noch später als gedacht: Der europäische Flugzeugbauer Airbus kann den künftigen Militärtransporter A400M einem Pressebericht zufolge frühestens in fünf Jahren in größerer Stückzahl ausliefern. Der Erstflug der A400M sei erst für Anfang kommenden Jahres geplant, berichtete die französische Tageszeitung "Le Figaro" am Dienstag unter Berufung auf eine vertrauliche Nachricht der Unternehmenssparte Airbus Military. Eine erste Lieferung sei deshalb für Ende 2012 und eine zweite für Ende 2013 geplant. Erst 2014 werde Airbus mehrere Flugzeuge ausliefern können, hieß es in dem Bericht.

Der Militärtransporter A400M: "Zeitplan abhängig von Triebwerken"
AP

Der Militärtransporter A400M: "Zeitplan abhängig von Triebwerken"

Kenner des Projektes rechneten deshalb damit, dass das Programm durch die Verzögerung rund fünf Milliarden Euro teurer werde als veranschlagt, berichtete die Zeitung weiter.

Ein Sprecher des Airbus-Mutterkonzerns EADS Chart zeigen widersprach diesen Angaben. Es gebe keinen neuen Sachstand gegenüber der Mitteilung vom 9. Januar, sagte er. Der Erstflug des A400M sei abhängig von der Verfügbarkeit der Triebwerke. Diesbezüglich würden Gespräche mit dem Hersteller-Konsortium EPI geführt. Genauso verhalte es sich in der Frage des Auslieferungstermins: "Wir können den Zeitplan nicht konkretisieren, solange wir keine Angaben zu den Triebwerken haben", sagte der Sprecher. "Und weitere finanzielle Auswirkungen können wir nicht beziffern, solange wir keinen Zeitplan haben", fügte er hinzu. Mit der Auslieferung des A400M will Airbus drei Jahre nach dem Erstflug beginnen.

Gespräche mit Besteller-Ländern

Vor allem die riesigen Propellertriebwerke machen den Flugzeughersteller bei der Entwicklung des milliardenschweren Projekts zu schaffen. Im Herbst vorigen Jahres verschob Airbus daher den Erstflug auf unbestimmte Zeit. Bislang hält der Konzern aber an dem Projekt fest. Neun Staaten - darunter Deutschland und Frankreich - haben insgesamt 192 A400M-Maschinen bestellt. Bei der Bundeswehr sollen sie die 40 Jahre alte Transall ablösen. Ursprünglich hätte die erste A400M bereits in diesem Jahr an Frankreich ausgeliefert werden sollen.

Wegen der Verzögerungen führt der Konzern derzeit Gespräche mit den Besteller-Ländern über die Änderung der Verträge. Für den A400M wurde entgegen sonstiger Vorgehensweise ein Festpreis ausgemacht. Zudem fallen hohe Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung an. Zur Überbrückung hat EADS-Chef Louis Gallois bereits Maschinen des Typs A330 angeboten.

Airbus-Chef Thomas Enders hatte unlängst vor einer Katastrophe gewarnt. Es sei "unverantwortlich", das Programm unter den derzeitigen Verträgen und mit der bisherigen Organisationsstruktur fortzusetzen, sagte Enders. Die Bundesregierung hat dem Mutterkonzern EADS mit Schadensersatzforderungen gedroht, sollte die erste A400M nicht wie geplant 2011 an die Bundeswehr gehen. Deutschland ist mit 60 Flugzeugen größter Abnehmer des Militärtransporters.

mik/Reuters/AFP

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