Milliarden-Abzocke Wall-Street-Betrüger Madoff linkte auch Spielberg

Die Liste der Betrugsopfer wird immer länger: Der Zusammenbruch der Investmentfirma von Ex-Nasdaq-Chef Bernard Madoff trifft neben Banken auch Prominente - unter anderem Steven Spielberg und seine Shoa-Stiftung. Zahlreiche Wohltätigkeitsorganisationen sind bedroht.


Paris/Madrid/London - Der Betrugsskandal um Ex-Nasdaq-Chef Bernard Madoff weitet sich aus: Auch die gemeinnützige Wunderkinder-Stiftung von Hollywood-Regisseur Steven Spielberg hat Geld bei Madoffs Investmentfirma angelegt. Ein Sprecher der Stiftung bestätigte das Engagement dem "Wall Street Journal".

Der Sprecher der Stiftung machte keine Angaben zur Höhe möglicher Verluste. Im Jahr 2006 kamen etwa 70 Prozent der Zinseinkünfte der Stiftung aus Anlagen bei Madoff, wie laut der Zeitung aus Unterlagen hervorgeht. Auch die humanitäre Stiftung des Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel sei betroffen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen.

Milliardenbetrug mit Schneeballsystem

Madoff ist Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC und war maßgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt. Zeitweise war er deren Verwaltungsratsvorsitzender. Madoff wird vorgeworfen, Investoren mit einem Schneeballsystem um 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben.

Analysten und Zeitungen sprechen bereits von einem der größten Betrugsfälle in der Geschichte der Wall Street. Die Investmentfirma stellte am Freitag den Handel ein. Wegen Verdachts auf massiven Betrug wurde Madoff am Donnerstag festgenommen, die Konten seiner Fonds wurden eingefroren. Mittlerweile ist der Ex-Nasdaq-Chef gegen eine Kaution von zehn Millionen Dollar wieder auf freiem Fuß. Nach Angaben der Ermittler hatte Madoff eingeräumt, bei dem Geschäft habe es sich um "eine einzige große Lüge" gehandelt.

Madoff soll seit Jahren zahlungsunfähig sein. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu fünf Millionen Dollar. Der Fall traf die Aufsichtsbehörden völlig unvorbereitet. Madoffs eigene Familie machte den Fall öffentlich.

Zusammenbruch bedroht europäische Großbanken

Die Liste der Betrugsopfer wird immer länger: "Zu Madoffs Investoren gehörten führende Industrielle und Kooperationen, die Madoff teilweise wie ein hochverzinsliches Bankkonto verwendeten, Stiftungen, Universitäten und vor allem viele bekannte Fonds von Fonds", sagte Douglas Kass, Chef des Finanzdienstleisters Seabreeze Partners Management. "Es scheint, als sind mindestens 15 Milliarden Dollar Wohlstand, vor allem aus Südkalifornien und New York, im Geldhimmel verschwunden."

Auch die US-Stiftung Robert I. Lappin, die Bildungsprogramme in Israel finanziert, stoppte ihre Zahlungen. Zahlreiche andere Wohltätigkeitsorganisationen stehen vor dem Aus, und auch die Beteiligungsgesellschaft Sterling Equities, der Besitzer des Baseball-Teams der New York Mets, hat bei Madoff angelegt.

Nicht nur Privatleute, auch europäische Großbanken haben massiv in Madoffs Firma investiert:

  • Die französische BNP Paribas Chart zeigen bezifferte den möglichen Schaden auf 350 Millionen Euro.
  • Das von der Finanzkrise ohnehin schwer angeschlagene belgisch-französische Institut Natixis fürchtet Verluste von bis zu 450 Millionen Euro.
  • Die Kunden der spanischen Gruppe Santander Chart zeigen legten insgesamt 2,33 Milliarden Euro bei Madoff an - Geld, das möglicherweise verbrannt ist.

Natixis erklärte am Montag, zwar habe man keine Direktinvestitionen in Madoffs Hedgefonds getätigt. Allerdings seien 450 Millionen Euro von Klienten über Fonds indirekt bei Madoff Investment Securities angelegt worden. Der Schaden hänge davon ab, "in welchem Maß die Anlagen zurückgewonnen werden können". Das gleiche Szenario gilt für BNP Paribas, hieß es in einer kurzen Erklärung vom Sonntagabend.

Die Schweizer Bank Reichmuth & Co gab ebenfalls ein Risiko von 350 Millionen Euro bekannt. Man bedaure ernsthaft, von dem mutmaßlichen Betrug betroffen zu sein, teilte die Bank ihren Kunden mit, ohne zunächst weitere Einzelheiten zu nennen.

Die Royal Bank of Scotland, zu 58 Prozent britisches Staatseigentum, bezifferte das Risiko auf 400 Millionen Pfund (446 Millionen Euro). Auch Banken in Fernost drohen in den Strudel mit hineingezogen zu werden. Das größte japanische Börseninstitut Nomura Holdings legte 27,5 Milliarden Yen (227 Millionen Euro) bei Madoff an.

Experten gehen davon aus, dass die Liste in den nächsten Tagen noch länger wird. Laut Presseberichten drohen unter anderem der größten europäischen Bank HSBC sowie zwei Fonds Ausfälle von über einer Milliarde Euro. Die HSBC war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

cvk/AP/Reuters/AFP



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