Milliarden-Investition Blackstone soll Einstieg in Ökostrom-Geschäft erwägen

Der deutschen Windenergie steht unverhofft ein Geldsegen ins Haus: Nach Angaben aus der Finanzbranche und der Bundesregierung erwägt das Private-Equity-Haus Blackstone eine Milliarden-Investition. Die Finanzspritze würde seit langem stockende Projekte kräftig unter Strom setzen.


Berlin/Frankfurt - Es wäre eine Weltpremiere: Erstmals würde ein Finanzinvestor den Bau von Anlagen vor der deutschen Küste vorantreiben - und zwar gleich im großen Stil: Mit über einer Milliarde Euro wolle das Private-Equity-Haus Blackstone Chart zeigen in die geplante Windkraftanlage "Meerwind" einsteigen, sagten mit dem Vorhaben vertraute Personen aus der Finanzbranche und der Bundesregierung. Die Anlage befindet sich vor der Küste nordwestlich von Helgoland.

Prototyp einer Offshore-Windanlage in Emden: Unverhoffter Geldsegen
DPA

Prototyp einer Offshore-Windanlage in Emden: Unverhoffter Geldsegen

Eine Finanzspritze im Sektor der Offshore-Windenergie wäre bitter nötig. Denn zwar ist dessen Ausbau Kernelement der deutschen Klimapolitik - bis 2020 soll sie den größten Teil zum Wachstum der Erneuerbaren Energien beisteuern. Doch eben in dieser Kerndisziplin geht es seit langem nur schleppend voran. Mehrere Projekte in diesem Bereich scheiterten, weil es an finanzkräftigen Investoren fehlte, die die Risiken der vergleichsweise neuen Technologie tragen wollten.

Joachim Falkenhagen, Geschäftsführer der Berliner Windland Energieerzeugungs GmbH, die die Lizenz für den Bau hält, wollte den Einstieg Blackstones nicht bestätigen. Er sagte aber: "Wir stehen in Gesprächen mit Investoren und rechnen noch im Juli mit einem Abschluss." Blackstone lehnte einen Kommentar ab.

Das "Meerwind"-Projekt umfasst in einer ersten Pilotphase den Bau von 80 Windrädern bis 2012, die eine Leistung von bis zu 400 Megawatt haben. Das entspricht einem mittleren Kohlekraftwerksblock.

Durch den Blackstone-Einstieg würden die etablierten deutschen Energiekonzerne erstmals Konkurrenz im Ökostromgeschäft bekommen. An Pilotanlagen beteiligen sich bislang in erster Linie die großen Konzerne wie E.on Chart zeigen und Vattenfall Europe Chart zeigen. In der Ökostrombranche und der Regierung wird dies mit Argwohn beobachtet, da sich so das Oligopol der führenden Versorger in Deutschland verfestigt. Branchenvertreter sprachen daher von einem Durchbruch, für den Fall, dass erstmals ein großer Finanzinvestor in das Geschäft einsteigen würde.

Für die Beteiligungsfirma Blackstone, die zu den größten der Welt gehört und in Deutschland unter anderem an der Deutschen Telekom beteiligt ist, wäre die Windenergie ein neues Investitionsfeld.

Die Finanzkrise zwingt die Private-Equity-Häuser seit einiger Zeit dazu, nach neuen Anlageobjekten Ausschau zu halten, da sie für ihr klassisches Geschäft mit großen Firmenübernahmen keine Kredite mehr bekommen. Viele suchen ihr Heil daher in attraktiven Investments in Schwellenländern oder kaufen Minderheitsbeteiligungen. Auch Infrastruktur-Investitionen, etwa im Energiesektor gewinnen an Bedeutung, da sie stabile Einnahmen versprechen.

ssu/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.