Milliarden-Übernahme Indianerstamm kauft Hard Rock Cafe

Das britische Hard Rock Cafe wird amerikanisch: Ein Indianerstamm aus Florida kauft die Restaurant-Kette. Der Seminolen-Stamm übernimmt mitsamt den Filialen in aller Welt rund 70.000 Rock-Memorabilia - darunter hochhackige Schuhe von Elton John und eine Gitarre von Jimi Hendrix.


London - Ein Indianerstamm aus den USA kauft die weltbekannten Hard Rock Cafes von dem britischen Freizeitkonzern Rank. Neben den mit Gitarren und Schallplatten dekorierten Restaurants übernehmen die Seminolen aus Florida auch die Spielkasinos und Hotels der Kette für insgesamt 965 Millionen Dollar (724 Millionen Euro). Zu den rund 70.000 Dekorationsgegenständen in den Filialen zählt auch Jimi Hendrix' "Flying V"-Gitarre, ein Bustier von Madonna, hochhackige Schuhe von Elton John sowie Gitarren von Bob Dylan, Eric Clapton und Chuck Berry.

"Dies ist ein stolzer Moment für den Stamm der Seminolen aus Florida und für alle Indianerstämme", sagte heute Mitchell Cypress, Vorsitzender eines gewählten Gremiums, das die Indianerstämme repräsentiert. Der Kauf der Kette Hard Rock Cafe sei eine "Möglichkeit für den Stamm der Seminolen, seine Geschäfte zu diversifizieren und ein sehr erfolgreiches Unternehmen zu noch mehr Wachstum zu verhelfen".

"Wir erkennen die Macht und die lange Lebensdauer dieser Marke", sagte der für das Spielegeschäft zuständige Chef des Indianerstamms, Jim Allen. Das Geschäft mit den 124 Cafes und mehreren Hotels solle nun weltweit ausgebaut werden. Auch plane der Stamm weitere Kasinos unter dem Markennamen zu eröffnen.

Die Florida-Seminolen verdienen vor allem mit ihren Kasinos Geld. Außerdem handeln sie mit Zitrusfrüchten, Vieh und Tabak. Rund 3300 Menschen in Florida zählen zu dem Stamm.

Die Hard-Rock-Kette umfasst neben den Cafes sechs Hotels - zwei davon mit Kasinos - sowie zwei Konzerthallen mit dem Logo, das sich in den achtziger und neunziger Jahren als Schriftzug auf T-Shirts großer Beliebtheit unter Jugendlichen erfreute. Das erste Hard Rock Cafe wurde 1971 in London gegründet. In Deutschland gibt es Ableger in Berlin, Köln und München.

Der Verkäufer Rank will sich mit der Trennung von der Hard-Rock-Kette noch mehr auf sein Spielegeschäft konzentrieren. Dabei blickt er vor allem auf die Liberalisierung des britischen Kasinomarkts im kommenden Jahr. Rund zwei Drittel des Verkaufspreises will er durch eine Sonderdividende an seine Aktionäre ausschütten. Ein Hard Rock Kasino in London verbleibt bei Rank, wird aber einen neuen Namen erhalten, teilte das Unternehmen in London mit.

kaz/Reuters/AP



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