Milliardenangebot Microsoft will Yahoo kaufen - Großangriff auf Google

Es wäre einer der größten Deals der Internet-Branche: Microsoft will Yahoo für mehr als 44 Milliarden Dollar schlucken, auch gegen Widerstände. Experten halten den Preis für extrem hoch - trotzdem könnte die Rechnung aufgehen. Zum Schaden des Konkurrenten Google.

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Redmond - Microsoft will Yahoo kaufen: Ein 44,6-Milliarden-Dollar-Deal, der die Internet-Welt aufrüttelt. Ein Deal, den Microsoft-Chef Steve Ballmer lange geplant hat. Vor einem Jahr habe er schon versucht, sich mit Yahoo Chart zeigen zusammenzutun und ein Übernahmeangebot vorgelegt, enthüllte er jetzt. Damals habe Yahoo mit der Begründung abgelehnt, man rechne mit besseren Geschäften. Ballmer dazu: "Ein Jahr ist vorbei - und die Wettbewerbssituation hat sich nicht verbessert."

Yahoo-Chef Yang, Microsoft-Chef Ballmer: Großes Potential
[M] Getty Images ; DPA

Yahoo-Chef Yang, Microsoft-Chef Ballmer: Großes Potential

Das ist noch milde ausgedrückt. Erst am Dienstag hatte Yahoo einen erneuten Gewinneinbruch vermeldet und den Abbau von rund 1000 Stellen angekündigt - das sind rund sieben Prozent der Beschäftigten.

Trotzdem reagierte die Internet-Firma extrem zurückhaltend auf die Offerte. Man habe "unaufgefordert" ein Übernahmeangebot erhalten, steht knapp in einer Pressemitteilung. Man werde es "sorgfältig und umgehend im Kontext von Yahoos strategischer Planung" prüfen. Die Entscheidung solle im Sinne der Aktionäre getroffen werden.

Microsoft bietet 31 Dollar pro Yahoo-Aktie - insgesamt also 44,6 Milliarden Dollar. Auf den Schlusskurs vom Donnerstag bedeutet das einen Aufschlag von satten 62 Prozent. Angesichts der schwierigen Situation von Yahoo stehen die Chancen gut, dass das Board der Internet-Firma letztlich dem Deal zustimmt.

Der Kurs der Yahoo-Aktien legte nach der Ankündigung drastisch um mehr als die Hälfte zu - in den vergangenen Monaten hatten sie mehr als ein Viertel ihres Werts verloren.

Der Wert der Microsoft-Aktie dagegen sank um zwischenzeitlich vier Prozent auf 31,29 Dollar. Auch der Kurs der Google-Aktie gab um 8,52 Prozent auf 516,22 Dollar nach. Neben der geplanten Yahoo-Übernahme drückten auch die heute bekanntgegebenen Quartalszahlen auf den Kurs: Google hat zwar seinen Gewinn gesteigert, aber weniger stark als erhofft. Google expandiert über Suchmaschine und Werbegeschäft hinaus massiv in neue Bereiche, um seine Einnahmen auf eine breitere Basis zu stellen.

Genau auf Google Chart zeigen hat es Microsoft abgesehen. Mit der Übernahme will Ballmer endlich den Großangriff auf dem boomenden Online-Werbemarkt starten. Gemeinsam mit Yahoo "können wir spannende Lösungen für Endkunden, Verlage und Werbetreibende kreieren", sagte Ballmer.

Die großen Drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich

Google Microsoft
und Yahoo
Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262

* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen

Und selbst wenn es Widerstand des Yahoo-Boards gibt: Microsoft will diesmal nicht von der Offerte ablassen. Man behalte sich das Recht vor, "alle nötigen Schritte zu unternehmen um sicherzustellen", dass die Yahoo-Anteilseigner die von Microsoft gebotenen Möglichkeiten nutzen könnten, zitiert die "New York Times" aus einem Brief von Microsoft an den Yahoo-Vorstand.

Der Zeitung zufolge wäre es zum Beispiel denkbar, dass Microsoft in den nächsten Wahlen zum Yahoo-Board eine eigene Kandidatenliste durchsetzt. Weil alle Direktoren bei Yahoo gleichzeitig gewählt werden, sei die Firma an dieser Stelle verletztlich.

Die Online-Aktivitäten von Microsoft stehen seit vielen Jahren unter keinem guten Stern. Anfang der neunziger Jahre setzten Microsoft-Mitbegründer Bill Gates und Ballmer mit dem Microsoft Network (MSN) noch auf geschlossene Online-Dienste und verpassten völlig den einstieg ins offene Internet.

In einem brutal geführten Wettbewerb rang Microsoft dann den Konkurrenten Netscape nieder und verwickelte sich in Kartellstreitigkeiten. Den Browserkrieg gegen Netscape konnte Microsoft zwar gewinnen, versäumte aber erneut den Einstieg in eine Schlüsseltechnik: die Internet-Suche. Und so eroberte Google den Milliardenmarkt der Online-Werbung, ohne dass Microsoft dem bislang ein adäquates Konzept entgegen setzen konnte.

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