Milliardenbetrug: Madoff-Opfer bekommen nur einen Bruchteil ihres Geldes zurück

Der mutmaßliche Schaden beträgt 65 Milliarden Dollar: Nun erhalten einige Opfer des verurteilten Betrügers Bernard Madoff Geld zurück - allerdings nur einen Bruchteil der verlorenen Summe. Denn es ist völlig offen, wie viel noch zur Entschädigung da ist.

Milliarden-Betrüger Madoff: Betrügerisches Schneeballsystem Zur Großansicht
REUTERS

Milliarden-Betrüger Madoff: Betrügerisches Schneeballsystem

New York - Insgesamt 534 Millionen Dollar (umgerechnet 363 Millionen Euro) für 1558 geprellte Anleger des vor vier Monaten zu 150 Jahren Haft verurteilten Milliarden-Betrügers Bernard Madoff sind bisher genehmigt. Das ist nur ein Bruchteil des mutmaßlichen Schadens von insgesamt 65 Milliarden Dollar.

Alles in allem gebe es derzeit Forderungen von rund 16.000 Investoren, sagte der Insolvenzverwalter von Madoffs Firma, Irving Picard, am Mittwoch laut US-Wirtschaftsdienst Bloomberg. Mehr als 11.000 von ihnen hatten ihr Geld nicht direkt bei dem heute 71 Jahre alten Madoff angelegt, sondern beispielsweise über Drittfonds.

Keineswegs alle Ansprüche sind nach Picards Urteil berechtigt. Immerhin 1303 Forderungen wies er bereits zurück. Die tatsächlich nachprüfbaren Verluste durch Madoffs Schneeballsystem lägen derzeit bei 21 Milliarden Dollar.

Völlig offen ist, wie viel Geld noch zur Entschädigung der Opfer da ist. Picards Mitarbeiter haben in Madoffs Ex-Firma selbst Werte in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar gefunden.

Mindestens 15 Milliarden Dollar will Picard aber über laufende Klagen gegen Investoren und mögliche Mitwisser Madoffs zurückholen, die zu Unrecht Gewinne eingestrichen hätten. Weitere Klagen sollten folgen, kündigte er an.

wit/dpa

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Bernard Madoff: Der XXL-Betrüger
Das jahrzehntelange Schneeballsystem des New Yorker Geschäftsmanns Bernard Madoff war der bislang größte Betrugsfall der Finanzgeschichte. Die wichtigsten Ereignisse seit dem Auffliegen des Schwindels Ende vergangenen Jahres
11. Dezember 2008:
Madoff gesteht den Betrug seinen zwei mit in der Firma beschäftigten Söhnen. Den Schaden beziffert er auf 50 Milliarden Dollar, heute wird von 65 Milliarden Dollar ausgegangen.

Übrig seien 200 bis 300 Millionen Dollar, die er noch an Mitarbeiter, Verwandte und Freunde verteilen will. Die Söhne verständigen aber die Behörden. Am frühen Morgen des 11. Dezember nehmen Beamte Madoff in seinem New Yorker Luxus-Apartment fest.
12. Dezember:
Der Ex-Broker kommt unter anderem gegen eine 10-Millionen-Dollar-Kaution auf freien Fuß. In seinem Schreibtisch finden Fahnder rund 100 bereits unterzeichnete Schecks über mehr als 173 Millionen Dollar.
13. Dezember:
Erste Opfer werden bekannt, später immer mehr. In Europa zählen dazu die spanische Banco Santander, die österreichische Bank Medici, die Schweizer UBP und die britische HSBC. Das Ausmaß in Deutschland ist kleiner. Unter den Kunden sind viele Prominente wie Starregisseur Steven Spielberg. Stiftungen und Hilfsorganisationen verlieren Millionen.
16. Dezember:
Die US-Börsenaufsicht SEC räumt schwere Versäumnisse ein. Mehreren einschlägigen Hinweisen zu dem Betrug sei über Jahre hinweg nicht ausreichend nachgegangen worden.
17. Dezember:
Auch nach einer richterlichen Überprüfung muss Madoff nicht in Untersuchungshaft. Er steht nun aber in seiner Nobelwohnung unter Hausarrest mit einer elektronischen Fußfessel zur Überwachung.
22. Dezember:
Der 65 Jahre alte französische Finanzmanager Thierry Magon de la Villehuchet nimmt sich nach einem Milliardenverlust durch Madoff in seinem New Yorker Büro das Leben.
5. Januar 2009:
Der Staatsanwalt beschuldigt Madoff der Verletzung von Kautionsauflagen. Er habe Juwelen, Luxusuhren und anderen Besitz für über eine Million Dollar zu Weihnachten an Freunde und Verwandte verschickt. Der Tipp an die Ermittler kam erneut von den Söhnen.
12. Januar:
Madoff muss trotz der Verstöße weiter nicht in Untersuchungshaft, entscheidet ein Richter. Die US-Öffentlichkeit ist empört.
4. Februar:
Auf Madoffs von den Behörden veröffentlichter Kundenliste finden sich auch die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Bayerische Landesbank.
11. Februar:
Die Frist zur Anklage durch die Staatsanwaltschaft wird erneut verschoben. Zugleich wird bekannt, dass Madoffs Frau Ruth 15,5 Millionen Dollar kurz vor Auffliegen des Betrugs von einer mit Madoff verbundenen Firma abgezogen hat, davon allein zehn Millionen Dollar nur einen Tag vor seiner Festnahme.
10. März:
Die Staatsanwaltschaft legt die Anklage vor. Für die elf Punkte drohen insgesamt bis zu 150 Jahre Haft.
12. März:
Madoff bekennt sich vor einem Gericht in New York als in allen Anklagepunkten schuldig und bittet seine Opfer um Vergebung. Jetzt muss er in Untersuchungshaft.
24. Juni:
Madoffs Verteidiger plädiert für eine milde Strafe von lediglich zwölf Jahren und spricht von einem Klima der Rachsucht.
26. Juni:
Das Gericht segnet einen Vergleich ab: Villen, Autos, Yachten und anderes Familienvermögen im Gesamtwert von mehr als 80 Millionen Dollar sollen an die Opfer gehen. Dafür darf Madoffs Frau Ruth 2,5 Millionen Dollar behalten.
29. Juni:
Madoff wird zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt.