Milliardendeal Google übernimmt Videoportal YouTube

Das Internet-Unternehmen Google übernimmt das Internet-Videoportal YouTube. Kaufpreis: 1,65 Milliarden Dollar in Aktien. Der Suchmachinen-Spezialist sichert sich damit die führende Rolle im wachsenden Markt für Videos im World Wide Web.


New York – Tagelang hatten die Medien über den Kauf von YouTube spekuliert. Am Montagabend nach Börsenschluss bereitete das Internet-Unternehmen Google den Gerüchten schließlich ein Ende und kündigte die Übernahme an. Beide Unternehmen hätten der Transaktion zugestimmt, teilte der Suchmaschinen-Krösus mit. Die Akquisition soll noch im vierten Quartal 2006 abgeschlossen werden. Es ist das erste Mal, dass ein Internetangebot, das auf der Beteiligung von Nutzern basiert, mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wird.

Details der Vereinbarung: YouTube behält seinen Firmensitz im kalifornischen San Bruno und arbeitet weiterhin unabhängig. YouTube soll als Marke bestehen bleiben und weiter alle 67 Beschäftigten, darunter die Gründer Chad Hurley und Steve Chen, behalten.

Die Übernahme des immer noch defizitären Startup-Unternehmens, das eine Plattform für die Veröffentlichung von Videos durch Internet-Nutzer bietet, ist für Google die mit Abstand teuerste Akquisition in der achtjährigen Firmengeschichte. Den bisherigen Rekord im Web-2.0-Verkaufsrausch hält Rupert Murdochs News Corp., die für das Community-Netzwerk MySpace 580 Millionen Dollar bezahlt hatte.

Branchenkenner: Nur "ein Idiot" würde YouTube kaufen

Beobachter stehen dem aktuellen Google-Deal kritisch gegenüber. YouTube ist trotz seiner weltweit hohen Zugriffszahlen noch immer ein Internet-Unternehmen in den Kinderschuhen. Nach Einschätzung von Experten setzt Google darauf, dass immer mehr Zuschauer und Werbetreibende vom Fernsehen zum Internet wechseln. Kritiker aber halten den Kauf von YouTube gerade deshalb für einen riskanten Schachzug, weil YouTubes Attraktivität nicht zuletzt auf den vielen Copyright-geschützten Inhalten basiert.

Branchenpionier Mark Cuban etwa, in den Neunzigern Mitgründer des Unternehmens Broadcast.com (und heutiger Besitzer des Basketballteams Dallas Mavericks), hatte deswegen erst vor einem Monat bei einer Konferenz gesagt, nur "ein Idiot" würde YouTube kaufen. Nun aber scheint es, als ob Google und YouTube mit den neuen Allianzen fieberhaft dabei sind, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen.

Nach der Nachricht von der YouTube Übernahme gaben Google-Aktien im nachbörslichen Handel leicht nach, nachdem sie am Nasdaq im Sog der Spekulationen über die Übernahme mehr als zwei Prozent zugelegt hatten.

fok/cis/dpa/AP/Reuters



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