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Milliardenverlust: Daimler kürzt 60.000 Mitarbeitern den Lohn

Daimler verzeichnet im ersten Quartal einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro, jetzt verordnet der Autoriese drastische Einschnitte: Zehntausenden Beschäftigten wird die Arbeitszeit um knapp neun Prozent gekürzt - ohne Lohnausgleich. Selbst der Betriebsrat sieht dazu "keine Alternative".

Stuttgart - Es ist ein Sparprogramm, das wehtut: Daimler kürzt rund 60.000 Mitarbeitern die Arbeitszeit um 8,75 Prozent - ohne Lohnausgleich. Betroffen sind alle Beschäftigten in Deutschland, die sich nicht in Kurzarbeit befinden. Am härtesten trifft die Bereiche Verwaltung, Forschung, Technik und Vertrieb.

Diese herben Einschnitte teilten der Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm am Dienstag in Stuttgart mit. sie fallen etwas geringer aus als am Montag erwartet worden war.

Daimler-Arbeiter in Bremen: Ehrgeiziges Sparprogramm
DPA

Daimler-Arbeiter in Bremen: Ehrgeiziges Sparprogramm

Auch die Mitarbeiter in Kurzarbeit müssen finanzielle Einbußen hinnehmen. Sie erhalten geringere Zuschüsse auf das Kurzarbeitergeld als bisher, wie es weiter hieß.

Für alle Beschäftigten soll zudem die für Mai geplante Tariferhöhung von 2,1 Prozent auf Oktober verschoben werden. Die Ergebnisbeteiligung in Höhe von 1.900 Euro für das vergangene Jahr wird erst einmal nicht ausbezahlt.

Im Gegenzug erhalten alle Mitarbeiter für die Dauer der Laufzeit der Vereinbarung vom 1. Mai 2009 bis 30. Juni 2010 eine Beschäftigungsgarantie, unabhängig vom Eintrittsdatum. "Uns ist bewusst, dass wir den Beschäftigten schmerzhafte Einschnitte zumuten", sagte Porth.

Auch Betriebsratschef Klemm, der gegen die Verschiebung der Tariferhöhung Sturm gelaufen war, sagte, das Sparpaket sei "ohne Alternative". Es sei besser, Lohzuwächse zu kappen, als in die Besitzstände der Beschäftigten einzugreifen. Die Zustimmung des Betriebsrats zu der Verschiebung der Lohnerhöhung um fünf Monate stelle aus seiner Sicht "keinen Präzedenzfall" dar.

1,3 Milliarden Euro Quartalsverlust

Das Sparpaket hat einen Umfang von zwei Milliarden Euro. Daimler will damit die Verluste auffangen, die der Konzern durch die geballte Auto- und Finanzkrise hinnehmen muss. Im ersten Quartal verkaufte Daimler weltweit 332.300 Pkw und Nutzfahrzeuge - ein Drittel weniger als noch vor einem Jahr.

Erst am Morgen hatte der Konzern desaströse Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht. Daimler verbucht demnach einen Verlust von 1,286 Milliarden Euro und einen Umsatzeinbruch von 22 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro. Auch im zweiten Quartal rechnet die Unternehmensführung mit einem "deutlich negativen Ergebnis".

Für den Premiumhersteller ist das ein gewaltiger Absturz: Im Vorjahresquartal hatte Daimler noch einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

Das Ergebnis ist noch schlechter als erwartet. Analysten hatten im Schnitt bei einem Umsatzrückgang von 23,6 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro nur mit einem operativen Verlust in Höhe von 947 Millionen Euro gerechnet.

Entsprechend reagierte die Börse: Daimler-Aktien verloren nach Bekanntgabe der Zahlen zeitweise sechs Prozent. Ein Händler nannte die Zahlen "grausam". Allerdings rechne er im Verlauf mit einer Kurserholung, nachdem der Autobauer für das zweite Halbjahr in der wichtigen Sparte Mercedes-Benz-Cars ein positives Ergebnis in Aussicht stellt.

DaimlerChrysler endgültig Geschichte

Zuvor hatte Zetsche die endgültige Trennung von Chrysler bekanntgegeben. Der Autobauer gibt demnach seine Beteiligung von 19,9 Prozent an der verlustreichen US-Tochter ab. Die Einigung zum Chrysler-Ausstieg sieht unter anderem vor, dass ...

  • ... Daimler auf die Rückzahlung von Darlehen verzichtet, die Chrysler gewährt wurden;
  • ... Daimler zum Tag der Vertragsunterzeichnung und in den kommenden beiden Jahren jeweils 200 Millionen Dollar an Pensionszahlungen leisten wird, um die Absicherung von Mitarbeitern der ehemals gemeinsamen Firma zu unterstützen;
  • ... die Pensionsgarantie von einer Milliarde Dollar gegenüber der US-Pensionsaufsicht PBGC auf 200 Millionen Dollar reduziert wird und bis 2012 läuft.

Die Gegenseite verzichtet laut Daimler vollständig auf mögliche Forderungen aus den üblichen Garantien und Gewährleistungen, die aus dem Verkaufsdeal von 2007 entstehen könnten - damals hatte Daimler eine 80-Prozent-Mehrheit an Chrysler an die Investmentgruppe Cerberus verkauft. Außerdem ziehe Cerberus die 2008 vorgebrachten Vorwürfe zurück, denen zufolge Daimlers Geschäftsführung zwischen Vertragsunterzeichnung und -abschluss nicht ordnungsgemäß war und wonach über den Deal nur unvollständig informiert wurde.

Die Vereinbarung reduziert den Angaben zufolge das Ergebnis des deutschen Autobauers vor Zinsen und Steuern im zweiten Quartal voraussichtlich um 700 Millionen Dollar.

Die Darlehen, auf die Daimler nun offiziell verzichtet, hatte das Unternehmen im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben; der Wert des Aktienpakets wurde auf null herabgesetzt. Die gesamten Abschreibungen auf die restliche Beteiligung an Chrysler hatten laut Konzern mit einem Minus von 3,2 Milliarden Euro zu Buche geschlagen.

ssu/AP/dpa/ddp/Reuters

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Forum - Wohin steuert Deutschlands Autoindustrie?
insgesamt 969 Beiträge
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1.
berlin_rotrot, 08.04.2009
Zitat von sysopDie Autohersteller müssen sparen, die Zulieferer trifft die Krise besonders hart. Wie sieht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie aus?
düster düster! wenn wir endlich serienmäßig gas- und elektro autos hätten und die korrupten politiker, manager sich nicht von der Öl-Lobby schmieren lassen würden, dann hätte die Autoinidustrie auf jedenfall eine chance!
2. In den Abgrund
Albedo4k8, 08.04.2009
Mehr braucht man dazu nicht sagen. War alles schon seit Jahrzehnten absehbar.
3. Nicht schlecht!
garfield53, 08.04.2009
Die Autoindustrie insgesamt kann sich unter dem Deckmantel der Wirtschaftskrise von vielen, in ihren Augen unnützen Dingen entledigen: alten verfehlten Technologien, Pensionverpflichtungen, Festangestellten, Arbeitnehmervertretungen, Tarifbindungen, Neue Zulieferer und Dienstleister können bei einen s.g. Neubeginn noch mehr geknebelt werden. Neue Mitarbeiter können durch die auch von den Medien unternehmerfreundlich geschaffene Situation, bei eventuellen Neueinstellungen, mit den beliebten "Ostlöhnen" erpresst werden. Was besseres, als das eigene Unvermögen und die Gier zur Reparatur an den Staat abzuschieben, kann eigentlich nicht passieren. Denn aufgrund der weitgehenden Flächendemontage des Schienennetzes in Deutschland, ist der Individual- und Güterverkehr auf der Straße nicht mehr zurück zu drängen, also Autos werden auf jeden Fall gebraucht, vielleicht anders Technik, aber da hilft bestimmt die Bundesregierung mit Milliardengeschenken. Solange an jeden verkauften Fahrzeug bis zu vierzig Prozent verdient werden. Toll!
4.
mzwk 08.04.2009
Es sieht alles nach FEIERABEND aus. Jeder Deutsche Hersteller will PREMIUM sein. Wer baut die Autos fuer den kleinen Mann? Die Politik hat noch nicht begriffen das es sich bei dieser Krise um eine Ueberproduktionskrise handelt - Es stehen Massen an Fahrzeugen auf Halde die sich keiner Leisten kann. Deutsche Autos sind "over-Engineered", d.h. es ist viel zu viel ueberfluessige Technik drin, die keiner wirklich braucht. Deswegen sind alle so teuer, und das kann sich der normalverdiener nicht leisten. Deswegen wird die Autozukunft in Deutschland sehr duester aussehen. Dazu kommt noch die Abwrackpraemie, welche den Autoverkauf in .de die naechsten Jahre sehr Alt aussehen lassen wird. mfg
5.
Rainer Eichberg 08.04.2009
Zitat von sysopDie Autohersteller müssen sparen, die Zulieferer trifft die Krise besonders hart. Wie sieht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie aus?
Eigentlich ganz gut, denn Qualität aus Deutschland hat einen guten Ruf weltweit. Insbesondere, was Autos betrifft. Momentan halten jedoch auch ansonsten kauffreudige Menschen eher den Geldbeutel geschlossen. Schlecht für Cabrio-Hersteller und deren Zulieferer. Reden wir in 3 Jahren nochmal drüber. Dann siehts bestimmt besser aus. Hoffentlich hält Karmann solange durch.
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